Bayern 2 - Evangelische Perspektiven

Schwangerschaft und Geburt im KZ Sieben Babys überleben das Grauen

"Ich habe dich aus der Hölle mitgebracht" - diesen Satz hörte Hana Klein immer wieder von ihrer Mutter. Doch was das genau bedeutete, erfuhr sie erst viele Jahre später. Hana Klein ist eines von sieben Babys, die im Winter 1944/45 im KZ-Außenlager Kaufering I geboren wurden.

Autor: Antje Dechert Stand: 02.01.2012

Im Mai 1944 deportierten die Nationalsozialisten Dora Löwy mit ihren Eltern und zehn Geschwistern nach Auschwitz. Dora war damals 28 Jahre alt und schwanger. Es gleicht einem Wunder, dass sie und ihr Kind das Konzentrationslager überlebt haben. Über die traumatischen Erlebnisse sprach Dora Löwy aber bis zu ihrem Tod 1987 so gut wie nie.

Erst danach erfuhr ihre Tochter, die heute 67-jährige Israelin Hana Klein mehr über ihre Geburt. Unter anderem von Miriam Rosenthal, die wie ihre Mutter im KZ-Außenlager Kaufering I ein Kind zur Welt gebracht hatte. Die lebenslange Identitätssuche geht bis heute weiter. Noch immer hat Hana Klein es nicht gewagt, die Memoiren ihrer Mutter zu lesen. Sie liegen aufgeschrieben in einem Tagebuch bei ihr zu Hause in einer Schublade.

Bei einem Besuch in Dachau hat Hana Klein mit dem BR über ihre bewegende Lebensgeschichte gesprochen. Eine Geschichte, die nicht nur von dem mörderischen KZ-System erzählt, sondern auch von der Solidarität und dem Überlebenswillen dieser Frauen. "Diese sieben Babys gaben uns Hoffnung", sagte eine der Mitgefangenen später. "Wir, die so lange Zeit vor dem Abgrund gestanden hatten, dachten, jetzt ist ein Ende in Sicht."

Wie aus Zsuzsanna Hana wurde

Hana Klein ist eigentlich als "Zsuzsanna" geboren worden. Ihre Mutter nannte sie später aber nur noch "Hana".

Bei der Ankunft der Familie in Auschwitz sollte auch die jüngste Löwy-Schwester zum Arbeitsdienst eingeteilt werden. Die zwölfjährige Hana aber fing an zu weinen, sie wollte bei der Mutter bleiben. Dora bat deshalb einen SS-Mann, die kleine Schwester doch mit den Eltern gehen zu lassen. Was sie nicht wusste: Die SS schickte alte Menschen und nicht arbeitsfähige Kinder direkt in die Gaskammern. "Meine Mutter hat sich das ihr ganzes Leben lang nicht verziehen", sagt heute Hana Klein. "Ich glaube, das ist auch der Grund, warum sie mich später nicht mehr Zsuzsanna nannte, sondern Hana."

Buch- und Film-Tipp

Buchcover: "Geboren im KZ"

Eva Gruberová und Helmut Zeller erzählen in ihrem Buch "Geboren im KZ: Sieben Mütter, sieben Kinder und das Wunder von Kaufering I" die unglaubliche Geschichte der jüdischen Mütter, die dank verschiedener glücklicher Zufälle und der Solidarität vieler Mitgefangener ihre Schwangerschaft im Lager überlebten und ihre Kinder zur Welt bringen konnten.
Gemeinsam mit Martina Gawaz hat Eva Gruberová über die Mütter auch einen Dokumentarfilm gedreht, der momentan in den israelischen Kinos läuft und bereits zahlreiche Preise gewonnen hat.