Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Definition Aufgaben der Palliativmedizin

Ziel der Palliativmedizin ist es, die Lebensqualität unheilbar kranker Patienten zu verbessern. Ihre Beschwerden versuchen die Palliativmediziner zu beheben oder zumindest zu lindern.

Stand: 17.10.2016

Die Palliativmedizin bemüht sich neben dem medizinischen Ansatz auch auf die psychosozialen und spirituellen Fragen der Patienten einzugehen - im Bild: Betreuerin und Patient in einem Münchner Hospiz | Bild: picture-alliance/dpa

Neben dem rein medizinischen Ansatz bemüht sich die Palliativmedizin im Besonderen auch auf die psychosozialen und spirituellen Fragen der Patienten und ihrer Familie einzugehen.

Betreuungsteam

Um diese komplexe Aufgabenstellung bewältigen zu können, umfasst ein palliativmedizinisches Betreuungsteam neben Ärzten und Pflegenden, Physiotherapeuten, Sozialarbeiter, Psychologen und Seelsorger. Die palliativmedizinische Betreuung hat einen ganzheitlichen Charakter. Dazu gehört es auch, die Angehörigen zu betreuen.
Prof. Gian Domenico Borasio sieht den Patienten und seine engsten Bezugspersonen als Betreuungseinheit, denn die Belastungen von Patient und Angehörigen korrelieren sehr stark miteinander:

"Das bedeutet nicht nur, dass jede Verminderung des Leidens des Patienten die Angehörigen entlastet, sondern umgekehrt auch, dass jede Entlastung der Familie direkt die Lebensqualität des Patienten erhöht. Einige Aspekte der psychosozialen Betreuung sind nur durch spezialisierte Palliativ-Sozialarbeiter zu bewältigen"

Prof. Gian Domenico Borasio

Anspruch auf Palliativmedizin

Um dem Wunsch vieler Menschen Rechnung zu tragen, möglichst schmerzfrei in einer vertrauten Umgebung zu sterben, wurde mit der Gesundheitsreform 2007 ein Rechtanspruch auf spezialisierte ambulante palliativmedizinische Versorgung (SAPV) eingeführt (§ 37b SGB V). Krankenkassen schließen dazu Verträge mit speziell ausgebildeten Teams aus Ärzten, Pflegenden, in denen auch Sozialarbeiter und Seelsorgende mitwirken - den sogenannten SAPV-Teams. Deren Aufgabengebiet reicht von der Beratung über die Koordination der Betreuung bis zur Vollversorgung. Sie arbeiten mit Hausärzten und Hospizvereinen zusammen.

Quelle: (Quelle: Gesundheitspolitische Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit)

Betreuung in der letzten Lebensphase

Die meisten Menschen auf einer Palliativstation leiden gleichzeitig an mehreren starken Beschwerden, wie etwa Schmerzen, Atemnot oder extremer Übelkeit. Die Palliativmedizin versucht, diese Symptome unter Kontrolle zu bekommen.

Beispiel: Flüssigkeitsbedarf

Standard in vielen Kliniken und bei den meisten Ärzten ist, dass in der Sterbephase sehr viel Flüssigkeit zugeführt wird, weil die Angst groß ist, dass der Patient verhungern oder gar verdursten könnte.

Das ist zwar gut gemeint, aber nicht immer sinnvoll: "In der Palliativmedizin wissen wir, dass ein Zuviel an Flüssigkeit in der Sterbephase häufig ein Mehr an Symptomen bei den Patienten hervorruft. Die Erfahrung zeigt, dass Patienten, die weniger Flüssigkeit oder sogar in den letzten ein, zwei Lebenstagen gar keine Flüssigkeit bekommen, friedlicher versterben können", erläutert Prof. Dr. Claudia Bausewein, Lehrstuhl für Palliativmedizin, LMU München.

Der Qualifizierungsstandard der Hausärzte

"Die Ludwig-Maximilians-Universität in München begann als erste deutsche Universität mit dem Sommersemester 2004 Palliativmedizin als Pflichtfach zu lehren. Ab 2013 ist Palliativmedizin sogar in ganz Deutschland Prüfungsfach für alle Medizinstudierenden. Seit 2004 können Ärzte in Deutschland die sogenannte Zusatzbezeichnung Palliativmedizin in Ergänzung einer Facharztkompetenz erwerben. In den vergangenen Jahren haben bundesweit ungefähr 8.000 Ärzte - darunter viele Hausärzte - die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin erworben. Das Vorwissen der Kolleginnen und Kollegen, die für den Erwerb der Zusatzbezeichnung unsere Kurse und Fallseminare besuchen, hat sich beeindruckend gesteigert."

Prof. Dr. Claudia Bausewein


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