Der Papst und die Protestanten "Das muss ich dem Papst einfach mal sagen!"
Was geht der Papst Protestanten schon an? Eine ganze Menge, finden evangelische Christen aus Bayern. Kurz vor der Deutschlandreise Benedikts XVI. nutzen sie die Gelegenheit für ein offenes Wort. Kritik, Wünsche, Anregungen - was bayerische Protestanten "ihrem Papst" schon immer einmal sagen wollten.
Auf seiner Deutschlandreise vom 22. bis 25. September 2011 wird Papst Benedikt XVI. mit Spitzenvertretern der evangelischen Kirche sprechen. Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, freut sich auf den Besuch und auf einen "fruchtbaren Austausch".
Vor allem Ökumeneanhänger setzen große Hoffnungen auf den Papst aus Bayern: Wer, wenn nicht ein Papst aus dem Land der Reformation, könnte etwas bewegen in Bezug auf drängende Probleme der Ökumene - die Frage des gemeinsamen Abendmahls oder der konfessionsverschiedenen Ehen etwa. Viele würden den Papst gerne mal zu einem Taufgespräch mitnehmen von Eltern, bei denen der eine evangelisch und der andere katholisch ist: "Das ist die Lebenswirklichkeit. Da kann er mal schauen, wie die Leute das ausfechten müssen", sagt ein Betroffener.
Sowieso: Die katholische Kirche könnte in vielen Punkten fortschrittlicher werden, glauben etliche evangelische Bayern. Was prominente Protestanten wie Günther Beckstein und Susanne Breit-Keßler und ganz normale Gläubige dem Papst aus Bayern gerne mal sagen oder ihn fragen würden, lesen Sie im Klicktool.
"Das wollte ich dem Papst schon immer mal sagen!"
Beckstein
"Ein ganz großer Wunsch wäre die Frage des gemeinsamen Abendmahls. Gerade bei konfessionsübergreifenden Ehen ist das ja ein großes Thema. Und ich erlaube mir auch den Hinweis, dass es im Interesse der katholischen Kirche ist, da etwas zu tun, denn ich kenne viele Ehen, wo auch der katholische Partner mit in die evangelische Kirche geht, wohingegen der evangelische Partner in der katholischen Kirche ja abgewiesen wird. Da könnte, glaube ich, die katholische Kirche ein Stück von der evangelischen lernen."
Huss
"Der Papst sagt zu allem 'nein'. Nein zu Kondomen, nein zur Frauenordination, nein zur Lockerung des Pflichtzölibats, nein zum gemeinsamen Abendmahl, es heißt eigentlich immer nur 'nein'. Ihm könnte man eigentlich nur sagen: 'Könnten Sie bitte zugunsten Ihrer eigenen Schäfchen ein bisschen mehr von Luther lernen!?' Und das heißt für die Kirche, dass sie ihre Tradition überprüft auf das hin, was Christus sagt. Und man möge mir doch bitte die Stelle zeigen, die das Pflichtzölibat biblisch begründet."
Breit-Keßler
"Ich würde ihm gerne sagen, dass er sich mal umschauen soll in den evangelischen Kirchen dieser Welt, was Frauen alles bewirken können - nicht nur in den unteren Tätigkeitsbereichen, sondern als Pfarrerinnen, als Bischöfinnen. Das ist wirklich ein wahrer Segen. Ich würde ihn auch herzlich bitten, doch mehr gemeinsame Sonntagsgottesdienste möglich zu machen. Ich denke zum Beispiel gerade in Bayern an Trachtenvereine, wo mindestens ein Drittel der Mitglieder inzwischen protestantisch ist und die wünschen sich eben an besonderen Festtagen einen gemeinsamen Gottesdienst. Das sollte übrigens jeden Sonntag möglich sein."
Vogel
Hans-Jochen Vogel war ehemaliger Münchner Oberbürgermeister und langjähriger Bundesvorsitzender der SPD. Er ist katholisch, seine Frau evangelisch, für beide ist es nach einer Scheidung die zweite Ehe. Ein Lebensmodell, für das der Papst kaum Verständnis zeigt. Liselotte Vogel: "Ich habe den Papst schon einmal getroffen. Mein Mann hat sich als SPD-Vorsitzender viele Jahre um ein konstruktives Verhältnis zur Kirche bemüht und ist auch immer wieder zu Gesprächen im Vatikan gewesen. Einmal war ich dabei, hatte aber den Eindruck, dass der Papst das nicht sehr geschätzt hat, er hat mich nämlich schlichtweg übersehen. Wir waren ganz locker zusammengesessen. Er hat mich nicht mal begrüßt, bis mein Mann gesagt hat: 'Meine Frau haben sie ja schon einmal kennen gelernt.' Da hat er mir stumm eine Hand gereicht. Das war alles."
Holschbach
"Vor ein paar Jahren kam mal eine Äußerung vom Papst über Homosexuelle. Er sagte, dass das nicht von Gott gewollt sei und unnatürlich ist und da habe ich mir gedacht: 'Jetzt reicht's, jetzt kann ich den Verein nicht mehr mittragen.' Ich bin am selben Tag ins Rathaus gestiefelt und ausgetreten und seither bin ich evangelisch und mir geht es sehr gut damit. Ich würde den Papst auch wirklich gern mal fragen, warum es den Zölibat eigentlich noch immer gibt. Ich bin mir ganz sicher, der katholischen Kirche ginge es insgesamt viel besser, wenn er abgeschafft werden würde."
Wetjen
"Ich mag ihn nicht - im Gegensatz zu seinem Vorgänger. Den habe ich zwar auch als konservativ angesehen, aber Johannes Paul II. hat Menschlichkeit, also das, was Christentum sein soll, rübergebracht. Dem habe ich als Mensch in seiner Fehlerhaftigkeit geglaubt und gemocht. Was mir gar nicht gefällt, ist auch dieser riesige Pomp, den die katholische Kirche immer macht. Das ist für meine Begriffe nur eine Machtdemonstration, die aber überhaupt nicht gerechtfertigt ist."

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