Bayern 2 - IQ - Wissenschaft und Forschung

Gestresster Knorpel Was bei Arthrose hilft

Arthrose ist unheilbar, doch mit der Krankheit lässt sich leben. Wichtig ist, dass der Patient aktiv bleibt. Im Fokus der Forschung: der Knorpelaufbau. Ziel ist, körpereigene Knorpelzellen zu züchten und am defekten Gelenk einzubringen.

Von: Ingeborg Hain / Redaktion: Prisca Straub Stand: 17.04.2012

Die Ursache einer Arthrose kennen Forscher noch nicht, dafür aber Faktoren, die sie begünstigen: etwa Übergewicht. Jedes Kilo zu viel belastet Hüfte und Knie. Ebenso wie eine angeborene Fehlstellung, eine Sport-Verletzung oder eine chronische Gelenkentzündung.

Der Knorpel - Stoßdämpfer für die Knochen

A und O einer Arthrose ist der Knorpel. Er dient als Stoßdämpfer, der den Druck von einem Knochen auf den anderen abpuffert. Zu viel Druck führt zum Knorpelabrieb und damit zu Schmerzen. Als Therapie helfen vor allem zwei Dinge: Medikamente und gezielte Bewegung.

Medikamente - Linderung ohne Heilung

Keine Heilung - Medikamente können Schmerzen und Entzündungen aber wenigstens lindern

Das Spektrum ist groß - von Schmerzmitteln über Kortison bis zu modernen Cox2-Hemmern. Sie unterdrücken ein Enzym, das für die Schmerzen mit verantwortlich ist. Allen gemeinsam: Die Medikamente lindern Schmerzen und zum Teil Entzündungen, aber sie wirken nicht ursächlich. Sie verhindern nicht, dass sich im Laufe der Zeit Knorpel weiter abbaut. Ein anderer Nachteil: die unerwünschten Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt und die Leber. Die Medikamente erhöhen teilweise das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall um das Dreifache. Deshalb vertrauen Patienten oft zusätzlich auf alternative Mittel.

Knorpelschutz-Präparate - Schmiermittel für Gelenke

Mikroskopische Aufnahme von hyalinem Knorpel

Angeboten werden Mittel mit Brennnessel, Cayennepfeffer oder Teufelskralle. Vieles hilft - wenn überhaupt - nur am Anfang einer Arthrose. Das gilt auch für Glucosamin-Präparate. Glucosamin ist ein natürlicher Baustein des Knorpels ebenso wie die Hyaluronsäure. Mehr als eine vorübergehende Besserung bewirkt Hyaluronsäure aber nicht. Gezielte Übungen für die betroffenen Gelenke dagegen sind unverzichtbar in der Therapie.

"Ganz wichtig ist der Zustand des Knorpels. Wenn er noch ausreichend da ist, können solche Mittel helfen, weil sie den Knorpel ernähren. Er wird ernährt durch eine Durchsaftung, also durch das Be- und Entlasten. Im Entlasten saugt er Nährstoffe auf, dazu gehört die Hyaluronsäure."

Professor Joachim Grifka, Universität Regensburg

Sport: Bewegung als Therapie

Mikroskopische Aufnahme von Gelenkknorpel

Es klingt paradox: Zu viel, aber auch zu wenig Bewegung schädigen gleichermaßen die Gelenke. Günstig sind gemäßigte Sportarten wie Schwimmen und Nordic Walking oder einfach Spazierengehen. Die Basis einer Arthrose kann schon in jungen Jahren gelegt werden - etwa durch einen Unfall. Um dann eine Arthrose möglichst zu vermeiden, arbeiten Forscher am sogenannten Knorpelaufbau.

Selbsthilfe von innen: Körpereigener Knorpelaufbau

Zerstörter Knorpel ist nicht für immer verloren. Speziell für junge Patienten gibt es eine Alternative: Neue Knorpelzellen aus dem Reagenzglas. Bei einer Gelenkspiegelung wird gesundes Knorpelgewebe entnommen. Daraus werden neue Zellen angezüchtet und nach sechs Wochen in das krankte Gelenk eingesetzt. Jetzt muss das neue Gewebe aushärten.

"Das ist vergleichbar mit einem Kuchen: Der weiche Teig sind die neuen Knorpelzellen, die ich jetzt in die Backform, also den Zellträger, einsetze. Dort, wo der Knorpel kaputt ist. Jetzt müssen der Teig beziehungsweise die Zellen fest werden. Voll belastbar ist das Gelenk erst nach drei Monaten."

Dr. Peter Cornelius Kreuz, Orthopäde, Universitätsklinikum Rostock

Künstliches Hüftgelenk

Eine raffinierte Lösung: Mit eigenen Knorpelzellen ein defektes Gelenk heilen. Möglich ist das nur an Knorpelschäden, die auf ein Gelenk beschränkt sind. Diese neuen Zellen sollen eine Arthrose vermeiden, eine Krankheit, die bis jetzt unheilbar ist. Ist sie sehr weit fortgeschritten, bleibt nur noch eine Möglichkeit: ein künstliches Gelenk.

Endo-Prothetik: Wenn nur noch Kunstgelenke helfen

Mit Kunstgelenken gibt es jahrzehntelange Erfahrungen. Die Materialien - von Kunststoff bis Titan - sind entsprechend verbessert worden. Ebenso wie die Operationstechniken. Patienten hoffen meist auf den minimalinvasiven, kleinen Schnitt. Bei der Hüfte ist er Standard - anders als am Knie. Für die langfristigen Heilungschancen ist es aber egal, ob mit einem kleinen oder großen Schnitt operiert wird.


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