Bayern 2 - Dossier Politik

Der Pazifik als Mittelpunkt der Welt? Wie sich die globale Gewichtung nach Asien verschiebt

Von wegen „Stiller Ozean“. Der pazifische Raum wird für die Weltmächte immer wichtiger. China versucht seinen Einfluss auszuweiten. Andere Staaten in der Region fürchten um ihre Interessen und suchen die Anbindung an die USA. Europa gerät ins Hintertreffen.

Autor: Tim Aßmann Stand: 01.02.2012

Die weltpolitische Bedeutung des Pazifiks, des größten und tiefsten Ozeans auf der Erde, erschließt sich bereits beim Blick auf seine Bewohner und Anrainer. Mit den USA und der Volksrepublik China sind dort die beiden stärksten Mächte wohl noch auf Jahrzehnte hinaus präsent und aktiv. Auch Russland ist Pazifik-Anrainer.

Treffen der Mächtigen: Russlands Präsident Medwedjew und Barack Obama, Präsident der USA, treffen sich bei APEC.

Und mit Japan, Südkorea und Indonesien finden sich wirtschaftlich führende oder aufstrebende Staaten im Pazifischen Raum, wobei Indonesien mit seinen 240 Millionen Einwohnern noch dazu einer der bevölkerungsreichsten ist.

Obama legt Schwerpunkt auf pazifischen Raum

In Asien unter Einschluss Indiens leben 60 Prozent der Weltbevölkerung, Europa bringt es bei fallender Tendenz derzeit gerade mal auf elf Prozent.

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Sein Einfluss in der Welt schwindet und nun – so hat es Präsident Obama angekündigt – werden sich die USA vermehrt Ostasien zuwenden. Washington gewichtet seine strategischen Interessen neu und baut seine militärische Präsenz aus – mit einer Basis in Australien und Truppenverstärkungen in Japan und Südkorea.

China in Schach halten

Dabei sind die Vereinigten Staaten schon sehr viel länger im pazifischen Raum aktiv. Der hatte nämlich bereits vor 20 Jahren eine größere wirtschaftliche Bedeutung für die USA als die alte transatlantische Gemeinschaft: Mit einem beiderseitigen Volumen von rund 300 Milliarden Dollar überstieg der US-Handel mit Asien den transatlantischen Handel 1990 sogar um fast ein Drittel.

Die USA sind beunruhigt über Chinas wachsende militärische Stärke.

Obama geht es aber nicht nur um die Wirtschaft, bei der die USA viel verlorenes Terrain zurückgewinnen möchten. Er will auch Pekings Einfluss auf die Region zügeln; zumal China, wie dessen zahlreiche Nachbarn besorgt argwöhnen, unlautere Absichten verfolge und dabei häufig mit aggressivem Ton auftrete. Aufstrebende Staaten in der Region wie Vietnam oder auch die Philippinen leiden unter der chinesischen Allmacht und im südchinesischen Meer sind Grenzverläufe umstritten.

Europa unter Druck

Der europäische Kontinent verliert für die USA zunehmend an Bedeutung. Die Truppenstärke wird reduziert und den europäischen Staaten deutlich signalisiert, dass sie ihre Außen- und Sicherheitspolitik künftig stärker selbst gestalten müssen. Jüngstes Beispiel: Der Libyen-Einsatz der Nato, bei dem Washington eine Führungsrolle ablehnte.

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Europa muss also stärker zu einer einheitlichen Verteidigungspolitik finden und auch aufpassen, dass es im Ringen um den asiatisch-pazifischen Raum selbst präsent bleibt. Dieses Ringen ist auch zentrales Thema der Münchner Sicherheitskonferenz 2012. Das Dossier Politik beleuchtet das Kräftemessen und die unterschiedlichen Interessen im Pazifik und fragt, ob Europa den kommenden Herausforderungen gewachsen ist.  

Gast im Studio: Bernd Musch-Borowska, ARD-Südostasien-Experte

Redakteur bei NDR-Info, dem Informationsprogramm des Norddeutschen Rundfunks und seit mehr als 20 Jahren als Radio-Journalist tätig. Von April 2006 bis März 2011 war er ARD-Korrespondent in Singapur und berichtete für  die Hörfunk-Programme der ARD aus Südostasien sowie Australien, Neuseeland und den Inselstaaten im Südpazifik. In dieser Zeit hat er die Region häufig bereist und dabei den Alltag, die Kultur und die Lebensweisen der Menschen kennen gelernt.Von 1999 bis 2004 war Bernd Musch-Borowska ARD-Korrespondent in Polen.

Die Themen im Einzelnen

  • Der Pazifische Raum – ein kleines Lexikon (Thomas Gerlach)
  • Washington: "Go west" – Warum die USA jetzt (noch) mehr auf Asien schauen wollen und weniger auf Europa (Silke Hasselmann)
  • Peking: Chinas Einflussnahme in Ost-Asien (Ruth Kirchner)
  • Tokio: Washingtons besorgte Partner: Japan & Südkorea (Peter Kujath)
  • Brüssel: Reaktionen der Nato und EU auf Obamas Schwenk zum Pazifik (Martin Bohne)

Redaktion: Tim Aßmann, Thomas Gerlach
Moderation: Ingo Lierheimer

Dossier Politik, Mittwoch, 01.02.2012, 21.03 Uhr, Bayern 2