Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Tipps für Patienten Welcher Sport vermeidet Krebs?

Nicht jede Sportart eignet sich gleichermaßen, um die Prognose eines Krebspatienten zu verbessern, sondern hauptsächlich Ausdauersportarten. Aber was muss man beim Training beachten?

Stand: 20.01.2017

Frau beim Joggen in der Natur | Bild: colourbox.com

Bis noch vor etwa fünf Jahren waren die Mehrzahl der Gynäkologen, Onkologen, Hausärzte und Patienten der Überzeugung, dass Sport bei Krebs nicht sinnvoll ist. Die erste Publikation hat im Jahre 2004 das Gegenteil bei Brustkrebs bewiesen. Doch bis heute ist Sport nach Krebs keine allgemeine Empfehlung.

"Häufig erlebe ich, dass Patienten in die Krebs-Sport-Sprechstunde kommen, deren Arzt ihnen vom Training abgeraten hat. Sie möchten aber nichts unversucht lassen und wenn sie mit dem Training beginnen, geht es ihnen nach kurzer Zeit besser."

Prof. Halle, Zentrum für Prävention und Sportmedizin, München

Oft informieren solche Patienten dann ihren betreuenden Arzt, der wird dadurch hellhörig, liest nach und erfährt von den neuen Erkenntnissen.

Sportart

Allerdings eignet sich nicht jede Sportart gleichermaßen, um die Prognose eines Krebspatienten zu verbessern, sondern hauptsächlich Ausdauersportarten wie Joggen, Nordic Walking, Fahrradfahren oder Schwimmen, denn solche Ausdauersportarten bringen den Stoffwechsel wieder in Schwung.

Ausdauersport

  • Ausdauersport sorgt erstens dafür, dass Blutzucker verbraucht und damit gesenkt wird.
  • Außerdem führt ausdauernde Bewegung dazu, dass das Insulin - bildlich gesprochen - eine ganze Reihe von Türen an den Körperzellen öffnet. So wird Blutzucker schneller weitergeleitet.
  • Drittens lassen sich im Blut messbar weniger Entzündungswerte feststellen.

Training

Paar beim Fahrradfahren | Bild: colourbox.com zum Thema Hoch von der Couch! Bewegung ist gesund

Bewegung ist gut für die Gesundheit – das ist lange bekannt. Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs treten dann weniger oft auf. Aber warum ist Bewegung eigentlich so gesund? [mehr]

Allerdings sollte man wissen, dass das nötige Training relativ umfangreich ist. Für Nordic Walking und Fahrradfahren muss man eine Dreiviertelstunde rechnen, für Schwimmen vierzig Minuten pro Tag, erst dann wird der Stoffwechsel in Gang gebracht. Spätestens nach sechs Wochen Training zeigt sich der Erfolg.

Fatigue

Viele Krebspatienten, die eine Strahlen- und Chemotherapie machen oder hinter sich haben, leiden unter dem Müdigkeitssyndrom (Fatigue). Bisher ist das körperliche Ausdauertraining die einzige bekannte Möglichkeit, die Folgen dieses Syndroms zu verbessern.

Tipp:

Wer bereits während der Strahlen- und Chemotherapie Ausdauersport macht, ist insgesamt fitter und verträgt die Chemotherapie besser.

Die Psyche nicht vergessen

"Sportliche Bewegung wirkt sich auch immer gut auf die Stimmung aus. Dies ist sehr wichtig für Krebspatienten. Denn sie können sich damit selbst ein bisschen aus dem Sumpf und aus der Passivität herausholen, die durch Operation und z.B. Strahlentherapie gekommen ist. Sie merken, dass sie noch aktiv sein können."

Prof. Halle, Zentrum für Prävention, Ernährung und Sportmedizin

Depression

Bekannt ist auch, dass viele Patienten nach einer Krebsoperation und anschließender Strahlen- und/oder Chemotherapie mit depressiven Phasen zu tun haben: Sie wollen mit ihrem Körper am liebsten nichts mehr zu tun haben. Ausdauersport-Training  kann da eine Hilfe sein, denn es gibt ein Ziel vor, das man erreichen will.  

"Das Wesentliche ist, dass Patienten erst mal langsam anfangen mit zehn Minuten und in drei Monaten so weit kommen, dass sie jeden Tag eine Dreiviertelstunde durchhalten, obwohl sie natürlich manchmal schlapp und angegriffen sind."

Prof. med. Martin Halle

Tipps

Bereits in der Reha-Klinik könnten Krebspatienten stärker zum Sport motiviert werden, momentan ist das aber noch nicht überall der Fall. Anschließend lohnt es sich, eine Krebs-Sport-Gruppe zu suchen, in vielen Orten wird dieser Sport zweimal pro Woche angeboten. Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten, allerdings nur für eine gewisse Zeit. Wer sich informieren möchte, kann das bei der Bayerischen Krebsgesellschaft tun.


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