Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Richtig abnehmen Fasten - Wie gesund ist es wirklich?

Von: Monika Dollinger Stand: 10.06.2010
Frau zupft sich am Speck an der Taille  | Bild: Getty Images

Nicht nur die Seele, sondern auch den Körper reinigen und Ballast abwerfen - so wird die Wirkung des Fastens beschrieben. Es ist aber oft der falsche Ballast. Denn bei den meisten Fastenkuren kommt es zu Eiweißmangel und folglich zu Muskelabbau. Aus medizinischer Sicht ist nur das proteinmodifizierte Fasten vertretbar. Dabei wird dem Körper gezielt eine bestimmte Menge an hochwertigem Eiweiß zugeführt. Auf jeden Fall sollte man sich vor dem Fasten ärztlich untersuchen und beraten lassen.

Ist Fasten zur Bekämpfung von Übergewicht geeignet?

"Fasten hilft, weil Sie natürlich dünner werden, wenn Sie nichts essen. Aber Sie kommen automatisch in den Jojo-Effekt hinein. Denn wenn Sie nichts essen, wird Ihr Energie-Grundumsatz in vier Wochen um bis zu 40 Prozent reduziert. Das ist ein Schutzmechanismus des Körpers, um im Falle einer Hungerphase nicht zu schnell abzumagern. Wenn Sie dann anfangen zu essen, geht Ihr Grundumsatz nicht gleich auf das alte Niveau zurück: Sie haben zum Beispiel einen Grundumsatz von 2000 Kilokalorien und haben ihn auf 1200 Kilokalorien heruntergehungert. Dann nehmen Sie vielleicht nach dem Fasten ungefähr 1400 Kilokalorien zu sich. Sie essen also wirklich viel weniger als vorher, aber Ihr Körper ist plötzlich mit einem Überschuss von 400 Kalorien gesegnet. Sie haben folglich reelle Chancen innerhalb kürzester Zeit wieder ein paar Kilo zuzunehmen."

Prof. Schusdziarra

Hilft Fasten, um Ernährungsgewohnheiten zu durchbrechen?

"Ja, das kann funktionieren. Aber die Frage ist, zu welchem Preis. Wenn Sie anschließend rasch wieder zunehmen, stellt sich schnell ein Misserfolgsgefühl ein. Jetzt habe ich mich so gequält und dann nehme ich so viel und schnell wieder zu. Diese Enttäuschung sollte man nicht unterschätzen. Der psychische Stress ist es nicht wert. Man lernt ja in der Fastenzeit nicht wirklich dazu. Und man kommt zu dem gleichen Ergebnis, wenn man es langsamer angeht und die Ernährung grundlegend umstellt."

Prof. Schusdziarra

Kann Fasten gefährlich sein?

"Ja, denn es wird nicht nur Fett, sondern auch Eiweiß abgebaut. Das kann die Muskeln - auch die Herzmuskeln - betreffen, sodass es zu schweren gesundheitlichen Problemen kommen kann. Deswegen macht man heute, wenn es medizinisch notwendig ist, nur noch niedrigkalorische Diäten zwischen 400 und 600 Kilokalorien, bei denen ein bestimmtes Maß an hochwertigem Eiweiß zugeführt wird. So kann man den allzu großen Raubbau am Körper verhindern. Wer trotzdem fasten will, sollte sich vorher auf jeden Fall vom Arzt untersuchen lassen, damit Komplikationen ausgeschlossen werden können."

Prof. Schusdziarra

Aber überall auf der Welt wurde doch schon immer gefastet?

"Das ist aber alles religiös motiviert und meistens zeitlich sehr begrenzt. Schauen Sie sich mal die Mönche an, die sind ja beim Fasten nie dünner, sondern eher dicker geworden. Sie haben einfach Bier getrunken, Starkbier, das noch mehr Kalorien hat als normales Bier. Auch die Mohammedaner fasten ja nicht richtig: sie essen nur tagsüber nichts. Mit beabsichtigter Gewichtsreduktion hat das nichts zu tun."

Prof. Schusdziarra

Was halten Sie vom sogenannten Saftfasten?

"Das ist dasselbe wie andere Diäten. Die Buchinger-Klinik am Bodensee beispielsweise hat zwar kurzfristig Erfolg - die Menschen kommen oft schon seit 25 Jahren regelmäßig hin - aber das zeigt, dass sie nichts dazulernen. Sie nehmen während der Kur ab, dann gehen sie nach Hause und nehmen wieder zu. Diese extremen Schwankungen ergeben wenig Sinn. Es geht nicht darum, dass jemand in sechs Monaten 20 Kilo abnimmt, um im nächsten Jahr diese 20 Kilo wieder zuzunehmen. Das ist gesundheitlich gesehen unsinnig und riskant. Entscheidend ist, dass er auch nach fünf Jahren noch 20 Kilo weniger hat."

Prof. Schusdziarra:


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