Populäre Gedichte Friedrich Hirschl und sein neuer Band "Flussliebe"
Er studierte Theologie, liebte die Gedichte von Georg Trakl und brachte 1987 sein erstes Buch heraus: Friedrich Hirschl. Jetzt war der Passauer Lyriker mit seinem neuesten Gedichtband "Flussliebe" auf Lesereise - mit großem Erfolg
Wer die Lyrik für eine aussterbende Gattung hält, wird bei den Lesungen des 56-jährigen Niederbayern eines Besseren belehrt: Friedrich Hirschl kommt beim Publikum an. Und dabei ist er so ganz und gar Lyriker, er schlägt nicht aus der Art. Er besingt, was fast alle Dichter besingen: die Natur als heile und heilsame Landschaft, als Sehnsuchtsort und als Spiegel der menschlichen Seele. Schon die Titel seiner Gedichtbände sprechen die innige Verbindung von Mensch und Natur aus. Hirschls Erfolgsrezept ist, dabei nicht abzuheben. Er bleibt mit einer klaren, dichten Sprache auf dem Boden, er ist dem Irdischen, oder genauer gesagt - wie es sich für einen Diplomtheologen schickt - der Schöpfung verhaftet.
Georg Trakl - sein großes Vorbild
"Ein Winterabend"
"Wenn der Schnee ans Fenster fällt, / Lang die Abendglocke läutet, / Vielen ist der Tisch bereitet / Und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft / Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden / Golden blüht der Baum der Gnaden / Aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein; / Schmerz versteinerte die Schwelle, / Da erglänzt in reiner Helle / Auf dem Tische Brot und Wein."
Georg Trakl, Ein Winterabend
Sein großes Vorbild Georg Trakl klingt noch in seinen jüngsten Gedichten nach. Hirschls Gedichte sind zwar bei weitem nicht so melancholisch und düster wie die des großen Österreichers. Sie sind auch viel reduzierter, minimalistischer. Aber sie faszinieren genauso wie Trakls Werke durch ihre doppelte Lesbarkeit: Man kann sie wörtlich nehmen und sich an den sinnlichen dichten Bildern erfreuen, die eine kleine reale Geschichte erzählen, oder aber überhöht, als Sinnbild eines höheren, eines umfassenderen Geschehens. Nehmen wir etwa "Ein Winterabend" von Georg Trakl, das als expressionistisches Bild eines verwunschenen Winterabends und zugleich religiös verstanden werden kann, als Verwandlung durch das Heilige Abendmahl.
"Flussliebe"
"Er hat den Arm / um das kleine / Stück Land gelegt / Wie ein Vater / dem Kind."
Friedrich Hirschl, "Flussliebe"
Ebenso ist der reale Fluss in dem titelgebenden Gedicht von Hirschls neuestem Gedichtband (Ab-) Bild eines ganz anderen, eines religiösen Verhältnisses.
Das Meer verhält sich in seinem Gedicht "Gezeiten", wie ein etwas schüchterner, aber anständiger Mensch:
"Das Meer kommt / auf uns zu / so ganz / ohne Scheu
Und es weiß / wann es Zeit ist / wieder zu gehen."
aus: Friedrich Hirschl, Flussliebe, Gedichte, Verlag Karl Stutz, Passau 2012,
Friedrich Hirschl
1956 in Passau geboren, studierte Friedrich Hirschl in Passau Katholische Theologie und Philosophie und machte 1982 das Diplom in Theologie.1987 "Erdzeit". Gedichte - Prosa. Gauke Verlag
- 1989 "Im Fluß der Zeit". Gedichte. Lippmann-Mindl
- 1992 "...und Sehnsucht singt ein leises Lied". Gedichte. Edition Töpfl
- 2002 "Glut am Himmel". Gedichte. Edition Töpfl
- 2006 "Herbstmusik". Gedichte. Verlag Karl Stutz
- 2009 "Nachthaus". Gedichte. Verlag Karl Stutz

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