Die Quellen sprechen Diskurs
Historiker/-innen erläutern Forschungsfragen und Hintergründe der Judenverfolgung. In den Diskursbeiträgen zu den ersten vier Teilen kommen Herausgeber/-innen und Bearbeiter/-innen zu Wort, die an der Edition Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 — 1945 beteiligt sind. Alle Beiträge finden sich auf der Webseite die-quellen-sprechen.de
Gesprächsleitung: Christoph Lindenmeyer
Diskurs (1/16): 25.01.2013, 21:03-23:00 Uhr, Bayern 2
Gespräch mit Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin
Über den Beitrag der Edition ‚Judenverfolgung‘ zur internationalen Holocaust-Forschung. Über Umfang, Dauer und Aufwand des Editionsprojekts. Über die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse durch die Öffnung der osteuropäischen Archive. Zur Holocaustforschung in Ost- und Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg; Schwerpunkte dieser Forschung. Welche Impulse waren ausschlaggebend für das Editionsprojekt? Welche unterschiedlichen Forschungsziele gibt es? Was sind „laute und leise Dokumente“?
Gespräch mit Wolf Gruner, Professor für Geschichte an der University of Southern California
Über den Stellenwert der Edition ‚Judenverfolgung‘ und über die amerikanische und israelische Holocaustforschung. Über die Situation jüdischer Emigranten, die in die Vereinigten Staaten von Amerika ausreisen oder fliehen konnten. Über die Berichterstattung der amerikanischen Medien zur nationalsozialistischen Judenverfolgung. Was besagen Dokumente über den passiven Antisemitismus von Kirchen, Vereinen und anderen gesellschaftlichen Institutionen im nationalsozialistischen Deutschland? Gab es Beispiele kirchlicher Solidarität mit der jüdischen Bevölkerung?
Diskurs (2/16): 1.02.2013, 21:03-23:00 Uhr, Bayern 2
Gespräch mit Ulrich Herbert, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg
Die Ermordung der europäischen Juden als größter Massenmord an Kindern. Neue Schätzungen der Zahl der Täter auf mindestens 150.000 Personen, darunter viele Angehörige der Wehrmacht. Über die bisherige zeitgeschichtliche Erforschung des industriellen Massenmords in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern und zu neueren Forschungsergebnissen, nach denen europäische Juden in Millionenzahl Massenerschießungen, anderen Gewaltverbrechen sowie Epidemien und dem Hunger zum Opfer fielen. Zur starken Berücksichtigung kleinerer europäischer Länder wie Holland in der Edition ‚Judenverfolgung‘.
Gespräch mit Susanne Heim, Koordinatorin der Edition ‚Judenverfolgung 1933 – 1945‘
Über die schwierige Erforschung und Auswertung vor allem der osteuropäischen Quellen. Zur Gesamtkoordination der Edition ‚Judenverfolgung‘. Zum Stellenwert der Edition für die Aufklärung individueller Opfer- Schicksale, die durch die Edition aus ihrer bisherigen Anonymität herausgeholt werden konnten. Bestätigen Dokumente die Einschätzung, dass sich die deutschen Besatzungsverwaltungen bei der Verfolgung und Ermordung der Juden gegenseitig überboten haben? Welche Rolle hatte Adolf Eichmann in der deutschen Besatzungsverwaltung in Wien?
Diskurs (3/16): 8.02.2013, 21:03-23:00 Uhr, Bayern 2
Gespräch mit Horst Möller, Institut für Zeitgeschichte
Über den von den Herausgebern der Edition ‚Judenverfolgung‘ verwendeten Begriff des „Schriftdenkmals“ für die ermordeten Juden. Kann die Wissenschaft ein Denkmal setzen? Zur Übersetzungsproblematik der Edition ‚Judenverfolgung‘. Welchen Einfluss auf die Authentizität der Dokumente hat die Übersetzung? Über Täter- und Opferforschung. Über die Verfolgungsstrategien der Nationalsozialisten. Was haben einzelne Organisationen, Vereine und Verbände aus eigener Initiative und was auf Anweisung getan? Über Belege in der Edition ‚Judenverfolgung‘, wie die nationalsozialistische antijüdische Politik konkret in die gesellschaftlichen Kreise hinein wirkte.
Gespräch mit Andrea Löw, Institut für Zeitgeschichte
Über die Entstehung der nationalsozialistischen „Judenpolitik“. Über den Plan, alle Juden nach Madagaskar auszusiedeln, bis hin zu den Deportationsvorbereitungen aus dem Reich und dem Protektorat. Über die Ursachen des geringen Widerstands der Juden bei der ersten Deportation aus Wien nach Kriegsbeginn. Einblicke in die einzelnen Arbeitsschritte der Edition. Über die Auswahl der Quellen und die Recherche der biografischen Angaben zu den in den Dokumenten erwähnten Personen. Aus welchen Archiven schöpft die Edition vor allem? Welche Recherchen gab es neben der Zusammenarbeit mit Archiven? Was hat sich in der Geschichtswissenschaft durch die stärkere Wahrnehmung der jüdischen Perspektive auf den Holocaust verändert?
Diskurs (4/16): 15.02.2013, 21:03-23:00 Uhr, Bayern 2
Gespräch mit Dieter Pohl, Institut für Zeitgeschichte an der Universität Klagenfurt
Über die Edition ‚Judenverfolgung‘ als „Schriftdenkmal“; ihr historisch-wissenschaftlicher und ethischer Ansatz. Über die Auswahl und Anordnung der Quellen. Über die Methodik der Kommentierung. Über die Öffnung der osteuropäischen Archive und das gesperrte Archiv des Vatikans sowie über Schwerpunkte der Holocaustforschung in den letzten Jahrzehnten. Über sudetendeutsche und andere Kollaborateure. Der deutsche Angriff auf Polen 1939 als Todesurteil über die Juden: Entrechtung, Mordaktionen, Tod in den Ghettos. Gibt es heute in der Forschung mehr Aufmerksamkeit für die Opferperspektive? Was sagen die Dokumente über den aktiven oder passiven Antisemitismus der breiten Bevölkerung aus?
Gespräch mit Klaus-Peter Friedrich, Historiker, Marburg
Über die Situation der in Polen lebenden jüdischen Bevölkerung vor 1939 und nach Kriegsbeginn; binnen weniger Wochen gerieten zwei Millionen Juden unter deutsche Herrschaft. Über die Flucht von hunderttausenden Juden in sowjetisch besetztes Gebiet. Zur Rolle der jüdischen wie der nichtjüdischen Untergrundblätter im Polen unter deutscher Besatzung.

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