Bayern 2 - Evangelische Perspektiven

Verheißung und Erfüllung Wie dauerhaft ist Glück?

Von Weihnachten erhoffen sich viele großes Glück und eine tiefe Zufriedenheit: Die angestauten Erwartungen und Verheißungen finden an den Weihnachtstagen hoffentlich Erfüllung. Aber was ist danach? Ist es dann mit dem Glück vorbei?

Autor: Clemens Finzer und Bernhard Greger Stand: 14.12.2011
Illu: Seifenblase mit Schloss, darin ein Kleeblatt | Bild: colourbox.com, Montage: BR

Den emotionalen Absturz während der Heiligen Nacht kennen viele: Das traditionelle Essen ist vorüber, die ersehnten Geschenke liegen ausgepackt unter dem Christbaum und jetzt soll das geschehen sein, worauf wir so lange hingefiebert haben: die Erfahrung von unmittelbarem Glück. Für den einen endet dieses Glück schon während der Christmette, für den anderen, wenn der Stress der Weihnachtsfeier beim zu Bett gehen nachlässt und für die allermeisten spätestens dann, wenn mit dem zweiten Feiertag das so freudig erwartete Fest ausklingt. War es wirklich das, wonach ich mich so gesehnt habe oder habe ich nicht doch etwas anderes erwartetet?

Über die Erwartung

Werner Tiki Küstenmacher, evangelischer Pfarrer und Buchautor

"Diese vier Wochen Anlauf sind ja gerade das Großartige am Weihnachtsfest. Dass wir da darauf zumarschieren, und dann boah, wenn es dann da ist! Da spielt viel Erwartung mit. Wenn wir erst am 23. beschließen würden: ach ja, Morgen machen wir Weihnachten! Das wäre das jammerschade um dieses große Fest.

Wie mit Weihnachten, ist es mit vielen verheißungsvollen Momenten des Lebens, von denen wir uns großes Glück versprechen: Tritt das Ersehnte tatsächlich ein, scheint das Glück zwischen den Fingern zu entrinnen und wir befinden uns zurückgeworfen in der banalen Realität. Als der 55-jährige Geschichtsprofessor Eckhard Freise aus Münster am 2.12.2000 bei der Quiz-Show "Wer wird Millionär" als erster Kandidat die Millionenfrage korrekt beantwortet, freut er sich natürlich über den Gewinn. Langfristiges Glück erhofft sich Freise davon jedoch nicht und spendet einen Großteil des Geldes.

Glücksmomente

Eckard Freise

Eckhard Freise | Bild: picture-alliance/dpa

Eckard Freise spricht ungern von "Glück", wenn er an seinen Millionen-Gewinn bei Günther Jauch denkt. Vielmehr habe ihn das Spiel um Frage und Antwort, um Wissen und Nichtwissen in seinen Bann gezogen. Wegen der Million auf dem Konto sei er jedenfalls kein glücklicherer Mensch gewesen: "Glück ist ein sehr flüchtiges Moment. Wenn Sie es schaffen, einen Glücksmoment in ein längerfristiges Moment der Zufriedenheit umzuwandeln, dann haben Sie etwas Gutes daraus gemacht", sagt der Geschichtsprofessor. Freise hat mit einem Teil des Geldes sein Haus abbezahlt und große Teile gespendet. Nach einem Jahr war das Geld weg.

Katharina Meier

Katharina Meier | Bild: Privat

Katharina aus Reichenbach in der Oberpfalz ist acht Jahre alt, als sie die Diagnose Krebs erhält. Von da an ging alles ganz schnell, erinnert sich die heute 23-Jährige. Acht Stunden dauerte der Eingriff an Katharinas geöffnetem Schädel. Sie hat Glück, die OP gelingt - trotzdem dauert es Jahre, bis Katharina wieder mitten im Leben steht. "Das hat definitiv mein Leben verändert. Mit Sachen umzugehen, das Leben anders zu nehmen, wenn man schon am Sterben ist, dann merkt man erst, was man alles hat und was einem alles fehlt."

Günther Beckstein

Günther Beckstein | Bild: picture-alliance/dpa

Die Landtagswahlen in Bayern im September 2008 sind für den CSU-Spitzenkandidaten Günther Beckstein ein Desaster. Sein Ziel "50 plus x" Prozent der Stimmen zu bekommen, verfehlt er meilenweit. Zunächst bricht für Beckstein eine Welt zusammen. Heute aber sagt der Politiker, habe er mit dieser Niederlage ein neues Leben geschenkt bekommen: "Nach ganz kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass es eine große Entlastung ist, wenn man nicht mehr im Fokus der Medien steht, vorher war jeden Tag irgendwas Böses in der Zeitung gestanden. Ich hatte plötzlich Freiheiten,vom Reisen bis zu meinem Engagement im kirchlichen Bereich."

Sabine Fleischhauer

Sabine Fleischhauer | Bild: Privat

Die Stars hautnah erleben, in der Maske neben ihnen sitzen, mitbekommen, wie Fernsehen gemacht wird – all das durfte Sabine Fleischhauer einen ganzen Tag lang erfahren: Für die damals 13-Jährige ist ein Traum in Erfüllung gegangen, auf den sie lange hingefiebert hat: Sie durfte eine Gastrolle bei der BR-Serie "Dahoam ist Dahoam" spielen. Von diesem Glückstag zehrt Sabine noch heute, vier Jahre danach: "Diesen Tag werde ich nie vergessen! Wenn es mir mal schlecht geht und ich denke 'alles doof', dann überlege ich mir: Eigentlich gibt es ganz viele schöne Momente im Leben. Diesen Tag zum Beispiel, den kann und wird mir keiner nehmen!"