Joachim Gauck Designierter Bundespräsident
Er ist einer der Schlüsselfiguren der jüngeren deutschen Geschichte: Joachim Gauck, als Pfarrer ein engagierter Gegner des DDR-Regimes und dann im wiedervereinigten Deutschland der erste Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Jetzt soll er neuer Bundespräsident werden. Aus diesem Anlass wiederholen wir die Sendung vom 3.2.2010.
Joachim Gauck war bereits 2010 der Kandidat von SPD und Grünen für das Amt des Bundespräsidenten. Nach drei Wahlgängen unterlag er dem von den Regierungsparteien nominierten Christian Wulff, der im Juni 2010 Bundespräsident wurde. Nach Wulffs Rücktritt, dem Vorpreschen der FDP und dem Einlenken der Kanzlerin ist Joachim Gauck jetzt der von einer breiten Bundestagsmehrheit getragene Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Aus diesem Anlass wiederholen wir das Gespräch, das Achim Bogdahn am 3. Februar 2010 mit Joachim Gauck geführt hat, bevor der damals zum Kandidaten wurde.
Regimefremd und revolutionär
Es ist einer der Schlüsselmomente in Joachim Gaucks Leben: An einem Sommertag im Jahr 1951 wird sein Vater in der damaligen DDR von Männern in Zivil abgeholt, später dann verurteilt zu zweimal 25 Jahren Haft - Gauck schreibt darüber: "Die Vorwürfe waren willkürlich und folgten dem Prinzip: Hat man erst die Person, so findet man auch ein Delikt." Das Schicksal des Vaters lässt bei der Familie Gauck aber auch das Bewusstsein zurück: Wir sind die Anständigen. Joachim Gauck wird Pfarrer, immer regimefremd und den Behörden ein Dorn im Auge. Während der Wendezeit bezeichnet ihn die Rostocker Zeitung als "Revolutionspfarrer", in übervollen Kirchen hält er Predigten zur Freiheit, die Aufbruchstimmung überträgt sich auf die Straßen, das Ergebnis ist bekannt. "Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, dass die Staatssicherheit nun mein Thema werden sollte" schreibt er in seinen Erinnerungen. Ab dem 3. Oktober 1990 ist er der Herr über 204 Kilometer Stasiakten. Millionen Menschen können in der Gauckbehörde nachsehen, ob und von wem sie bespitzelt wurden - sechs Millionen Personen -Dossiers, Filme, Tonbänder, Geruchsproben wurden von der Stasi angelegt.
Die DDR, das Abschiedsland
In "Eins zu Eins. Der Talk" erzählt Joachim Gauck bei Gastgeber Achim Bagdahn aber auch von der DDR als Abschiedsland: Auch drei seiner vier Kinder entschlossen sich nach jahrelangem Ringen, eine Ausreisegenehmigung zu beantragen. Ein Schock sei das damals für ihn gewesen, erzählt Joachim Gauck.

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