Bayern 2 - IQ - Wissenschaft und Forschung

Asteroidenforschung Plutos kleine Geschwister

Nichts hat unser Bild von Asteroiden so sehr geprägt wie spektakuläre Katastrophenfilme. Allen voran "Armageddon" mit Bruce Willis. Darin spielen Asteroiden die Rolle des Übeltäters: riesengroß, brandgefährlich und nur durch radikalste Abwehrmaßnahmen in den Griff zu bekommen.

Autor: Klaus Uhrig Stand: 13.07.2011

Nicht auf Kollisionskurs

Tatsächlich gibt es ganz unterschiedliche Asteroiden - und nur die wenigsten sind auf Kollisionskurs mit der Erde. Einige sind ziemlich groß, so wie Pluto, der bis vor kurzem sogar noch ein Planet war und gerade erst zum Asteroiden degradiert wurde. Andere sind kleine Steinbrocken, wieder andere ganz unspektakuläre Eisklumpen.

"Wir wollen eine Zeitreise machen und etwas über unsere Herkunft erfahren. Indem wir uns zwei Himmelskörper ansehen, die sehr lange unverändert überlebt haben, können wir herausfinden, wie die Umstände genau waren"

Chris Russell, Missionsleiter DAWN

Eines aber haben sie gemeinsam: Wir wissen noch sehr wenig über sie. Bis jetzt. Denn in den letzten Jahren sind Asteroiden immer stärker in den Fokus der Wissenschaft geraten. Das Interessante an diesen Gesteins- und Eisbrocken: Sie sind in der Frühphase des Planet-Werdens steckengeblieben - und können uns so Aufschluss darüber geben, wie diese frühe  Phase auch bei der Erde ausgesehen haben könnte.

Weltraummission zum Asteroidengürtel

Vor drei Jahren hat ein internationales Forscherteam die DAWN-Raumsonde auf den Weg geschickt. Jetzt befindet sie sich gerade im Anflug auf ihr erstes Ziel: Den Asteroiden Vesta. Der ist mit etwa 500 Kilometern Durchmesser schon einer der größeren Asteroiden im Sonnensystem. Ein Jahr lang soll die Sonde den Asteroiden untersuchen.

Danach wird sie - und das gab es noch nie - nicht etwa dort zurückgelassen, sondern fliegt direkt weiter zu ihrem nächsten Ziel: Ceres, einem noch größeren Brocken, der sich ebenfalls im sogenannten Asteroidengürtel befindet, einer breiten Zone zwischen Mars und Jupiter, in der es besonders viele Asteroiden gibt.

Kometen, Asteroiden und Meteoriten :  Kleine Wilde aus dem All

Millionen von Asteroiden und Kometen rasen durchs All. Trudelnd und taumelnd sind viele der Geschosse auf wilden Bahnen unterwegs. Und könnten die Erde jederzeit treffen - wie schon tausendmal geschehen. Mit katastrophalen Folgen.

Reise zum Ursprung unseres Sonnensystems 

DAWN, der Name der Sonde, ist Englisch und bedeutet "Sonnenaufgang". Das Ziel der Mission: Herausfinden, wie unser Sonnensystem früher aussah. Denn Vesta und Ceres haben sich seit Milliarden von Jahren fast nicht verändert. Obwohl sie eigentlich groß genug gewesen wären, um sich zu vollständigen Planeten weiter zu entwickeln.

"Wir denken nicht mehr darüber nach, auf dem Mond zu landen, sondern auf etwas, auf dem man einfacher landen kann - so wie Asteroiden. Man braucht ja eine gewisse Schwerkraft, aber eben nicht zu viel. Es gibt also genau die richtige Größe für bemannte Missionen. Und Vesta und Ceres haben genau diese richtige Größe."

Chris Russell, Missionsleiter DAWN

Die Asteroidenforscher hoffen, dass ihnen die Analyse der Asteroiden ganz grundsätzliche Fragen beantworten kann: Wie ist unser Sonnensystem entstanden? Warum gibt es darin ein paar große Brocken - die Planeten - und viele kleine?

Manche Forscher vermuten in den Asteroiden sogar den Schlüssel zum Ursprung des Lebens auf der Erde. Denn einige dieser Brocken enthalten große Mengen Wasser. Wasser, das möglicherweise erst durch Astroiden-Einschläge auf die Erde gekommen ist.

Leben auf Asteroiden

Auf Ceres, dem größten Brocken im Asteroidengürtel und zweiten Ziel der DAWN-Mission gibt es wahrscheinlich besonders viel Wasser. Das macht Ceres für zukünftige Missionen besonders interessant. Schon jetzt träumen die Asteroidenforscher davon, irgendwann eine bemannte Mission zu Ceres zu schicken  und am Ende vielleicht sogar eine Raumbasis dort zu etablieren.