Bayern 2 - IQ - Wissenschaft und Forschung

Tierfilmer als Verhaltensforscher Unterwegs in Masai Mara und Serengeti

Reinhard Radke und sein Team drehen in der Savanne: Der Tod des kleinen Löwen, die pfeilschnelle Jagd der Geparden, die Leoparden mit ihrer Beute. Der Tierfilmer betrachtet die Wildtiere mit den Augen eines Verhaltensforschers.

Autor: Peter Rothammer / Redaktion: Nicole Ruchlak Stand: 19.01.2012

Kameramann Ralph Schieke ist Wildbiologe. Ihn faszinieren besonders die Highspeed-Aufnahmen. Hier kann er Bewegungsabläufe zeigen, die das bloße Auge nicht erkennt. Das perfekte Zusammenspiel aller Muskeln und Sehnen bei der Hochgeschwindigkeitsjagd der Geparde, der blitzartige Todesbiss der Leopardin in den Hals der Antilope. Um solche Szenen ins Bild zu bannen, muss der Kameramann wissen, was in der nächsten Sekunde geschieht, und mit der Kamera vorhalten.

Witterung für Wildtiere - Spotter Pete und Kasao

Pete Blackwell fährt den Landcruiser in die richtige Position, damit Ralph mit der Kamera möglichst bis 170 Grad schwenken kann. Auch das erfordert viel Voraussicht. Der Tiermaler Pete wuchs auf einer Wildfarm in Nordkenia auf, studierte Grafikdesign in London, bevor er als Spotter bei der BBC anheuerte. Als Späher muss er am Vorabend des Drehtages schon wissen, wo er den Kamerawagen noch vor Sonnenaufgang positionieren will. Dabei spricht er sich mit dem vierten Mann im Team, mit Kasao Learat ab. Kasao verfügt über eine fantastische Witterung für Wildtiere. Auch er kommt aus dem Norden Kenias, aus dem Stamm der Samburu.

Lebensraum Grassavanne

Vier Mann in drei schlammüberkrusteten Jeeps. Reinhard Radke dreht in der kleinen afrikanischen Regenzeit. Die riesigen Gnuherden sind schon aus der Masai Mara abgezogen, nach Süden in die Serengeti. Das Schauspiel der "Großen Wanderung" mit den 1,2 Millionen Gnus und sechshunderttausend Zebras hat Radke in seinem eindrucksvollen Kinofilm "Serengeti" auf die Leinwand gebannt. Sogar ein Vulkanausbruch fiel in die Drehzeit. In diesem Film erläutert der Wildbiologe die Ökologie von Tier und Grassavanne mit vielen bildkräftigen Beispielen.

"Die meisten Raubkatzen haben vier- bis fünfmal so viele Jungtiere wie Gazellen oder Antilopen. Was ein klarer Hinweis darauf ist, dass selbstverständlich auch das Risiko dann fünfmal größer ist, früh zu sterben. Es ist also viel bequemer und viel weniger riskant, als Gazelle auf die Welt zu kommen denn als Gepard."

Reinhard Radke

Biologische Wahrheit als oberste Maxime

Tierfilmer und Verhaltensforscher in Ostafrika haben viele Gemeinsamkeiten. Sie kämpfen mit den gleichen Nebenwirkungen bei der Malariaprophylaxe, essen eher ungesund, schinden ihre Bandscheiben in bretthart gefederten Landrovern, stehen zu unmenschlichen Zeiten auf oder sind chronisch übernächtigt, falls ihre Tiere nachtaktiv sind. Ihre Geduld gilt dem Zyklus von Geburt, Überleben, Fortpflanzung und Tod des Wildtieres. Weder Verhaltensforscher noch Tierfilmer dürfen eingreifen, sondern sind der biologischen Wahrheit verpflichtet.

"Natürlich sollten die kleinen Geparde satt werden, selbstverständlich hofften wir mit den kleinen Hyänen auf die Rückkehr ihrer Mutter zur Höhle; auch wenn klar war, dass sowohl die Geparden-Mutter als auch die Hyäne einen beträchtlichen Teil ihrer Nahrung gerade aus diesen hilflosen, staksigen Gnukälbern beziehen."

Reinhard Radke

Buch-Tipps

Reinhard Radke: Krokodile. Expeditionen zu den Erben der Saurier, Bergisch Gladbach 2002
Reinhard Radke:Serengeti, München 2011 und DVD