Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Diagnose: Beschwerden werden oft verkannt

Die Symptome des Fibromyalgiesyndroms sind vielfältig. Deshalb wird es oft in der meist nur kurzen zur Verfügung stehenden Zeit im Arzt-Patientenkontakt nicht erkannt. Einzelne Ärzte erkennen darin nicht einmal ein Krankheitsbild.

Stand: 18.10.2012
Junges Mädchen mit Rückenschmerzen bei einer Ärztin | Bild: picture-alliance/dpa

Deshalb braucht es weiterhin oft Jahre, bis Patienten endlich die Diagnose bekommen, die ihnen bestätigt: Sie haben sich die Schmerzen nicht nur eingebildet.

"Es gibt eine Studie, bei der Patienten gefragt wurden: 'Was war der hilfreichste und wichtigste Faktor für Sie im Laufe der Erkrankung?'. Über 90 Prozent sagten: Die Diagnose. Dass sie sich dann ernstgenommen und angenommen fühlten und nicht zu hören bekamen: 'Sie haben gar nichts, Sie bilden sich das nur ein.' Für die Betroffenen ist das nämlich eine große Belastung. Gegenüber Medizinern bezeichne ich es als nicht hilfreich, einfach zu sagen 'da ist nichts gewesen'."

Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München

Schmerzskizze

Dr. Winkelmann lässt seine Patienten zunächst eine Schmerzskizze ausfüllen, anhand derer er sehen kann, in welchen Körperregionen sie Schmerzen empfinden. Dabei muss sichergestellt sein, dass auch wirklich alle Schmerzorte angegeben sind.

"Die Patienten trauen sich oft gar nicht alle Schmerzen aufzuzählen. Denn sonst haben sie vielleicht durchschnittlich zwei bis fünf Minuten beim Arzt und der dann nur sagt 'Sagen Sie mir bitte, wo's am meisten weh tut'. Bei dieser Krankheit ist es aber wichtig, dass alle Schmerzregionen eingezeichnet sein, und dann sehe ich: Ist es die obere und/ oder untere Körperhälfte, die rechte und/ oder linke."

Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München

Abfragen der Kern- und Nebensymptome

Der Arzt fragt ab, wie ausgeprägt die Müdigkeit ist, wie erholsam bzw. nicht erholsam der Schlaf. Wie müde ist man früh morgens? Welche seelischen Beschwerden bestehen und seit wann schon? Vermehrtes Schwitzen, Steifigkeit, Schwellungsgefühl an Händen und Füßen - auch das sind Symptome, die auftreten können. Mache Patienten klagen auch darüber, dass sie beim Nachdenken und mit dem Gedächtnis Probleme haben. Kopfschmerzen, Bauchweh, sogar Angststörungen und Depressionen können als Begleiterkrankungen auftreten. Auch wird eine komplette medizinische Krankengeschichte inklusive der eingesetzten und aktuell eingenommenen Medikamente abgefragt.

"Wenn Symptome im Bereich der Psyche stärker ausgeprägt sind, z.B. Depression oder Angststörungen, dann fragen wir auch, ob der Patient deswegen schon in Behandlung war oder ist. Falls nicht, sollte man auch in diese Richtung weiter untersuchen. Wir haben Psychologen, die schmerztherapeutisch arbeiten. Es könnte aber auch durch Ärzte, Psychotherapeuten und Psychiater abgefragt werden. Manche Patienten können durch das lange Leiden stark depressiv sein, sogar bis zu Selbstmordgedanken."

Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München

Körperliche Untersuchung

Der Arzt untersucht den gesamten Körpers inklusive Haut, erstellt einen neurologischen und orthopädischen Befund und schließt körperliche Erkrankungen aus, die diesen Symptomkomplex ausreichend erklären könnten.

Soweit es vorher noch nicht durchgeführt wurde, wird zum Ausschluss von Erkrankungen außerdem leitlinienbasiert ein sogenanntes Basislabor empfohlen.


0