Bayern 2 - Hörspiel


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Auszeichnung für BR-Produktion "Simeliberg" Hörspiel des Monats Januar 2018

Das Hörspiel "Simeliberg von Michael Fehr ist mehr als eine Radiofassung seines Buchs: Es ist die Neuverdichtung des abgründigen Romans als poetisches Hörstück, in dem die in eigentümlichen Rhythmus sich entfaltende, eindringlich knorrige Sprache ebenso viel Spannung erzeugt, wie die düstere Handlung, die vom ersten Moment an in den Bann schlägt."

Stand: 06.02.2018

Kathrin von Steinburg und Martin Feifel | Bild: BR/Stefanie Ramb

"Mehr als eine Radiofassung des Buchs"

Die Hörspiel-Produktion "Simeliberg" von Michael Fehr über ein unheimliches Geschehen in einer kleinen Schweizer Stadt ist Hörspiel des Monats Januar 2018.

"Ein Stück, das nach Fehrs lapidarem Schlusssatz - Simeliberg, Aufnahme Ende – noch lange nachklingt und den Blick auf Vorurteile und Verbohrtheit im eigenen Lande richtet."

Aus der Jurybegründung

Ausgezeichnetes Hörspiel online hören

Das Hörspiel wurde auf Bayern 2 am 20. Januar 2018 urgesendet und kann im BR Podcast Hörspiel Pool angehört und heruntergeladen werden.

"Simeliberg von Michael Fehr ist mehr als eine Radiofassung seines Buchs: Es ist die Neuverdichtung des abgründigen Romans als poetisches Hörstück, in dem die in eigentümlichen Rhythmus sich entfaltende, eindringlich knorrige Sprache ebenso viel Spannung erzeugt, wie die düstere Handlung, die vom ersten Moment an in den Bann schlägt. Eine imaginäre Schweiz scheint auf im reduzierten elektronischen Sound, a capella-Zwischengesängen in Moll, und Originalaufnahmen als einer von schmalster Farbskala (weiß, Grautönen, schwarz) geprägten Klanglandschaft, in der die handelnden Personen entgegen der mimetischen Konvention mit klarer bayrischer dialektaler Färbung sprechen. Vor allem aber entsteht sie in der Stimme des Autors, der seinen Text so vorträgt, als spräche er ihn in ein Diktafon – so wie Fehr seine bildstarke originelle Prosa ja tatsächlich notiert. Es sind undurchsichtige Figuren, die dieses düstere Oben (Stadt) und Unten (das Tal, der Sumpf) bevölkern: Der Gemeindsverwalter Anatol Griese, zugezogen aus Deutschland und somit auf ewig ein Halbfremder, fährt mit einer geladenen Schrotflinte über Land. Er soll den Sonderling Schwarz, der keinen Vornamen hat, zur Begutachtung aufs Amt bringen. Hat Schwarz Anspruch auf Fürsorge? Hat der seine Frau umgebracht? Es wird viel geraunt. Sicher aber fungiert er als Anführer einer fremdenfeindlichen paramilitärischen Gruppe von Preppern, die sich vorgenommen hat, den Mars zu kolonisieren und dafür Geld und Waffen im abgelegenen Einsiedlerhof von Schwarz hortet. Eine Explosion, die Tote fordert. Fragmente einer Krimi-Handlung. Ein scheinbar richtungslos vor sich hin arbeitender behördlicher Apparat. Familiäre Verstrickungen. Falsche Verdächtigungen und falsche Toleranz. Beglänzt mitunter von tiefschwarzer Komik. Ein Stück, das nach Fehrs lapidarem Schlusssatz - Simeliberg, Aufnahme Ende – noch lange nachklingt und den Blick auf Vorurteile und Verbohrtheit im eigenen Lande richtet."

Jurybegründung der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste

Über die Auszeichnung "Hörspiel des Monats"

Seit 1977 werden die „Hörspiele des Monats“ von einer dreiköpfigen Jury gewählt. Die Jury wird von den Sendern gemeinsam mit der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste bestimmt. In den Wettbewerb kommen die von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten monatlich vorgeschlagenen Ursendungen. Die Jury hört und beurteilt die eingereichten Hörspiele und wählt das interessanteste/bemerkenswerteste "Hörspiel des Monats". Aus den zwölf ausgewählten Hörspielen wird seit 1987 das "Hörspiel des Jahres" gewählt und in einer öffentlichen Veranstaltung in Frankfurt am Main vorgestellt.

Michael Fehr: Simeliberg

Realisation: Kai Grehn
Komposition: Schneider TM (Dirk Dresselhaus)
Redaktion: Katarina Agathos
Produktion: BR/RB 2018

Michael Fehr, geb. 1982, lebt als Autor in Bern. Für "Simeliberg" u.a. Auszeichnung mit dem Bayern 2 Wortspielepreis 2015. Weiteres Hörspiel: "Babel und die Studentin und ein Rebhuhn auseinandernehmen" (SRF 2015). Außerdem Mitbegründer von "Babelsprech", einem Projekt zur Förderung junger deutschsprachiger Lyrik.

Der Autor erstellt seine Werke aufgrund einer Augenkrankheit nicht schreibend, sondern indem er ein Computerprogramm seine Stimme aufzeichnen lässt. Konsequenterweise übernimmt Fehr in der Hörspielfassung von "Simeliberg" die Rolle des Erzählers.


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