Bayern 2 - Hörspiel und Medienkunst

Auftaktveranstaltung "Die Quellen sprechen"

Zum Start der dokumentarischen Höredition "Die Quellen sprechen" fand am Donnerstag, 24. Januar 2013 im Jüdischen Gemeindezentrum in München eine öffentliche Auftaktveranstaltung mit Lesung, Konzert und Gespräch statt.

Von: Stand: 29.01.2013
Schauspieler Matthias Brandt | Bild: BR/Theresa Högner

Der Schauspieler Matthias Brandt las eine Auswahl von Dokumenten der Judenverfolgung 1933 bis 1945. In einem Gespräch erläuterte Prof. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, das Projekt. Renommierte Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (Radoslaw Szulc, Violine; Christopher Corbett, Klarinette; Maximilian Hornung, Violoncello; Oliver Triendl, Klavier) spielten Olivier Messiaens "Quatuor pour la fin du temps" (Quartett für das Ende der Zeit).

Das umfassende Langzeitprojekt zur Holocaust-Dokumentation "Die Quellen sprechen" wurde von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sowie von BR-Intendant Ulrich Wilhelm eröffnet.

"Wir stehen an einer Schwelle der Zeit, da die dunkle Epoche des Nationalsozialismus seiner Genossenschaft entschwindet. In wenigen Jahren wird kein Zeitzeuge mehr den jüngeren Generationen berichten können. Diese Quellen – Zeugnisse der Vergangenheit – haben die Zeugen überlebt. Es ist wichtig, dass diese Quellen weiterhin Zeugnis ablegen und ich bin froh, dass sie nun auch für ein breites Publikum hörbar und erlebbar werden. Über das Radio bahnen sich Erinnerung und Erkenntnis einen neuen Weg in das Bewusstsein der Menschen."

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

"Die Höredition ist ein Langzeitprojekt, denn erst in der Fülle unterschiedlichster Quellen wird das ganze Ausmaß des Schreckens deutlich. Niemand, der an diesem Projekt beteiligt ist, konnte und kann sich der emotionalen Wucht des Themas, den zutiefst berührenden Schicksalen, entziehen. Entstanden ist eine Dokumentation europäischen Ausmaßes. Die Höredition hält für immer fest, was es für die Opfer bedeutet hat, der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt zu sein."

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks

"Diese Edition und ihre Vertonung kommen genau zur rechten Zeit. Sie konfrontieren das Publikum zwar schmerzhaft, aber höchst lehrreich mit der komplexen Realität des Holocaust und zwar diesseits einer ritualisierten und daher manchmal auch allzu bequemen Erinnerungskultur. Wer die Quellen liest oder hört, erkennt nicht nur das systemische Ineinandergreifen der kalten Bürokratie mit der Gewalt der Täter, sondern hört auch die Stimmen der Opfer. In der Zusammenschau solch unterschiedlicher Perspektiven wird die mörderische Dynamik des Holocaust sichtbar, die gerade in ihren Details auch den Fachmann immer wieder sprachlos werden lässt."

Prof. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte

Die Veranstaltung wurde von BR-KLASSIK live übertragen. BR-alpha sendete eine Aufzeichnung am 26. Januar 2013 in der "Denkzeit“.

Holocaust-Höredition "Die Quellen sprechen"

Die dokumentarische Höredition "Die Quellen sprechen" wird ab 25. Januar 2013 in Bayern 2 gesendet und ab 24. Januar 2013 im Internet angeboten (die-quellen-sprechen.de).

Die Quellen, Opfer- und Täterdokumente, werden von den Schauspielern Matthias Brandt und Bibiana Beglau sowie von zahlreichen Holocaust-Zeitzeugen gesprochen.

Die Produktion beruht auf der Quellenedition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945", die auf 16 Bände angelegt ist und im Oldenbourg Verlag erscheint. Bislang sind 6 Bände publiziert.


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