Bayern 2 - IQ - Wissenschaft und Forschung

Archäologische Akustik Soundstudio Stonehenge

Stonehenge ist ein Rätsel: Niemand weiß, wer die riesigen Steine aufgestellt hat. Auch wie dies geschah und warum, ist unbekannt. Jetzt gibt es eine neue Theorie dazu, warum die Steine so stehen, wie sie stehen.

Stand: 17.02.2012
Stonehenge | Bild: picture-alliance/dpa

Steven Waller vertritt eine junge Forschungsdisziplin: die Archäoakustik. Sie versucht, die Klangwelt früherer Gesellschaften zu rekonstruieren. Waller hat auch die Steine in Stonehenge untersucht und ist überzeugt: Die Erbauer haben sich beim Aufstellen der Steine nach einem akustischen Phänomen gerichtet. Die Ergebnisse seiner Forschungen hat er nun auf der größten Wissenschaftlerkonferenz der Welt, der AAAS im kanadischen Vancouver, vorgestellt.

Zwei Flöten, die sich auslöschen

So könnte ein Flötenspieler in der Steinzeit ausgesehen haben.

Wallers Theorie basiert auf Experimenten mit zwei Flöten, die er in Stonehenge ertönen ließ. Beide ließ er längere Zeit gleichzeitig den gleichen Ton spielen. Dabei kam es zu Interferenzen, das heißt: Die Töne überlagerten einander. Waller ging im Kreis um die beiden Flöten herum, so wie sich die Menschen in Stonehenge vielleicht einst zur Musik bewegt haben. Durch die Interferenzen wurde die Lautstärke der Flöten an manchen Orten verstärkt, an manchen abgeschwächt. An einigen Stellen war laut Waller sogar gar kein Ton zu hören. Dieses akustische Phänomen könnte den Erbauern von Stonehenge wie ein Wunder erschienen sein. Bei der Aufstellung der gewaltigen Steinblöcke haben sie daher laut Waller versucht, diesen mythischen Effekt im Inneren des Steinkreises zu erzeugen.

Klangeffekte in Peru

Tempelanlage Chavín de Huánta in Peru

Auch andere Kulturen haben beim Bau die Akustik berücksichtigt. Ein Beispiel ist Chavín de Huántar, eine seit über 2.000 Jahren verlassenen Tempelanlage in Peru. Die Räume der Tempel dort leiten Töne auf eine ganz bestimmte Weise nach außen. Das haben Forscher der kalifornischen Stanford Universität entdeckt. Wenn im Inneren auf der Galerie ein Musiker ein Muschelhorn spielte, wurden manche Töne nach draußen weitergeleitet, manche hingegen nicht.

Akustischer Lageplan

Die Wissenschaftler wollen nun einen systematischen akustischen Lageplan der peruanischen Anlage erstellen. In Computermodellen lässt sich testen, wie sich welche Frequenzen durch die Gänge der Tempelräume ausgebreitet haben und mit welchem akustischen Effekt für die Zuhörer draußen. Die Forscher berücksichtigen dabei auch die Oberflächenbeschaffenheit der Wände. Möglicherweise waren die Innenwände damals mit Lehm verputzt. Die Akustik war dann vielleicht anders. Daher haben die Forscher eine Wand aufgestellt, mit verschiedenen Materialien verkleidet und gemessen, wie sich die Akustik im Vergleich zum blanken Stein geändert hat. Vielleicht hilft dies, das Rätsel zu lösen, wozu die Bewohner von Chavín de Huántar die akustischen Effekte nutzten.