Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Zuckerkrank Hintergrund
Autor: Prisca Straub Stand: 30.09.2010

Diabetes erkennen und behandeln

Blutzuckermessung mit Blutzuckermessgerät | Bild: picture-alliance/dpa

Rund sechs Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an der "Zuckerkrankheit", wie Diabetes Mellitus im Volksmund auch genannt wird. Experten gehen jedoch davon aus, dass tatsächlich weit mehr Menschen von der Krankheit betroffen sind, denn oft bleibt ein Diabetes unerkannt - und das über Jahre hinweg. Diabetes - eine der ältesten bekannten Stoffwechselerkrankungen überhaupt - hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu einer wahren Volkskrankheit entwickelt. Falsche Ernährung und mangelnde Bewegung sind dabei Ursache Nummer eins.

Was bei Diabetes im Körper schief läuft

Experten:

Dr. med. Christoph Neumann, Diabetologe in München-Schwabing und
Dr. med. Marianne Koch, Internistin

Bei Diabetikern produziert die Bauchspeicheldrüse entweder nur noch wenig oder gar kein Insulin mehr (Typ I Diabetes) oder aber die Zellen können Insulin nicht mehr aufnehmen, sind sozusagen resistent gegen das Hormon geworden (Typ II Diabetes). Der Körper braucht aber Insulin, um Energie in Form von Kohlenhydraten über das Blut in Muskulatur und Fettgewebe einschleusen zu können. Ist dieser Mechanismus gestört, kommt es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Unbehandelt führt die Zuckerkrankheit zu einer Schädigung von Augen, Nerven, Nieren, hirn- und beinversorgenden Gefäßen sowie den Herzkranzgefäßen. Damit erhöht sich das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und schwere Durchblutungsstörungen der Füße und Beine bis hin zu einer Amputation(en).

Die Zahl der Diabetiker nimmt stark zu

Die Anzahl der Diabetiker in Deutschland ist stark gestiegen - auf etwa sechs Millionen erkrankte Menschen, so Mediziner auf der Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Und es könnte noch schlimmer kommen: Nach Einschätzung der Fachleute droht etwa 40 Prozent der Deutschen eine Diabetes-Erkrankung. Der Präsident der Deutschen Diabetes-Union, Eberhard Standl, führt das vor allem auf das steigende Alter der Bevölkerung zurück. Dazu käme, "dass sich immer mehr Menschen zu wenig bewegen und an Übergewicht leiden", so Standl. Auf der Jahrestagung beraten Ärzte neue Therapiemöglichkeiten für Diabetes. Eine davon könnte Typ 2-Diabetikern helfen - die weitgehend nebenwirkungsfreie Therapie mit Gliptinen. Diese werden auf Grundlage des Speichels des Gila-Monsters entwickelt, einer giftigen Eidechse aus dem südlichen Arizona. Das Medikament wurde im Jahr 2007 zugelassen. Nun gilt es abzuwarten, ob damit die Erwartungen erfüllt werden, das heißt, ob es wirklich nebenwirkungsfrei ist.

Krankheit mit zwei Gesichtern

Diabetes mellitus (griechisch für "honigsüßer Durchfluss") tritt in zwei unterschiedlichen Varianten auf:

- Typ-1, früher auch juveniler Diabetes genannt

Etwa 0,5 Prozent der Bundesbürger sind von dieser Form betroffen. Der Erkrankungsgipfel liegt im Kinder- und Jugendlichenalter; die Krankheit kann jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Es handelt sich hierbei um eine Autoimmunerkrankung: Das körpereigene Abwehrsystem zerstört aus bisher ungeklärter Ursache die insulinproduzierenden Zellen (beta-Zellen) in der Bauchspeicheldrüse. Folge ist ein Versiegen der Insulinproduktion. Im Blut lassen sich häufig bestimmte Abwehrzellen (Antikörper) finden, die das Vorliegen eines Typ 1-Diabetes bestätigen.

- Typ-2, früher Altersdiabetes

Die frühere Bezeichnung "Altersdiabetes" ist heute nicht mehr zutreffend, da zunehmend auch junge Menschen einen Diabetes Typ-2 bekommen. Schätzungsweise acht Prozent der Deutschen sind daran erkrankt. Doch manche Experten gehen von weiteren zwei bis sechs Prozent aus, bei denen Diabetes bisher nicht diagnostiziert wurde. Ursachen sind eine unzureichende Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse meist in Kombination mit einer schlechteren Wirkung des Insulins (Resistenz), die durch Übergewicht und Bewegungsarmut begünstigt wird.

Das Dossier basiert auf einem Interview von Prisca Straub mit Dr. Christoph Neumann, Diabetologe und Internist in München-Schwabing und Ergänzungen der Internistin Dr. Marianne Koch.

Mann trinkt aus einer Wasserflasche | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Diabetes erkennen: Schutz vor schweren Folgen

"Folgende Normwerte sind für den Blutzucker im venösen Blutplasma definiert: Nüchtern kleiner als 100 mg/dl", erläutert der Diabetologe Dr. Neumann. Liegen die Werte sehr viel höher, wird sofort mit einer Insulin-Therapie begonnen. [mehr]

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Wie für jeden anderen Menschen empfiehlt sich auch für den Diabetiker eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Und weil viele Diabetiker Übergewicht haben, ist es für sie besonders wichtig ihr Gewicht zu reduzieren. [mehr]