Bayern 2 - IQ - Wissenschaft und Forschung


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Besser essen Nachhaltige Ernährung

Durch den Regenwald werden Schneisen für Sojafelder geschlagen. In China verschwinden ganze Landstriche unter Gewächshausplanen. Gleichzeitig vergammelt ein Drittel der Lebensmittel auf dem Weg zum Verbraucher. Unsere Nahrungsmittelproduktion verschwendet unendliche Ressourcen.

Von: Miriam Stumpfe

Stand: 21.12.2012

Regenwald, Abholzung | Bild: picture-alliance/dpa

Durch den Regenwald werden Schneisen für Sojafelder geschlagen - um Futter für europäische Rinder herzustellen. In China verschwinden ganze Landstriche unter Gewächshausplanen - um tonnenweise Erdbeeren für den Weltmarkt zu liefern. Gleichzeitig vergammelt ein Drittel der Lebensmittel auf dem Weg zum Verbraucher. Egal, wo man hinschaut: Unsere moderne Nahrungsmittelproduktion verschwendet eine Unmenge an Ressourcen.

Der kahl gefressene Planet

Nachhaltigkeit

Die Landwirtschaft beansprucht nicht nur immer mehr Flächen, sondern produziert auch eine große Menge an Treibhausgasen. Aber was darf noch auf den Teller, wenn Essen nachhaltig sein soll?

Wie kann nachhaltige Ernährung aussehen? Diese Frage stellen sich längst nicht mehr nur ein paar versprengte Umweltaktivisten. Inzwischen ist klar: Die Lebensgrundlagen der Menschheit geraten nicht nur unter Druck, weil wir Auto fahren, Plastik produzieren und Kraftwerke bauen, sondern auch, weil wir für immer mehr Menschen auf der Erde Lebensmittel produzieren. Wenn wir so weitermachen, wird die Menschheit den Planeten im wahrsten Sinnen des Wortes kahlfressen.

Tomaten im Winter

"Mein Motto in der Ernährung ist: Möglichst viel Natur realisieren. Also Naturprodukte, die aus der jeweiligen Jahreszeit und Region stammen und aus ökologischem Landbau. Und, ganz wichtig: Ich stütze mich hauptsächlich auf pflanzliche Erzeugnisse."

Dr. Karl von Körber, Ernährungswissenschaftler, TU München

Lebensmittel reisen weit - und verderben schnell.

"Regional" und "saisonal" sind beliebte Schlagworte, wenn es um nachhaltige Ernährung geht. Wer das ernst nimmt, der isst im Winter tatsächlich nur Kartoffeln, Kohl und Wurzelgemüse. Doch wer nicht ganz so streng sein will - gäbe es für den einen Mittelweg? Wenn es dann doch mal eine Tomate sein darf, dann lieber die vom heimischen Produzenten oder aus Marokko?

Wer CO2-Bilanz als Maßstab nimmt, bekommt eine klare Antwort: Tomaten, die unter der Wintersonne des Südens reifen, verursachen wesentlich weniger Treibhausgase als heimische Gewächshaustomaten. Denn für die müssen die Gewächshäuser in Deutschland beheizt werden - und das verbraucht deutlich mehr Energie, als wenn ein Container per LKW oder Schiff aus dem Süden nach Bayern reist. Allerdings: Wie das Gemüse, das in unseren Salatschüsseln landet, die Landschaft verändert, das bekommen wir beim Import aus Spanien oder Marokko gar nicht mit: Wenn dort durch die Bewässerung zum Beispiel die Böden versalzen, hat das für die Menschen vor Ort negative Folgen.

Ressourcen-Killer Fleisch

Tofu-Burger

Tomaten im Herbst, Erdbeeren im Winter - ob wir das essen oder nicht, spielt eine Rolle im sogenannteb ökologischen Fußabdruck unserer Ernährung. Letztlich aber hinterlässt die Auswahl des Gemüses im diesem Abdruck nur relativ kleine Dellen. Das, was ihn am meisten prägt, ist unser Fleischkonsum. Knapp 90 Kilogramm Fleisch essen die Deutschen pro Kopf ud Jahr - das macht pro Tag rund 250 Gramm - ein kleines Schnitzel, ein dicker Hähnchenschenkel oder zwei Leberkässemmeln.

Und um die vielen Rinder, Hühner und Schweine mit nährstoffreichem Futter zu versorgen, sind immense Flächen für die Futtermittelproduktion nötig. Für ein Steak, muss man zum Beislpiel zehnmal so viel Kalorien an Tiere verfüttern, wie man am Ende an Fleisch gewinnt. "Veredelungsverlust", so nennen das die Experten. Besonders gegen den Einsatz von Soja laufen Umweltaktivisten Sturm - denn für neue Sojafelder in Südamerika werden jährlich tausende Hektar Regenwald gerodet.

"VeggiDay" und Sonntagsbraten

"Zielgröße ist der Sonntagsbraten - also einmal die Woche Fleischtag!"

Dr. Karl von Körber, Ernährungswissenschaftler, TU München

Aufschnitt - Hier als reines Textil-Produkt!

Der World Wildlife Fund hat ausgerechnet, wie viel der Umwelt geholfen wäre, wenn die Deutschen nur eine einzige Fleischmahlzeit pro Woche weglassen würden: Eine Fläche von der Größe des Schwarzwalds würde freigegeben, auf der könnte der bedrohte Regenwald unangetastet bleiben. Diese Idee verfolgt auch der sogenannte VeggiDay - eine Initiative, bei der öffentliche Kantinen und Restaurants einen fleischfreien Tag pro Woche ausrufen.

Noch konsequenter wäre natürlich, ganz auf Fleisch zu verzichten, für das Nahrungsmittel verfüttert wurden. Erlaubt wären dann Rind- und Schaffleisch, falls die Tiere nur Gras gefressen haben. Bei ökologischer Erzeugung ist genau das oft der Fall. Doch auf diese Weise könnte in Deutschland längst nicht mehr so viel Fleisch erzeugt werden. Besonders dann nicht, wenn auch noch Schweine dazu kämen. Keine Frage: Wer Wert auf eine nachhaltige Ernährung legt, für den führt am fleischarmen Speiseplan kein Weg vorbei.


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