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CO2-Endlager Experiment mit ungewissem Ausgang?

Wo immer etwas verbrannt wird, entsteht CO2 - der Hauptauslöser für den Klimawandel. Dank neuer Technologien scheint es möglich, dieses Gas einfach unter der Erde verschwinden zu lassen. Wie gefährlich sind solche CO2-Endlager?

Autor: Klaus Uhrig / Redaktion: Martin Schramm Stand: 31.01.2012

Februar 2011: Als der Bürgermeister von Puchheim bei München die Zeitung aufschlägt, ist er schockiert. Darin steht, sein Ort sei als "CO2-Endlager" im Gespräch. 100 Kilometer weiter, in Geisenhausen: das gleiche Bild. In Waldkraiburg, auch in Oberbayern, ist der Schock noch größer. Angeblich könnte hier das größte CO2-Endlager in Bayern entstehen. Schnell dementieren die Lokalpolitiker und stellen klar: CO2-Endlager vor ihrer Haustüre wollen sie nicht.

Die Schornsteine umdrehen

Dabei ist die Idee hinter der CO2-Speicherung eigentlich genial: Es geht sozusagen darum, die Schornsteine der Heizkraftwerke umzudrehen. Warum soll man das klimaschädliche CO2 in die Luft blasen, wenn man es auch einfach verschwinden lassen kann?

"Wenn wir in diese Technik einsteigen wollen, dann sind die Endlager-Kapazitäten so begrenzt, dass wir alle potenziellen Lagerstätten auch nutzen wollen. Ich höre jetzt immer von Leuten, Gemeinden vor Ort: Bei uns wird das nicht stattfinden. Da sollte man sich nicht wundern. Wer diese Technik als Klimaschutztechnik vorantreibt, der rechnet fest damit, dass die meisten dieser Standorte dann auch benutzt werden."

Karsten Smid, Greenpeace

Möglich wird dies durch eine neue Technologie, die von Fachleuten "CCS" genannt wird - "Carbon Capture and Storage", auf Deutsch "CO2-Abscheidung und Speicherung". Dabei wird das CO2 zunächst von den anderen Abgasen getrennt und dann mit hohem Druck unter die Erde gepumpt. Zum Beispiel in entleerte Erdgasfelder oder in Salzwasserschichten, die tief im Erdboden liegen.

Angst um das Trinkwasser

CO2-Verpressung in Ketzin / Brandenburg

Vor allem die zweite Möglichkeit hat bereits viele Kritiker auf den Plan gerufen. Sie befürchten, das extrem salzige Wasser in diesen Schichten könnte vom CO2 verdrängt werden, nach oben steigen und die weiter oben liegenden Trinkwasser-Schichten verseuchen. Für die Gemeinden in Bayern ist die Angst um das Wasser der Hauptgrund, die CO2-Speicherung abzulehnen.

Endlager sollen das Klima retten

Die Befürworter der neuen Technologie halten dagegen, dass es viele sichere Standorte gebe, an denen Salz- und Süßwasser durch undurchlässige Erdschichten getrennt sind. Außerdem seien die CO2-Endlager sowieso unverzichtbar. Schließlich muss Deutschland seine CO2-Emissionen nach dem Kyoto-Protokoll stark reduzieren.

"Wir sollen runter mit den Emissionen. Weltweit um die Hälfte. Und in Deutschland 80 bis 95 Prozent. Deshalb brauchen wir CCS."

Michael Donnermayer, Informationszentrum CO2-Technologien

Und nur mit erneuerbaren Energien könne die deutsche Industrie schlicht nicht auskommen. Vor allem die großen Energieversorger stehen hinter der CCS-Technologie. Sie hoffen auf das "klimafreundliche Kohlekraftwerk" - auch als Alternative zur Atomenergie.

Zweifel an der Effizienz

Trotz aller Anstrengungen der Energie-Unternehmen könnte die Technologie ein Rohrkrepierer werden. Grund: Die CO2-Abscheidung und Speicherung könnte sich schlicht nicht rechnen. In einer Studie für den Bund Naturschutz hat der Geochemiker Ralf Krupp nicht nur die möglichen Gefahren analysiert, sondern auch den Nutzwert der Technologie.

Abbau von Braunkohle in Jänschwalde / Brandenburg

Er kommt zu dem Schluss, dass vor allem die aufwändige Abscheidung des CO2 im Kraftwerk äußerst ineffizient ist. Im Endeffekt brauche es für jedes Kohlekraftwerk künftig ein zweites, nur um die Energie für CCS zu erzeugen.

Endlager-Technik als Exportschlager?

Und Krupp ist mit dieser Einschätzung nicht alleine. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat ebenfalls die Effizienz von CCS untersucht. Das Urteil der Ökonomen: CCS ist einfach zu teuer.

Und so könnte es sein, dass die von vielen Ängsten begleitete Risikotechnologie in Deutschland tatsächlich nicht Fuß fasst. Allerdings denken die Energiekonzerne bereits darüber nach, CCS nach China und Indien zu verkaufen - Staaten mit großem Entwicklungspotential und riesigen Kohlevorkommen.