Alles in uns schweige Die Stille als Grundlage geistlichen Lebens
Die Geschwindigkeit des Erlebens, heißt es, habe rasant zugenommen. Entsprechend wächst die Sehnsucht bei vielen Menschen, dem etwas anderes entgegen zu setzen. So ist der Begriff "Entschleunigung" neu erfunden worden.
Stille. Genau genommen bedeutet sie doch Abwesenheit von Lärm. Von Geräuschen. Gibt es sie, so verstanden, dann überhaupt, diese Stille? Natürlich nicht. Eine Welt ohne Geräusche ist undenkbar. Deshalb ist die Stille immer relativ.
Niemals herrscht völlige Stille
Nachts, wenn die Unrast des Tages sich gelegt und der Lärmpegel sich etwas abgesenkt hat, scheinen viele Geräusche geradezu lauter zu werden. Das Rauschen des Windes, Schritte, das Motorrad auf einer Straße, ein ferner Glockenklang, das Flugzeug, das Rascheln von Tieren, der Ruf eines Käuzchens, selbst der eigene Atem: Immer ist etwas zu Hören.
"Das Leben im Schweigen ist wichtig und notwendig, um unsere Ziele zu erreichen, unsere Unternehmungen zu planen, zur Kultivierung unserer Beziehungen usw., doch es ist nicht das Schweigen des Lebens. Das Schweigen des Lebens ist die Kunst, die Betriebsamkeit des Lebens zum Schweigen zu bringen, um zur reinen Erfahrung des Lebens zu gelangen."
Philosoph und Theologe Raimon Panikkar
Das Stillwerden, also die Hingabe an die innere Ruhe, bedarf freilich der Übung. So jedenfalls beschreiben es seit Jahrtausenden die Menschen, denen Panikkars "Schweigen des Lebens" zum vertrauten Mittelpunkt ihrer Existenz wurde, nahezu übereinstimmend. Von den frühesten Christen, die sich in die Wüste zurückzogen bis zu den modernen Mystikern aller Konfessionen.
Tausend Reize
Der tägliche Einkauf im Supermarkt gleicht einem Angriff auf die Sinne. Neonlicht. Werbeplakate, die von der Decke hängen: Treueprämie! Aktionswochen! Sonderangebote! Schrill, groß und laut drängen sie sich auf, die Schlagworte, in roten und schwarzen Lettern. Dazu die fotobunt verpackte Ware: Eine optische Flut. Und eine akustische: Das Klappern der Wagen, Surren der Kassen, Rufen der Verkäufer. Vor allem aber die alles beschallende Musik vom laufenden Band, unterbrochen von Werbespots für Fleisch, Getränke oder Joghurt. Es gibt kein Entkommen, keinen Knopf zum Ausschalten. Man muss hinsehen, hinhören, mitbekommen. Ob man will oder nicht. Eine akustische Möblierung, als Klangteppich oder Klangtapete im Modegeschäft, im Hotel, im Restaurant, beim Friseur, im Flugzeug, am Telefon, im Büro, sogar in Arztpraxen.
Erfahrungen der Stille
Entsprechend wächst aber offenbar die Sehnsucht nach der Stille. Denn es gibt immer mehr Angebote, um äußerlich wie innerlich zur Ruhe und Stille zu finden. Zuweilen Spektakuläres wie Wüstenerfahrungen oder Nächte in der Wildnis oder Höhlenaufenthalte in völliger Dunkelheit. Aber auch Angebote von "Kloster auf Zeit" oder Zeiten in Häusern der Stille.
Die Sendung von Wilhelm Warning beschäftigt sich mit dieser Sehnsucht nach innerer Ruhe und Sammlung nach dem inneren Schweigen.

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