Bayern 2 - Hörspiel und Medienkunst


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Felix Kubin Orphée Mécanique

Stand: 06.11.2012

Felix Kubin | Bild: Greg Holm

Orpheus, Sohn eines Erfinders und einer Sängerin, wird von der versprengten Jugend für seine exzentrischen Konzerte gefeiert. Sein Instrument, das Psykotron, kann Gedankenströme unmittelbar in elektronische Signale aus Musik, Geräuschen und Sprache verwandeln. Zusammen mit seiner großen Liebe Eura führt Orpheus ein unbekümmertes Dandy-Dasein, bis eines Tages die Stadt von einer unheimlichen Krankheit heimgesucht wird, der auch Eura zum Opfer fällt. Betäubt vom Schmerz beschließt Orpheus, sie aus der Welt der Toten zurückzuholen.

"In Felix Kubins Hörstück hängt Orpheus auf der Suche nach seiner großen Liebe in einem Loop fest und verzweifelt fast daran, dass er selbst nicht mehr weiss, was er eigentlich sucht. Immer wieder muss er hinab in die Unterwelt. Aus dem Prinzip der ewigen Wiederholung, der vollautomatisierten Langeweile und Leere kann ihn die Kunst und die Musik nur dann erlösen, wenn er sich seiner Geschichte und seinem Unterbewussten stellt. Seine lebendigen Erinnerungen werden so zu Songs mit Hit-Potenzial, die selbst das Totenreich vorübergehend in einen tanzbaren Ort verwandeln."

Katarina Agathos

Felix Kubin entwickelte 2006 seine Neufassung des antiken Orpheus-Mythos’ in Anlehnung an Dino Buzzatis ungewöhnlichen Pop-Art-Comic Orphi und Eura, mit dem der italienische Autor und Zeichner 1968 kurz vor seinem Tod ein überraschend modernes Spätwerk geschaffen hatte. Orpheus’ Lieder wurden in diesem akustischen Comic zu hörbar gemachten Erinnerungen, die den Begriff des Songs über seine traditionellen Grenzen hinaus ins Experimentelle und Fragmentarische erweitern. 2012 hat Kubin sich noch einmal mit der Formfrage auseinandergesetzt und aus dem handlungsorientierten Comic einen assoziativen akustischen Film gemacht.

"Ich nenne es meine Godard-Version. Mal sehen. Man hat das Buch sozusagen vor Augen, man blättert darin, hin und her, aber man ist nicht mehr IN der Geschichte. Die Form ist flüchtiger, lyrischer. Ich würde das abgegriffene Wort Remix gerne vermeiden, es ist eher ein Schleudersitz, der den Hörer aus der Linearität der Geschichte wirft, die Durchtrennung des roten Fadens, der roten Nabelschnur, so etwas wie ein Metahörspiel, eine Parabel, eine poetische Auflösung, die Motive der ursprünglichen Geschichte verwendet, aber offener, experimenteller. Ein Traum, eine poetische Collage vielleicht. Es ist Orpheus’ musique mécanique."

Felix Kubin

Felix Kubin: Orphée Mécanique

Mit Lars Rudolph, Gerhard Garbers, Yvon Jansen, Charlotte Crome, Traugott Buhre, Marlen Diekhoff
Chor: Yvon Jansen, Leéna Fahje, Nikola Duric
Orchester: ensemble Intégrales
Komposition und Realisation: Felix Kubin
Dramaturgie: Katarina Agathos
BR 2006/2012, Länge: 50'57

Felix Kubin, geb. 1969 in Hamburg, Musiker, Komponist, Autor. 1998 Gründung des Plattenlabels "Gagarin Records". Zahlreiche Kompositionen für Film- und Theatermusik. Hörspiele u.a. "Syndikat für Gegenlärm" (DLR 2001), "Nachtspeicher" (mit Boris D. Hegenbart, WDR 2003), "Territerrortorium" (mit Wojtek Kucharczyk, ORF/DLR 2004), "Paralektronoia" (WDR 2004)," Wiederhole 1-8" (WDR 2008).


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