Die Alternativlose Deutschland als One Woman Show
Die Volksparteien halten Parteitag, das Volk sieht kaum hin. Das Programm der Union besteht aus einer einzigen Person, und der Gegenkandidat vermittelt kaum das Gefühl einer echten Alternative. So viel stille Macht in Berlin und Europa - was macht das mit uns?
Angela Merkel ist Bundeskanzlerin und Vorsitzende der CDU. Manche verübeln ihr die Macht, die sie hat, andere nehmen ihr krumm, dass man diese Macht kaum spürt. Einig ist man sich nur darin, dass sie irgendwie alternativlos ist. Oje, wahrscheinlich auch noch im Herbst 2013.
Stille Macht
Angela Merkel ist vielen ein Rätsel. Aus Kohls Mädchen ist die unangefochtene Herrin nicht nur Deutschlands, sondern Europas geworden. Unangefochten? Viele neiden ihr den meist stillen Erfolg, viele fürchten sie, bald jeder könnte sich Alternativen vorstellen, wenn er nur könnte. Es ist Angela Merkels Trick, lange zu beobachten und sich erst spät festzulegen, ihre Macht eher im Stillen auszuüben. Die herrische Geste eines Gerhard Schröder oder dessen Platzhirsch-Gebaren wären ihr rasend fremd. Sie spielt lieber die Männer gegeneinander aus und lässt sie ihre Spielchen spielen, bis sie machtlos sind.
Diese Meisterin ist den weniger Machtvollen ein Ärgernis. Ein Segen ist sie vielleicht auch - für die CDU, diesen Kanzlerinnen-Wählverein, und vielleicht gar für den Euro. Wer weiß? Natürlich gibt es auch Neider, Zweifler, harsche Kritiker. Gertrud Höhler hat der "Patin" ein ganzes Buch gewidmet, das vor Abneigung vibriert - und manch scharfe Beobachtung enthält.
Die alten Männer und das Nicht-mehr
Mann zu sein unter Frau Merkel ist bestimmt nicht allzu lustig. Man(n) muss Stärke zeigen, aber nicht zu viel, muss funktionieren und dauernd fürchten, dass einen beides um Kopf und Kragen bringt, das Funktionieren wie das Nichtfunktionieren. Und dann darf man nicht mal mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen "bring mir mal ein Bier" (sonst streik‘ ich hier, hat jener Mann gesagt, der ihr einst die Fähigkeit absprach, die Macht überhaupt zu ergreifen).
Die alte Männergarde der Union ist weggemobbt, bis auf Wolfgang Schäuble, den letzten Mohikaner der Kohl-Ära, der viele Wandlungen durchleben musste. Die Frauen blühen aber auch nicht alle einfach auf - dafür ist Frau Merkel doch zu sehr Union, will heißen, Vorsitzende eines wertkonservativen Wahlvereins. Obwohl, mit den Werten hat es diese Dame auch nicht so sehr. Dafür ist sie viel zu sehr pragmatische Physikerin. Ja, was denn nun?
Antikandidatenkandidat
Einer wagt es, sehen wir mal von den anderen ab, die so gar keine Chance haben. Einer tritt an gegen diese Angela Merkel, schon weil er ein echter Kerl ist, ein Herr gar. Nun könnte ihm eben dies fast noch vor dem Start zum Verhängnis werden. Peer Steinbrück hat ordentlich verdient als Meister der selbstbewussten Rede und bei einer klammen Stadt allzu heftig abkassiert und allzu spät zurück gespendet. Auch das wäre der alternativlosen Alleinherrscherin Merkel niemals passiert. Dafür ist sie zu bescheiden, bei aller Macht. Oder gerade wegen dieser ach so schillernd stillen Macht?
Die Themen im Einzelnen
- Das Schweigen der Macht... Die Union hat Parteitag gehalten (Ingo Lierheimer)
- Die Frau, die aus der Kälte kam (Lutz Rathenow)
- Die Macht der Kanzlerin und die Ohnmacht der Frauen (Anita Fünffinger)
- Die alten Männer und das Mehr an Macht (Rainer Volk)
- Die Patin? Das seltsame Buch eines Racheengels (Text von Gertrud Höhler)
- Der Antikandidatenkandidat. Bildnis eines herrischen Mannes (Anton Rauch)
Redaktion und Moderation: Lukas Hammerstein
Musikauswahl: Roland Spiegel

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