Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Leitfaden für einen mündigen Patienten Hintergrund

Von: Doris Schleich

Stand: 27.03.2014


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Gesünder durch Eigeninitiative

„Hauptsache gesund!“ Dieser Wunsch gilt für fast alle Lebensphasen. Nicht wenige Menschen bezeichnen Gesundheit als das höchste Gut. Doch dieses Gut(e) kam lange Zeit gewissermaßen von oben.

Expertin:

Marianne-Koch | Bild: BR/Foto Sessner

Dr. Marianne Koch, Internistin und BR-Gesundheitsexpertin

Verantwortlich für die Gesundheit waren der Arzt und der “liebe Gott“. Und dass der Arzt dabei die Rolle des Halbgottes in weiß spielte, passte ins Bild. Aber immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass Gesundheit ein Gut ist, für das jeder selbst mitverantwortlich ist und an dem man ein Leben lang arbeiten muss: Die Patienten werden mündig.

Beurteilung von Dr. Marianne Koch

„Wir alle wissen, dass sich die Beziehung zwischen den Ärzten und ihren Patienten derzeit in vielen Fällen nicht nur eingetrübt hat, sondern dass sie sich in einem Wandel befindet. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Das frühere patriarchalische Verhältnis – hier die unangefochtene väterliche Autorität des Arztes, dort der dankbar hinnehmende, gläubige Kranke, der um nichts in der Welt  einen Rat seines Doktors hinterfragt oder gar angezweifelt hätte – dieses langjährige System hat sich ganz offensichtlich überlebt. Es ging meist einher mit einer ziemlich ausgeprägten Selbstgewissheit der Mediziner, die heute angesichts der schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen und anderer Widrigkeiten im Medizinbetrieb deutlich abzubröckeln beginnt. Aber auch der Patient sieht sich zu einer Änderung seiner Haltung gezwungen, das heißt dazu, seine bisherige passive Rolle zugunsten einer gewissen Emanzipation und vor allem Eigenverantwortung abzulegen. Das alles könnte im Idealfall hinführen zum partnerschaftlichen Verhältnis: Arzt und Patient auf gleicher Augenhöhe. Das heißt, alle relevanten Entscheidungen werden diskutiert, abgewogen und im Konsens getroffen. Hier der Experte mit Erfahrung und Fachwissen, dort der „mündige“ Partner.“

Lebensführung

Doch Mündigkeit ist anstrengend und aufwendig. Eine gesunde Lebensführung gehört dazu:

  • Auf eine ausgewogene Ernährung achten,
  • seinen Blutdruck beobachten,
  • sich ausreichend bewegen und
  • auf Zigaretten verzichten.

Der mündige Patient informiert sich aber auch über die Punkte, die seine Gesundheit betreffen und tritt dem Arzt gegenüber als gleichberechtigter Partner auf.

Der mündige Patient ist gesünder

Doch Mündigkeit lohnt sich, denn: Mündige Patienten werden seltener krank. Die Heilungschancen steigen, wenn der Patient in den Genesungsprozess selbstverantwortlich eingebunden ist. Ein informierter Patient kann die Maßnahmen, die ein Arzt ihm vorschlägt, leichter verstehen und in seinem Leben umsetzen.

"Wir brauchen den mündigen Patienten auch deshalb, weil ohne das Mitwirken der Patienten das Gesundheitssystem in Zukunft nicht mehr bezahlbar sein wird. Die Grenze der Eigenverantwortung ist allerdings dann erreicht, wenn der Patient wirklich ernsthaft krank wird. Dann muss er sich vertrauensvoll in die Hände der Ärzte begeben und sich auf deren Kompetenz verlassen können."

Internistin Dr. Marianne Koch

Problem der Ärzte

Viele Mediziner fühlen sich als bloße Dienstleister, unter der Knute der kommerziellen Interessen ihres Arbeitgebers oder ihrer Praxis. Medizin als Business: Ist man dafür Arzt geworden?

"'Ich weiß nicht, ob ich mich schämen soll oder ob ich jetzt einfach zum Zyniker werde‘, klagte einer meiner Freunde kürzlich. Selbstverständlich brauchen ärztliche Praxen das Geld, das sie mit den IGeL, also den Individuellen Gesundheitsleistungen verdienen. Aber im Grunde werden Ärzte damit zu Krämern – und mit verantwortlichem ärztlichen Handeln hat das ohnehin nichts mehr zu tun."

Internistin Dr. Marianne Koch

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