Ferner naher Osten Israel geht uns alle an
Die Israelis sollen U-Boote von uns bekommen - und Deutschland debattiert. Joachim Gauck reist in den Nahen Osten und findet nicht mehr alles selbstverständlich. Was ist los mit uns? Sind wir nicht länger beste Freunde? Sind wir so frei, es nicht mehr zu sein?
Günter Grass hat es getan. Viele deutsche Bürger tun es mit ihm - den Staat der Juden kritisieren. Manchmal schwingt ein böser Ton mit, manchmal scheint manches auch berechtigt. Was sollen wir denken, was fühlen? Geht uns die Sicherheit Israels nichts mehr an?
Freunde Israels
Als Günter Grass, angry old man, neulich gegen Israel zu dichten suchte, waren die Reaktionen heftig uneinheitlich. Die einen sagten, ganz im Ton des "Gedichts", man werde noch sagen dürfen oder müssen, die andern konnten judenfeindliche Ressentiments ausmachen.
Was auch immer Günter Grass geritten hat - er traf ins Schwarze und sprach vielen Deutschen aus der nicht nur hellen Seele. Als wäre es uns nicht immer möglich, die Politik der Freunde in Israel zu kritisieren. Als hindere uns eine dunkle Macht, die Wahrheit zu sagen. Dabei hatte Grass nur gesagt, was vor ihm etwa Hilary Clinton formuliert hatte - die Sorge vor einem neuen Konflikt im Nahen Osten.
Warum die Deutschen?
Götz Aly hat gerade den Börne-Preis erhalten - für seine Forschungen zum deutschen Antisemitismus. Warum die Deutschen? Warum die Juden? heißt sein jüngstes Buch. Darin versucht er zu zeigen, woher der Furor kommt, der uns, die Deutschen, einst in den vernichtenden Hass gegen die Juden trieb. Ein Hass, der einst massenmörderisch wurde und noch heute, weniger gewalttätig, aktiv ist, wie ein Expertenkreis des Deutschen Bundestages vor kurzem feststellte. Was ist nur mit uns los, was hatten (und haben) wir gegen die Juden? Warum fällt es uns Deutschen so schwer, vernünftig über Israel zu sprechen? Warum erlauben wir dem bedrängten Land nicht einfach, sich zu verteidigen und jene abzuschrecken, die sie vernichten, "ins Mittelmeer" treiben, wollen?
Fremdes Land
Die Deutschen sind sich selber nicht geheuer. Noch unheimlicher sind uns nur die Anderen. Alle, die wir nicht verstehen, wie die Israelis. Oder die Syrer. Oder die Mullahs im Iran. Wenn wir vom Nahen Osten sprechen, heißt das nicht, dass er uns auch nahe wäre. Das konnte man sehen, als Joachim Gauck, als Bundespräsident und Bürger, das Heilige Land besuchte - und nicht alles nachbeten wollte, was etwa die Kanzlerin sagt. Oder wenn die Grünen U-Boote liefern, aber verbieten wollen, dass sie Waffen tragen. Oder wenn alte deutsche Dichter böse Verse schmieden gegen einen angeblichen Aggressor. Dabei geht Israel uns alle an.
Die Themen im Einzelnen, 16.06.2012
- Freund Israel? Worüber regen wir uns auf, wenn wir weiter U-Boote liefern? (Hans Tschech)
- Freund Israel! Zur traditionellen Doktrin deutscher Außenpolitik (Rainer Volk)
- Gegner Israel? Günter Grass und die fast schon emanzipierten Deutschen (Knut Cordsen)
- Warum die Deutschen? Warum die Juden? Götz Alys Quellenforschung (Götz Aly / Sprecher Axel Wostry)
- Exkurs: Das Elend von Syrien und die zynische Weltgemeinschaft (Clemens Verenkotte)
- Scham und Trotz. Auschwitz werden wir den Juden nie verzeihen (Ulrich Chaussy)
Redaktion und Moderation: Lukas Hammerstein
Musikauswahl: Roland Spiegel

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