Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Sepsis Hintergrund
Von: Jana Bodický und Monika Dollinger Stand: 26.07.2012

Die "Blutvergiftung" - der heimliche Killer

Patient bei der Blutabnahme zur OP-Vorbereitung | Bild: picture-alliance/dpa

Blutvergiftung - ist das nicht die Krankheit, bei der sich ein roter Streifen über die Haut zieht? Manchmal ja - viel öfter verrät sich die heimtückische Erkrankung jedoch nicht über eindeutige Warnsignale, sondern kommt zunächst mit allgemeinem Unwohlsein daher. Deshalb wird die Blutvergiftung, im Ärztedeutsch auch Sepsis genannt, oft nicht rechtzeitig erkannt.

"Kaum eine andere Erkrankung wird so dramatisch unterschätzt wie die Sepsis."

Prof. Frank Brunkhorst,der Paul-Martini-Forschergruppe für klinische Sepsisforschung am Universitätsklinikum Jena und Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e.V.

Experten:

Dr. Claus Peckelsen, Leitender Oberarzt und Chefarztvertreter der Klinik für Akut- und Internistische Intensivmedizin am Klinikum Harlaching des Städtischen Klinikums München GmbH

Prof. Dr. Frank Martin Brunkhorst, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena und Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e.V.

Allein hierzulande erkranken 154.000 Menschen daran, etwa 60.000 sterben an der Krankheit. Damit ist die Blutvergiftung nach Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Auf Intensivstationen sogar die häufigste - dort fordert die Sepsis Tag für Tag 162 Menschenleben. Zum Vergleich: An Aids sterben in Deutschland täglich zwei Menschen. So ist die eigentlich altbekannte Krankheit gerade in Zeiten moderner Medizin zum heimlichen Killer geworden. Das Dilemma: Ärzte diagnostizieren eine Sepsis oft nicht rechtzeitig, Angehörige und Patienten wissen nichts von ihr. Dabei können Intensivmediziner durchaus etwas gegen die Blutvergiftung tun - aber nur, wenn man die Krankheit so früh wie möglich behandelt.

Sepsis ist eine Infektionskrankheit, die durch unterschiedliche Erreger ausgelöst wird: Bakterien sind die Hauptursache, aber auch Pilze oder Viren. Die Giftstoffe (Toxine) der Erreger führen zu gravierenden Schädigungen des Organismus außerhalb des eigentlichen Infektionsortes. Beispiel: Die Lungenentzündung ist eine lokal begrenzte Infektion der Lunge; in dem Moment, in dem diese Infektion durch das Blut über das Organ Lunge hinausgeht, kann es zu einer massiven Erkrankung des ganzen Organismus und zum Ausfall verschiedener Organe wie Herz, Kreislauf, Niere, Lunge, Gehirn und Magen-Darm-Trakt kommen.

Der Text beruht auf Interviews mit Prof. Frank Martin Brunkhorst, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena und Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e.V. und mit Oberarzt Dr. Claus Peckelsen von der Klinik für Gastroenterologie, Pneumologie, Internistische Akut- und Intensivmedizin, Internistische Intensivstation des Städtischen Klinikums München GmbH - Klinikum Harlaching.

Patient auf der Intensivstation | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Krankheitsbild: Wie eine Infektion entgleist

Sepsis ist eine Kettenreaktion des Körpers auf externe Erreger. Anstatt der sonst üblichen Abwehrreaktion des Körpers, richtet sich das Immunsystem gegen das Individuum selbst. Ein Multiorganversagen droht. [mehr]

Chirurgen im Operationssaal | Bild: fStop Images zum Artikel Ursache: Keine Krankenhausinfektion

"Sepsis ist keine Krankenhausinfektion, was oft assoziiert wird. Bis zur Hälfte unserer Sepsisfälle sind ambulant, also außerhalb des Krankenhauses erworbene Infektionen", so unser Experte Dr. Pickelsen. [mehr]

Arzt fühlt den Puls eines Patienten | Bild: Getty Images zum Artikel Unspezifische Symptome: Diagnose schwierig

Die Diagnose der Sepsis ist schwerer als gedacht. Die Allgemeinsymptome Fieber, Unwohlsein und Verwirrtheit sind sehr unspezifisch, stehen aber oft am Anfang einer Sepsis. Nicht jeder denkt sofort an die gefährliche Infektion. [mehr]

Patient mit einem Pulsmessgerät am Finger | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Therapie: Wege der Intensivmedizin

Ist die Kettenreaktion erst einmal ausgelöst, kann keiner mehr helfen und der Patient stirbt. Um dies zu verhindern, kann entweder operativ, medikamentös oder intensivmedizinisch eingegriffen werden. [mehr]

Ein Laborant zieht eine Spritze auf  | Bild: Getty Images zum Artikel Prävention oder: Vorbeugung einer Infektion

Gesund leben mit viel Bewegung, gesunder Ernährung, nicht rauchen und wenig Alkohol, das gilt auch als Schutz vor einer Sepsis. Aber das allein genügt nicht. Impfungen können schützen, Blutwäsche bringt dagegen nichts. [mehr]

Patient klagt beim Arzt | Bild: Digital Vision zum Artikel Spätschäden: Leiden der Überlebenden

Wer eine Sepsis überlebt, hat Glück gehabt. Doch die Wochen, die man dafür auf der Intensivstation verbracht hat, gehen nicht spurlos an Körper und Geist vorbei, so unser Experte Prof. Brunkhorst. [mehr]


0