Bayern 2 - Eins zu Eins. Der Talk

Paul Lendvai, Autor Osteuropa-Experte

Es ist ein kritisches Buch, das der Publizist Paul Lendvai über "sein" Ungarn schreibt: In "Mein verspieltes Land" wirft er dem konservativen ungarischen Ministerpräsidenten Orbán autokratische Tendenzen vor, Ungarn ist für den Autor eine "verführbare Nation". Der Widerhall auf Lendvais Kritik ist heftig, manche sprechen sogar von einer Rufmordkampagne gegen ihn.

Stand: 08.02.2012
Paul Lendvai und Stefan Parrisius | Bild: BR/Uli Kölbl

Es sind herbe Kritiken, die Paul Lendvai seit dem Erscheinen von "Mein verspieltes Land" einstecken muss, vor allem von der rechten ungarischen Presse. Als Landesverräter wird er beschimpft als Nestbeschmutzer, es wird ihm gar unterstellt, dass er dem kommunistischen Regime freiwillig als Informant gedient habe. Jenem Regime, vor dem er im Zuge des Ungarnaufstandes 1957 nach Österreich flieht.

"Das beste Hirn in Sachen Osteuropa"

Gerd Bacher ehem. ORF-Generalintendant über Peter Lendvai

In Wien beginnt er zuerst als Übersetzer. Doch schon bald beginnt er selbst zu schreiben, für große europäische Zeitungen, gelangt schließlich zum ORF und leitet dort die Osteuroparedaktion. Für seine journalistischen Leistungen wird er vielfach ausgezeichnet, "Das beste Hirn in Sachen Osteuropa" nennt ihn der ehemalige ORF-Generalintendant Gerd Bacher.

Der Schweizer Schutzpass als Lebensretter

In "Eins zu Eins. Der Talk" erzählt Paul Lendvai aber nicht nur von seinem Leben in Österreich. Denn der erste große Einschnitt kommt für ihn während des Zweiten Weltkrieges: Als Sohn jüdischer Eltern wird er mit seinem Vater 1944 verschleppt, nur dank eines Schweizer Schutzpasses überleben sie in Budapest.