Polarklang Die Klänge der antarktischen Unterwasserwelt
Die akustische Forschungsstation PALAOA dient der Erforschung der antarktischen Unterwasserwelt: Zu Ohren kommt eine geisterhafte Sinfonie der Tiefe, in der Robben und Wale melodisch singen und abbrechendes Eis basslastig donnert.
Unweit der Neumayer-Station befindet sich die akustische Forschungsstation "PALAOA" - was für PerenniAL Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean steht, aber auf hawaiianisch auch "Wal" bedeutet. Und tatsächlich macht der kleine unbemannte PALAOA-Container mit seinen vier Unterwassermikrophonen auch die Gesänge der Meeresriesen hörbar.
Der Krill lockt ins Kalte
"Krill" - wiederum ist ein norwegisches Wort und bedeutet übersetzt Walnahrung. Riesige Schwärme dieser krabbenartigen Kleinkrebse schwimmen im Südpolarmeer und ziehen insbesondere im antarktischen Sommer - der in unserem Winter stattfindet - Wale, Robben und andere Tiere an. Der Krill ist die Grundlage für das Ökosystem im Lebensraum Südpolarmeer.
Die Weddell-Robbe ist Gesangsmeister
Wissenschaftler vom Alfred Wegener Institut analysieren die Lautäußerungen der Tiere, die bei der PALAOA-Station aufgenommen wurden. Während die Krabbenfresserrobbe nur einen einzigen, sehr markanten Laut von sich gibt, beherrscht die Wedellrobbe um die 40 verschiedene Lauttypen, die zum Beispiel während der Paarungszeit in ganzer Pracht zu hören sind.
Auch die seltene und wenig erforschte Ross-Robbe gehört zu den Gesangskünstlern, während Schwertwale zur Echoortung bloß klicken wie ein Geigerzähler.
Horchen vor dem Tauchen
Wissenschaftler aus aller Welt sind die einzigen Bewohner der Antarktis. Einige von ihnen absolvieren Tauchgänge im Südpolarmeer. Wenn über die PALAOA-Station die heulenden Gesänge eines Seeleoparden zu hören sind, geht dort allerdings niemand ins Wasser. Der Seeleopard gehört zu den gefährlichsten Tieren für Taucher in der Antarktis.
"Die Seeleoparden verhalten sich aggressiv. Mit einer Filmkamera lag ich vor der Robbe und ohne dass man etwas im Gesicht sehen konnte - Hunde legen die Ohren an -, gab es einen Angriff. Sie ist ganz schnell, mit ganz scharfen, großen, spitzen Zähnen und der Rachen ist ganz tief eingeschnitten im Kopf. Es sieht wirklich reptilienartig aus das Tier."
Dr. Joachim Plötz, Warmblüter-Biologe, AWI Bremerhaven
Weltweiter Wandel
Während die Robben über die PALAOA-Mikrofone singen, sind im Hintergrund oft dumpfe Einschläge zu hören. Diese Eisabbrüche an der Schelfeiskante sind von keinem Satelliten zu sehen, mit PALAOA jedoch gut zu hören. Die Abbruchraten werden gemessen - sie können konkrete Hinweise auf die Auswirkungen einer Klimaerwärmung in der Antarktis geben.
Live im Südpolarmeer
Wer in diesen entlegenen Ort, in die Tiefe der antarktischen Gewässer hineinhören möchte, der findet den Live-Stream von der PALAOA-Station auf der Website des Alfred Wegener Instituts. Mit etwas Glück sind Geräusche zu hören, von denen auch die Wissenschaftler keine Ahnung haben, woher sie stammen.
Singende Riesen
Wenn zwei stadtgroße Eisberge aufeinander stoßen, entsteht ein so großer Lärm, dass die Unterwassermikrofone nur noch verzerrte Geräusche übermitteln. Doch Eisberge sind auch sonst manchmal akustisch aktiv. Wissenschaftler des geophysikalischen Observatoriums an der Neumayer-Station haben einen eigenartigen Klageruf aufgefangen, der sich über tausende von Kilometern in der Antarktis ausgebreitet hat. Nach längerem Rätselraten konnte ein Eisberg als Quelle identifiziert werden.
"Ja dann passiert es, dass zwei Eisberge von der Größe jeweils Bremerhavens mit ungefähr 5 km/h ineinander rasseln - da ist natürlich viel Energie zu vernichten, bevor da einer zum Stehen gekommen ist. Solche akustischen Ereignisse sind bislang nicht aufgezeichnet worden."
Dr. Olaf Boebel, Physiker und Ozeanograph, AWI Bremerhaven
Erinnerungen ans Leben im Eis
Nach dem antarktischen Sommer sinken die Temperaturen ins Bodenlose, und der Unterwasserdschungel verlagert sich in wärmere Gewässer. Während einige wenige Wissenschaftler zum Überwintern zurückbleiben und sich auf ein einsames und dunkles Halbjahr vorbereiten, verlassen die meisten anderen Kollegen die Antarktis. Was sie neben den gesammelten wissenschaftlichen Daten und Proben mitnehmen, sind die Erinnerungen an beeindruckende Erlebnisse.

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