Bayern 2 - IQ - Wissenschaft und Forschung


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"Wir waren nie auf dem Mond!" Verschwörungstheorien in der Wissenschaft

"Die Amerikaner waren gar nicht auf dem Mond!" "Aber sie haben AIDS entwickelt, um Homosexuelle auszurotten!" So lauten zwei populäre Verschwörungstheorien in der Wissenschaft.

Von: Klaus Uhrig / Redaktion: Jeanne Turczynski

Stand: 22.05.2016

Verschwörungstheorien kursieren - besonders in der Wissenschaft. Und zwar in allen Disziplinen, in denen eine massive staatliche Einflussnahme herbeifantasiert werden kann: Klima, Hochtechnologie, Medikamentenforschung. Und bei allem, was auch nur entfernt mit Impfen zu tun hat.

So ticken Verschwörungstheoretiker

Die gefälschte Mondlandung - das ist mit Sicherheit eine der am weitest verbreiteten Verschwörungstheorien. Aufgekommen ist sie schon direkt mit der Mondlandung: Viele Menschen wollen einfach nicht glauben, dass Mondflüge möglich sind. Sie vermuten stattdessen einen gigantischen PR-Gag der amerikanischen Regierung.

Immer wieder müssen sich Weltraumforscher seitdem mit eifrigen Skeptikern herumschlagen, die jedes Detail der Mondlandung genauestens hinterfragen. Besonders seitdem das Bildmaterial der Mondmissionen im Internet-Archiv der NASA für alle zugänglich ist. Manche Wissenschaftler sind inzwischen so genervt von den ständigen Anfragen, dass sie selbst an die Öffentlichkeit treten, um die offizielle Version der Mondlandung zu verteidigen.

Hitler auf dem Mond

Doch warum sind Wissenschaft und Technik so ein fruchtbarer Nährboden für Verschwörungstheoretiker? Und: Wer sind die Menschen, die sich solche Theorien ausdenken? Michael Wood von der Universität Kent ist einer der wenigen Forscher, die sich intensiv mit der Funktionsweise von Verschwörungstheorien auseinandersetzen. Während die meisten Naturwissenschaftler dieser Theorien überdrüssig sind, bilden sie für Michael Wood faszinierende Studienobjekte.

"Die wohl abgefahrenste Theorie ist die sogenannte Hohlwelt-Theorie, die mag ich am liebsten. Sie ist sehr alt, ein Klassiker. Sie besagt, dass die Erde hohl ist, und dass es Löcher am Nord- und am Südpol gibt. Und am Ende des Zweiten Weltkriegs ist Hitler dann in diese Hohlwelt mit einem UFO geflohen und lebt jetzt auf dem Mond."

Michael Wood, Psychologe, Universität Kent

Wie viele Menschen insgesamt an Verschwörungstheorien glauben, darüber gibt es keine belastbaren Zahlen. Aber dass die Mondlandung tatsächlich gefälscht ist, das können sich je nach Umfrage sechs bis 20 Prozent der Menschen vorstellen. Und - das haben Michael Wood und seine Kollegen herausgefunden - wer an eine Verschwörungstheorie glaubt, glaubt mit großer Wahrscheinlichkeit auch an andere.

"Das ist ja vielleicht das Bemerkenswerte, dass ausgerechnet in der Medizin - wo es ja um Forschen und um Wissen geht - dass sich da Aberglaube und Verschwörungstheorien so hartnäckig halten."

Prof. Cornelius Borck, Medizinhistoriker, Universität Lübeck

Wer also davon ausgeht, dass die Mondlandung ein großer Bluff war, der hängt zumindest mit größerer Wahrscheinlichkeit auch weiteren ähnlichen Theorien an. Zum Beispiel, dass die Anschläge vom 11. September 2001 eine Inszenierung der Geheimdienste waren.

Verschwörung im Netz

Früher wurden Verschwörungstheorien vor allem durch Vorträge und Artikel in einschlägigen Magazinen verbreitet. Heute findet man sie vor allem im Internet. Verschwörungstheoretiker nutzen vor allem eigene Internetseiten, aber auch Diskussionsforen und soziale Netzwerke.

Besonders beliebt sind Amateurvideos auf der Internet-Plattform Youtube, die angebliche Video-Beweise mit suggestiver Musik und Ausschnitten aus Verschwörungs-Dokumentationen verbinden. In manchen dieser Videos werden viele verschiedene Einzeltheorien zu einem regelrechten Verschwörungs-Konglomerat zusammengefasst.

"Es ist nie ganz klar, wer die sind. Ich glaube, viele würden sagen, dass das alle Mächtigen der Gesellschaft sind: Finanzleute, Regierungen, Konzerne, Pharmafirmen."

Michael Wood, Psychologe, Universität Kent

Machtlosigkeit als Auslöser

Menschen, die sich häufig machtlos fühlen, sind besonders anfällig für Verschwörungstheorien. Denn Verschwörungstheorien suggerieren ja, dass wir tatsächlich keine Kontrolle über unser Leben haben, weil "die da oben" uns belügen und manipulieren. Der Glaube an die Verschwörungstheorie hat also eine Art Selbstermächtigungs-Funktion.

Wer an Verschwörungstheorien glaubt, bekommt durch sie nicht nur eine Entschuldigung für die eigenen Machtlosigkeits-Gefühle, sondern erlebt zumindest auch einen kleinen Triumph: Denn immerhin hat man durchschaut, dass man von "denen da oben" manipuliert wird - im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen.


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