Universitäten im Wettbewerb Sieger und Verlierer der Exzellenz-Initiative
Bis 2005 galten alle Universitäten in Deutschland als gleich. Die Exzellenz-Initiative hat das geändert: Im Wettbewerb gab es Gewinner und Verlierer. Wie wird sich die Universitätslandschaft dadurch insgesamt verändern?
Spitzenforschung
Die Entscheidung zur Förderung von Elite-Universitäten im Rahmen der Exzellenz-Initiative fällt am 15. Juni 2012
In diesem Wettbewerb konkurrieren Forscher aus allen Bereichen um fast drei Milliarden Euro. Das Ziel: Spitzenforschung in Deutschland fördern und international konkurrenzfähig machen. Der Weg: drei "Wettbewerbsklassen", in denen sich die Hochschulen mit ihren Konzepten bewerben. Erstens die Graduiertenschulen, in denen Nachwuchsforscher gefördert werden. Zweitens die Exzellenz-Cluster: Forschungsnetzwerke, die auch über die Grenzen der Universität hinaus reichen können. Und drittens die Königsklasse, das Zukunfts-Konzept für eine ganze Hochschule, in den Medien gern "Elite-Universität" genannt. Ein Blick auf die Karte zeigt ein deutliches Südwest-Nordost-Gefälle bei den erfolgreichen Universitäten.
Neue Strukturen
Neben kreativer und innovativer Forschung sollen mit dem Geld aus der Exzellenz-Initiative auch neue Strukturen geschaffen werden, die solche Forschung erst möglich machen, oder zumindest erleichtern. So hat die TU München - die mit ihrem Zukunftskonzept Erfolg hatte - ein "Dual Career Office" eingerichtet. Es hilft den Partnern neu berufener Professorinnen und Professoren, im Raum München Fuß zu fassen; ohne diese Unterstützung wäre manche Berufung nicht gelungen.
"Gefragt sind auch neue Strukturen, die nicht immer konform laufen mit den Strukturen der Fakultäten, zum Wohle der Wissenschaft, und zum Wohle speziell der jungen Nachwuchswissenschaftler, was innerhalb der Lehrstühle und Fakultäten die Dinge auch manchmal durcheinander wirbelt, aber das war ja genau gewollt."
Prof. Jochen Feldmann, Koordinator des Exzellenz-Clusters Nanosystems Initiative Munich
Auch im Exzellenzcluster "Nanosystems Initiative Munich" läuft manches anders als sonst an einer Uni. Die Forscher befassen sich mit Nanotechnologie in Medizin, Materialforschung und anderen Bereichen. Wenn Nachwuchsforscher eine Idee haben, können sie sich jederzeit innerhalb des Clusters um eine Startfinanzierung bewerben. Einige der jungen Forscher konnten ihre Idee mit dieser Starfinanzierung ein gutes Stück voranbringen und für die weitere Arbeit EU-Mittel einwerben.
Ähnliches gilt für die Doktorandenausbildung in den von der Exzellenz-Initiative geförderten Graduiertenschulen. In denen genießen die Nachwuchsforscher eine intensivere Betreuung und Ausbildung als würden sie, wie meist in Deutschlan, neben einer Tätigkeit als Assistent an einem Lehrstuhl promovieren, oder gar "im stillen Kämmerlein". Die Schulen machen Schule: Nicht nur die Universität Bayreuth hat nach dem Muster der "Bayreuth International Graduate School for African Studies" (BIGSAS), die von der Exzellenz-Initiative finanziert wird, eine weitere Graduiertenschule für die gesamte Uni eingerichtet.
"Für die University of Bayreuth GraduateSchool haben wir wesentliche Ideen von der Graduiertenschule BIGSAS übernehmen können. Die hat Regeln aufgestellt, da wäre Herr zu Guttenberg nicht durchgekommen."
Prof. Rüdiger Bormann, Präsident der Universität Bayreuth
Gewinner und Verlierer?
Insgesamt profitieren 33 der rund 80 staatlichen Universitäten von der Exzellenz-Initiative - neun sind "Elite-Unis", der Rest betreibt Exzellenz-Cluster oder Graduiertenschulen. Und was ist mit den anderen? Entsteht eine Zweiklassengesellschaft? Nein, betonen unisono Vertreter der Deutschen Forschungsgemeinschaft als auch des Wissenschaftsrats, die den Wettbewerb gemeinsam organisieren. Man müsse die Breite ebenso fördern wie die Spitze. Vor allem aber müsse jede Universität sich auf ihre Stärken konzentrieren, um erfolgreich zu sein. Nicht alles müsse an jeder Hochschule angeboten werden.
2017 endet die Sonderfinanzierung durch die Exzellenz-Initiative; ein solches Sonderprogramm war bisher die einzige Möglichkeit für die Bundesregierungen, Universitäten direkt zu fördern - denn die sind ja eigentlich Ländersache. Doch kürzlich entschied das Bundeskabinett, das so genannte Kooperationsverbot im Grundgesetz zu kippen. Forschungsministerin Anette Schavan plant, vor allem die Kooperation von Universitäten mit außeruniversitären Forschungsinstituten, zum Beispiel der Max-Planck. oder Fraunhofer-Gesellschaft zu fördern. Das klingt ein bisschen nach "Exzellenz-Initiative 2.0".
"Die Exzellenz-Initiative hat uns die Lage versetzt, mit viel Geld, konzentriert angewandt über wenige Jahre, Themen voranzubringen die wir sonst nicht hätten in dieser Dichte finanzieren können."
Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München
Insgesamt gelten die Universitäten in Deutschland als unterfinanziert – ein paar Milliarden aus der Exzellenz-Initiative ändern daran nichts. Was wird aus den Universitäten, die jetzt keinen Erfolg hatten – gelingt es ihnen, durch Spezialisierung wettbewerbsfähig zu werden? Ob und wie dieser Wettbewerb die Universitäten in Deutschland dauerhaft verändert, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen.

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