Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Was ist wann sinnvoll Pflege daheim, in der Klinik oder im Hospiz?

Die Patienten kommen auf eine Palliativstation, wenn ihre Schmerzen oder andere Beschwerden vom Hausarzt oder von anderen Ärzten in einem Krankenhaus nicht ausreichend gelindert werden können.

Stand: 17.10.2016

Die Palliativmedizin will mit ihren Einrichtungen kein neues Ghetto für Schwerkranke bzw. Sterbende schaffen - im Bild: Frau besucht ältere Frau in einer Pflegeeinrichtung | Bild: Digital Stock

Auf der Palliativstation bleiben die Patienten im Durchschnitt ca. zehn Tage. Wenn es dort gelungen ist, die Symptome und auch den Allgemeinzustand zu stabilisieren, kann der Patient wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Wann kann ein Palliativpatient zu Hause leben?

"Das setzt voraus, dass eine familiäre Struktur vorhanden ist oder Freunde da sind, die sich um den kranken Menschen kümmern. Notwendig ist die Unterstützung des Hausarztes und oft auch eines Pflegedienstes, in besonderen Fällen sollte ein spezialisiertes ambulantes Palliativteam hinzugezogen werden. Wenn diese Betreuung zu Hause so nicht möglich ist, dann stellt sich die Frage, wo die weitere, stationäre Betreuung stattfinden kann."

Prof. Dr. Claudia Bausewein

Tipp: Welche Kriterien sprechen für welche Alternative?

Wenn die Betreuung zu Hause nicht möglich ist, können  Menschen die letzte Lebensphase im Hospiz verbringen. Dort stehen speziell ausgebildete Pflegende und Therapeuten zur Verfügung. Die Hausärzte übernehmen die medizinische Betreuung.


Ein Beispiel von Prof. Dr. Claudia Bausewein: Ein Patient mit einem fortgeschrittenen Hals-Nasen-Ohren-Tumor, der übel riecht, das Aussehen verändert, einen Luftröhrenschnitt hat, nicht mehr richtig sprechen kann und bei dem die Ernährung über eine Magensonde geht, - solch ein Patient kann häufig nicht zu Hause oder in einem Pflegeheim versorgt werden. Folglich braucht er eine spezialisierte Einrichtung, ein stationäres Hospiz, das den komplexen Betreuungsbedürfnissen gewachsen ist.

Das medizinische Wissen in Hospizen und Pflegeheimen:

"Wir haben derzeit Versorgungsstrukturen, die grundsätzlich gut sind. Die Palliativmedizin und die Hospizversorgung bringen allerdings noch einmal zusätzliches Wissen ein. Die Frage ist also, wie man dieses Wissen dorthin bekommt, wo es gebraucht wird. Teilweise werden in den Pflegeeinrichtungen spezialisierte ambulante Palliativteams beratend hinzugezogen, um vor Ort zu unterstützen. Dieses System der ambulanten Beratungsdienste auszubauen, ist unser Ziel. Denn die Menschen sollen möglichst in der von ihnen gewünschten Umgebung leben und auch sterben können. Natürlich gehören die Patienten mit ganz dramatischen Verläufen in Spezialeinrichtungen, wie eben in eine Palliativstation oder in ein stationäres Hospiz. Aber es ist nicht das Ziel der Hospizbewegung und der Palliativmedizin, ein neues Ghetto für sterbende und schwerkranke Menschen zu schaffen."

Prof. Dr. Claudia Bausewein


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