Georg M. Oswald "Unter Feinden"
Scharfschützen auf den Dächern rund um den Bayerischen Hof - in der ganzen Innenstadt die Polizei im Großeinsatz: An diesem Wochenende tagt in München die Sicherheitskonferenz. Schauplatz für blutige Rache - zumindest im neuen Roman von Georg M. Oswald.
Ein drogensüchtiger Polizist auf dem Badezimmerboden seines miefigen Eineinhalbzimmerapartments, dealende Jugendliche im Westend, gewalttätig ausschreitende Proteste von Migranten gegen die Staatsgewalt: Das München, in das uns der Münchner Anwalt und Schriftsteller Georg M. Oswald in seinem neuen Roman entführt, hat so gar nichts mit dem der Schickimickis und der Bussigesellschaft zu tun.
Das Klima ist rau und feindselig
Es ist ein München, in dem alle umgeben sind von Feinden: Die mehr und weniger korrupten Polizisten haben ihre Feinde in den eigenen Reihen und im Milieu der "Arabs" und potenziellen Terroristen, die die Sicherheitskonferenz bedrohen. Die "Arabs", diese vor allem im Westend versammelten jungen, halbstarken Männer "mit Migrationshintergrund", halten zwar vordergründig zusammen, aber sind sich auch gegenseitig Feind: Wenn es nötig ist, um alte Racheschwüre in die Tat um zu setzen. geben sie auch einem Wehrlosen aus dem eigenen Kreis den Todesschuss. Unter lauter Feinden ist auch Luis, der Sohn des nicht korrupten, aber verdeckenden Kriminalkommissars Diller, der ein privates katholisches Gymnasium besucht und sich nicht stromlinienförmig anpassen mag.
Der Jurist als Schriftsteller
Zitat
"Was hält uns davon ab, aus der Reihe zu tanzen? ... Die Angst vor Strafe. Nichts anderes. Allein die Angst vor Strafe . ... Sie haben die Wahl. Entweder gehen Sie als Mörder eines unschuldigen Jungen ins Gefängnis, den sie mit Heroin zur Strecke gebracht haben, nachdem es Ihnen mit ihrem Einsatzfahrzeug nicht gelungen war. Oder Sie nutzen Ihre Chance davonzukommen". Georg W. Oswald in: "Unter Feinden". München, 261 Seiten, 2012.
Anders als der Strafrechtler Ferdinand von Schirach, der in seinen Erzählungen aus dem Nähkästen plaudert, schöpft Oswald nicht aus dem Fundus, den seine Tätigkeit als Anwalt bietet. Der Mann ist spezialisiert auf Arbeits- und Gesellschaftsrecht und nur von daher vertraut mit den Niederungen der Gesellschaft, die sich in seinem Kriminalroman auftun. Oswalds Hauptinteresse gilt aber nicht dem einzelnen spektakulären Kriminalfall und seiner Sühnung, sondern den Fragen der Loyalität und dem schleichenden Prozess der Demoralisierung der Täter und Fahnder. Fabelhaft, wie es Oswald gelingt zu zeigen, wie Kommissar Kessel durch seine Drogensucht langsam aber sicher zur Marionette eines rachsüchtigen "Arabs" wird wie und sein loyaler Kollege Diller lange verdeckt, was wirklich geschah und schließlich selbst - wie der gesamte Staatsapparat - übel hinters Licht geführt wird.
Georg M. Oswald
1963 in München geboren, wuchs Oswald am Ammersee auf. Wiewohl er sich sehr für Literatur interessierte und Gedichte schrieb, studierte er Jura: "was Anständiges", um einen Job zu bekommen - und arbeitet nach wie vor als Anwalt.
Im Zuge seines "Nebenberufs" Schriftsteller brachte er bislang immerhin acht Bücher heraus - im Jahr 2000 schaffte er mit dem Roman "Alles was zählt" den internationalen Durchbruch, das Buch wurde in sieben Sprachen übersetzt.
- 1995 "Das Loch"
- 1997 "Lichtenbergs Fall"
- 1998 "Party Boy. Eine Karriere"
- 2000 "Alles was zählt"
- 2003 "Im Himmel"
- 2007 "Vom Geist der Gesetze"
- 2010 "Wie war dein Tag, Schatz?: Berichte aus dem Bürokampf"
- 2012 "Unter Feinden"
Martine Boette-Sonner spricht mit Georg M.Oswald über seinen neuen Roman "Unter Feinden", Samstag, 4. Februar 14:05 Uhr, im Diwan auf Bayern 2.

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