Therapien: Vielschichtige Behandlung notwendig
Leider gibt es nicht 'das' Medikament, das gegen Fibromyalgie hilft. Bei der Behandlung von Patienten mit Fibromyalgiesyndrom spielen mehrere Säulen der Therapie zusammen.
Übersicht der wichtigsten Therapien:
- Information und Aufklärung über die Erkrankung
- Schmerzbeeinflussende Medikamente z.B. niedrig dosierte Antidepressiva
- Regelmäßig Bewegung: ein an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasstes Ausdauertraining
- Regelmäßiges Krafttraining: an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasst
- Entspannungsverfahren
- kognitive Verhaltenstherapie kombiniert mit Ausdauertraining
- Meditative Bewegungstherapien (z.B. Tai Chi, Qi Gong, Yoga, Feldenkrais)
Verbesserung der Lebensqualität
Wichtig ist zunächst, dass Patienten wissen, dass ihre Beschwerden legitim sind, und dass sie sich die Schmerzen nicht einbilden.
"Zur Behandlung des ganzen Menschen gehören Körper, Psyche und die Einbeziehung des sozialen Systems."
Dr. Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München
Tipp: Stress reduzieren
Die Patienten müssen wissen, wie die Krankheit mit Stress zusammenhängt. Deswegen ist es für sie wichtig zu begreifen, dass die Schmerzen im Grunde ungefährlich sind, da der Schmerz nicht mehr den Warncharakter eines akuten Schmerzes hat.
"Für viele ist es schwer, den Schmerz auch zu überwinden und zu akzeptieren, dass sie dadurch nichts kaputt machen."
Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München
Verhaltenstherapie und Entspannung
Um mit Schmerz- und Stresssituationen besser umgehen zu lernen, empfiehlt sich bei Leiden unter den Fibromyalgiebeschwerden eine Verhaltenstherapie, sowie das Erlernen und regelmäßige Anwenden von Entspannungsverfahren. Ziel ist damit auch die Lebensqualität und die Funktionsfähigkeit im Alltag zu verbessern - dies auch ohne ausgeprägte Depression oder Angststörung.
Bewegung hilft
Bei leichten Formen des Fibromyalgiesyndroms empfehlen Experten regelmäßige Bewegung in Form von leichtem Ausdauertraining.
"Auch nur minutenweises Spazierengehen hilft, später auch Walking und Radfahren, Schwimmen und Aquajogging, das man auf drei bis vier Stunden pro Woche ausbaut."
Dr. Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München
Krafttraining
Studienergebnissen zufolge kann auch niedrig-dosiertes Krafttraining in Kombination mit Dehnübungen dazu beitragen, dass Schmerzen gelindert, aber auch Müdigkeit und Erschöpfung reduziert werden.
Meditative Bewegungstherapien
Körper und Geist in Einklang zu bringen, spielt gerade bei Fibromyalgiepatienten eine wichtige Rolle. Deshalb sind folgende meditativen Bewegungsarten stark zu empfehlen:
- Tai Chi
- Qi Gong
- Yoga- Feldenkrais
Wärme hilft, Kälte schadet?
Die meisten Patienten sind sehr wärmeaffin: Wärme tut gut, entspannt und lindert Schmerzen. In einem Verbraucherreport mit über 1.600 Befragten war Wärme unter den Spitzenreitern. Kälte (unter anderem auch die bei Rheumapatienten angewandte Kältekammer) hingegen gehörte im Report zu den Punkten, die den Patienten am ehesten schadet. Aber:
"Wir haben von vielen Patienten bei bestimmten Dosierungen auch auf Teilanwendungen mit Kälte positive Rückmeldungen bekommen. Dies überrascht die Patienten selbst oft: Sie empfinden das kalte Wetter als unangenehm, aber bei einzelnen Anwendungen können sie Kälte auch als positiv erfahren. Das Gros der Patienten empfindet Kälte zunächst jedoch als negativ."
Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München
Alternative Therapieverfahren
Hilft Akupunktur? Oder Homöopathie? Oder vegetarische Ernährung? Auch wenn einige Patienten zu diesen Therapieoptionen Positives berichten, gibt es zu diesen Therapieverfahren widersprüchliche und teils unzureichende Studienergebnisse. Sicher lässt sich jedoch sagen:
"Wendet man diese Therapieverfahren nicht isoliert und zusammen mit den oben genannten stark empfohlenen Therapieverfahren im Sinne einer ganzheitliche Anwendung für die Bereiche Körper, Psyche und soziales Leben an, richtet man bei Fibromyalgiepatienten in der Regel keine Schäden damit an."
Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München

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