Süßes Blut Volkskrankheit Diabetes
Die Zuckerkrankheit, also Diabetes, gilt heutzutage als Volkskrankheit. Jeder zehnte Deutsche leidet daran. Weltweit gibt es jährlich 65.000 neue Fälle. Experten sprechen von der "Epidemie des 21. Jahrhunderts".
Es gibt zwei Diabetesformen: Den sogenannten jugendlichen Diabetes, also Typ 1 Diabetes, und den sogenannten Altersdiabetes, also Typ 2 Diabetes. Beide Diabetesformen sind auf dem Vormarsch.
Mögliche Ursachen für den "jugendlichen Diabetes"
Bei diesem Diabetestyp lässt sich meist kein Grund für die Erkrankung ausmachen. Es handelt sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, das heißt, der Körper greift sich selbst an und zerstört die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren. Ohne Insulin können wir aber nicht leben. Deshalb müssen Typ 1 Diabetiker von Anfang an Insulin spritzen, um diesen Mangel auszugleichen.
Definition der Zuckerkrankheit:
"Diabetes mellitus" ist griechisch und heißt übersetzt "honigsüßer Durchfluss". Bei beiden Diabetesformen wird das Blut überzuckert. Typ 2 Diabetes lässt sich oft durch Bewegung und gesündere Ernährung noch etwas aufhalten. Dagegen läuft bei Typ 1 Diabetes folgendes Programm ab: Der Körper macht sich selbst kaputt. Experten schlagen Alarm, weil beide Diabetesformen weltweit zunehmen.
Derzeit gibt es nur Spekulationen, warum der jugendliche Diabetes zunimmt. Veränderte Umweltfaktoren, bestimmte Gene, auch Hormone oder manche Viruserkrankungen werden ins Feld geführt. Professor Annette-Gabriele Ziegler vom Helmholtz-Zentrum München hat herausgefunden, dass es "empfängliche Phasen" in der Entwicklung des Menschen gibt, wann er in aller Regel am "jugendlichen Diabetes" erkrankt.
"Diese Autoimmunität beginnt sehr häufig in den ersten zwei Lebensjahren. Das scheint eine sehr empfängliche Phase zu sein - wenn etwas verkehrt läuft, dann sehr früh."
(Professor Annette-Gabriele Ziegler, Helmholtz-Zentrum München)
Betroffen sind meist Kleinkinder, die im Alter von zwei Jahren erste Antikörper aufweisen, die auf Typ 1 Diabetes hinweisen. Auch später gibt es noch mal eine solche "empfängliche Phase". Diese zweite Phase ist während der Pubertät. In dieser Zeit ändert sich viel im Hormonhaushalt der Jugendlichen. Deshalb stehen hier besonders die Hormone unter Beobachtung, aber bisher konnten die Forscher noch keinen klaren Zusammenhang ergründen.
Mögliche Ursachen für "Altersdiabetes"
Die meisten Zuckerkranken leiden am sogenannten Altersdiabetes, also Typ 2 Diabetes. Wissenschaftler haben den Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und diesem Diabetestyp nachgewiesen. In den reicheren Ländern leiden auch immer mehr Kinder an Übergewicht und entwickeln schon früh "Altersdiabetes". Wer immer ein bisschen mehr isst als nötig, erhöht die Zuckerkonzentration im Blut. Das kann die Krankheit irgendwann auslösen.
Auffällig ist auch, dass immer mehr Schwangere "Altersdiabetes" bekommen. Manche müssen während der Schwangerschaft sogar Insulin spritzen. Auch das rührt oft daher, dass die Frauen schon mit Übergewicht in die Schwangerschaft starten und dann stärker zulegen als sie müssten:
"Der zweite Grund ist, dass die Frauen heutzutage etwas älter sind, wenn sie das erste oder zweite Kind bekommen. Und wenn man etwas älter ist, ist das Risiko für Diabetesentwicklung höher. Und deshalb nimmt die Häufigkeit von einem Schwangerschaftsdiabetes immer mehr zu."
(Prof. Jochen Seißler, Diabetesforscher am Klinikum Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München)
Mit der Geburt des Kindes sinken die Blutzuckerwerte wieder, der Diabetes verschwindet. Allerdings haben die Mütter ein höheres Risiko, in den Jahren nach der Geburt Typ 2 Diabetes zu entwickeln - vor allem diejenigen, die Insulin spritzen mussten. Über die Hälfte wird in den Jahren nach der Entbindung dann wirklich zuckerkrank. Hinzu kommt, dass auch die Kinder dieser Mütter gefährdet sind, schon in jungen Jahren "Altersdiabetes" zu entwickeln.
Therapien bei "Altersdiabetes"
Wer einen Blutzuckeranstieg beispielsweise beim Gesundheitscheck früh genug bemerkt, kann manchmal noch gegensteuern. Bei Altersdiabetes kann es helfen abzunehmen. Manchmal lässt sich die Krankheit dann noch aufhalten. Auch Bewegung hilft. Wer gefährdet ist, sich aber ungern bewegt, kann sich vom Arzt zum Beispiel einen Schrittzähler verschreiben lassen. Der animiert dazu, öfter zu Fuß zu gehen.
"Wenn Sie übergewichtig und zuckerkrank sind, und Sie nehmen dann Gewicht ab und der Zucker ist plötzlich weg und Sie schaffen es dann, dieses niedrige Gewicht auch zu halten, dann kann es sein, dass Sie über Jahrzehnte kein Problem mehr mit dem Zucker haben."
(Professor Klaus Parhofer, Stoffwechselexperte am Klinikum Großhadern)
Es reicht oft schon, nur fünf Prozent Gewicht zu verlieren. Wer also 100 Kilogramm wiegt, dann fünf Kilo abspeckt und es schafft, das Gewicht zu halten, reduziert sein Diabetesrisiko um die Hälfte, so die Experten.
Therapien bei "jugendlichem Diabetes"
Bei Typ 1 Diabetes versucht man beispielsweise, den Zerstörungsprozess der Insulin produzierenden Zellen aufzuhalten. Das geht mit Medikamenten, die diese gestörte Antwort des Immunsystems verhindern. Allerdings haben diese Medikamente starke Nebenwirkungen.
Zahlen zur Zuckerkrankheit:
Acht Millionen Deutsche sind zuckerkrank. Weltweit sind über 250 Millionen Menschen betroffen, Tendenz stark steigend. Die Krankenkassen in Deutschland geben an bereits, 20 Prozent ihrer Ausgaben in die Behandlung von Diabetes und seiner Begleit- und Folgeerkrankungen zu stecken.
Auch deshalb scheidet meist eine andere Methode aus, nämlich die Transplantation der Bauchspeicheldrüse. In ihr wird Insulin produziert. Diabetespatienten mit neuer, gesunder Bauchspeicheldrüse sind ihr Leiden los. Aber dafür müssen sie ihr Leben lang Medikamente, sogenannte Immunsuppressiva schlucken, damit das Organ nicht abgestoßen wird. Außerdem ist die Operation selbst ein enormer Eingriff.
Einfacher ist es, nicht das ganze Organ auszutauschen, sondern nur die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen. Allerdings fehlen die Spender sowohl für Bauchspeicheldrüsen als auch für Insulin produzierende Zellen. Deshalb experimentieren Forscher mit Zellen aus dem Schwein. Dabei stellt sich das Problem, dass unser Körper tierische Zellen sofort erkennt und bekämpft. Auch da bräuchte es also wieder starke Medikamente.
"Deshalb muss man da einen Trick anwenden und der Trick ist, dass wir in diese Schweinezellen ein menschliches Molekül eingebaut haben, welches die Immunabwehr reduziert und dazu führt, dass die Immunzellen des Körper das weniger gut erkennen und weniger schnell angreifen."
(Prof. Jochen Seißler, Diabetesforscher am Klinikum Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München)
Der Trick, in Schweinezellen ein menschliches Molekül einzubauen, klappt bereits bei zuckerkranken Mäusen. Sie haben dann wieder normale Blutzuckerwerte und sind gesund.
Außerdem arbeiten Forscher an Impfungen für Typ 1 Diabetiker. Erste Untersuchungen in den USA zeigen, dass die Methode wirkt: Geringe Mengen Insulin haben dazu geführt, dass das Immunsystem keine zerstörerischen Antikörper mehr bildet.
Fazit:
Trotz viel versprechender Ansätze: Die Zuckerkrankheit ist bis heute leider nicht heilbar.

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