Eine rätselhafte Krankheit
Chronische Schmerzen, praktisch am ganzen Körper. Erschöpfung, Müdigkeit, Schlafstörungen. Das ist es, was Patienten mit dem Fibromyalgiesyndrom plagt. Untersucht man die schmerzenden Regionen, stellt man jedoch fest: Eigentlich scheint alles in Ordnung.
Experte:
Dr. med. Andreas Winkelmann, Oberarzt an der Klinik und Polyklinik für physikalische Medizin und Rehabilitation der Universität München sowie Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie und der interdisziplinären Schmerzambulanz (Campus Innenstadt)
Drei bis vier Prozent der Bevölkerung in der westlichen Welt haben das Fibromyalgiesyndrom. Für Deutschland heißt das, man rechnet mit zwei bis drei Millionen Betroffenen. Trotzdem haben die meisten von ihnen eine regelrechte Ärzteodyssee hinter sich, bis sie endlich die richtige Diagnose bekommen.
"Wir haben Patienten, die die Symptome schon als junge Frau oder auch junger Mann wahrgenommen haben. Bei manchen ist das 20 oder 30 Jahre her. Aber ich würde sagen, derzeit liegt die Dauer der Leidensgeschichte bis zur Diagnosestellung im Durchschnitt bei vier bis sechs Jahren."
Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München
Patienten nicht ernst genommen
Es gibt Ärzte, die das Fibromyalgiesyndrom gar nicht kennen. Manche Ärzte behaupten sogar, es gebe es im Sinne einer Erkrankung nicht. Andere stempeln das Fibromyalgiesyndrom als psychiatrische oder psychosomatische Krankheit ab. Das ist jedoch falsch.
Es kann jeden treffen
In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung im mittleren Lebensalter zwischen 30 und 60 Jahren. Aber auch Jugendliche und junge Frauen und Männer können am Fibromyalgiesyndrom erkranken.
"Der Durchschnitt unserer Patienten liegt vielleicht bei Mitte 50 - wir haben aber durchaus auch Patienten um die 20 und auch welche, die die Beschwerden erst jenseits der 70 entwickeln. In der Klinik sehen wir das Verhältnis Frauen zu Männern etwa sechs bis zehn zu eins. Es gibt aber auch schon eine Veröffentlichung, bei der das Verhältnis beinahe gleich ist."
Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München
Prognose
Das Fibromyalgiesyndrom ist nicht heilbar. Allerdings stirbt wegen des Syndroms auch niemand früher oder wird invalide. Was die Medizin tun kann, ist für eine Verbesserung der Lebensqualität zu sorgen. Studien haben die Einschränkung der Lebensqualität von Fibromyalgie-Patienten untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass die unterschiedlichen Faktoren sich zumindest teilweise nicht nur summieren, sondern potenzieren können.
"Deswegen ist es so wichtig, auch die Begleiterkrankungen zu erfassen und dann eben auch zu behandeln."
Dr. Andreas Winkelmann, Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie, Klinik der Universität München
Der Text basiert auf einem Gespräch mit Dr. Andreas Winkelmann, Oberarzt an der Klinik und Polyklinik für physikalische Medizin und Rehabilitation der Universität München sowie Leiter der Tagesklinik für Fibromyalgie und der interdisziplinären Schmerzambulanz (Campus Innenstadt).

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