Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Diagnose Brustkrebs Früherkennung kann Leben retten

Selbst ertasten kann eine Frau einen Knoten in der Brust, wenn er etwa einen Durchmesser von einem Zentimeter hat. Bei der Früherkennung, zum Beispiel mithilfe der Mammographie, kann man sehr viel kleinere Tumoren sehen und auch Vorstufen erkennen.

Stand: 02.11.2017

Auch bei Bustkrebs gilt: Je früher die Erkrankung entdeckt wird, desto besser - im Bild: Mammographie-Untersuchung | Bild: picture-alliance/dpa

Wie eine optimale Früherkennung aussieht

  • Jede Frau, auch junge Frauen, sollte mindestens einmal im Jahr zum Frauenarzt gehen, damit die Krebsvorsorge durchgeführt wird. Dazu gehört sowohl der Unterleib, also die Krebsvorsorge bei der Gebärmutter, als auch das Abtasten der Brust durch den Arzt.
  • Außerdem wird empfohlen, die Brust selber abzutasten.
  • "Daneben ist eine regelmäßige Mammographie sinnvoll. Eine Basismammographie als Vergleichsbasis für spätere Untersuchungen sollte ab dem 35. Lebensjahr erfolgen. Eine regelmäßige Mammographie empfehlen wir dann spätestens ab dem 50. Lebensjahr", betont Professor Dr. Nadia Harbeck.
  • Wenn Frauen ein familiäres Risiko haben, sollte man die Mammographie, aber auch die Tastuntersuchung und den Ultraschall früher durchführen. Das kann man mit dem Frauenarzt besprechen.

Risiko Mammographie? Die Angst vor der Strahlenbelastung

  • Der eindeutige Nutzen einer Mammographie ab dem 50. Lebensjahr ist klar bewiesen, vor allem weil das Risiko zu erkranken ab diesem Alter deutlich erhöht ist.
  • Auch das Risiko, durch die Bestrahlung an Krebs zu erkranken besteht eher theoretisch.

"Meine Kollegin Professor Heywang-Köbrunner bringt den recht eindrucksvollen Vergleich, dass das Risiko durch die Mammographie Krebs zu bekommen, dem Risiko entspricht, von ein bis drei Zigaretten pro Jahr Lungenkrebs zu bekommen."

Prof. Harbeck

Mammographie-Screening

Im September 2002 beschloss der Bundestag die deutschlandweite Einführung eines Mammographie-Screeningprogramms DMS (Röntgenreihenuntersuchung der Brust) zur Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren. Dadurch sollen die Frauen für diese Krebsart sensibilisiert und die Heilungschancen wesentlich verbessert werden. Seit dem 1.1.2004 hat jede Frau in dieser Altersgruppe in Deutschland alle zwei Jahre einen Anspruch auf eine Mammographie.
Die Frauen brauchen selbst nicht aktiv zu werden, denn die Einladung zum Screening kommt per Post ins Haus, aber die Frauen können auch eine Mammographie einfordern. Die Teilnahme ist freiwillig. In Deutschland folgen nur etwas mehr als 50 Prozent der Frauen dieser Einladung. Ein Vergleich zu anderen Ländern mit Screening-Programmen: In den Niederlanden folgen 80 Prozent der Frauen dem Programm.

Wie der Standard gewahrt wird
Um eine hohe Erkennungsrate gewährleisten zu können, gelten bundesweit einheitliche Qualitätsanforderungen an die Ärzte. Die Mediziner wie auch das Untersuchungspersonal müssen regelmäßig an Fortbildungskursen teilnehmen, damit sie auch die schwierigsten Befunde erkennen. Als Screeningarzt kann nur arbeiten, wer jährlich über 5.000 Mammographien durchführt.

Auch auf dem Land
Da die Anfahrtswege für die Frauen kurz sein sollen, wurde das Bundesgebiet in Screeningregionen unterteilt, die alle über ein eigenes Untersuchungszentrum verfügen. Um die Schwellenangst zu verringern, werden die Zentren möglichst nicht in Kliniken integriert, sondern in neutralen Räumen untergebracht. In ländlichen Gegenden sind "Mamma-Busse" im Einsatz, die die einzelnen Städte und Dörfer einer Region zum Test vor Ort anfahren. In Bayern gibt es seit 2004 ein bayernweites Mammographie-Screening Programm (BMS).

Mammographien bereits ab dem 40. Lebensjahr?

In den USA empfehlen Ärzte regelmäßige Mammographien bereits ab dem 40. Lebensjahr. Prof. Harbeck hält dies nicht in jedem Fall für sinnvoll:

  • Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren ist die Mammographie nicht so zuverlässig, da das Drüsengewebe noch sehr dicht ist.
  • Zudem ist das Gewebe aufgrund der Hormonaktivität strahlensensibler.

"Wir wissen jedoch, dass in Ländern, in denen gescreent wird, die Sterberate der Brustkrebsfälle deutlich zurückgegangen ist. Experten sprechen davon, dadurch die Sterblichkeit um ein Drittel bis zur Hälfte reduzieren zu können, weil man die Tumoren früher erkennt und damit besser behandeln kann."

Prof. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der Universität München


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