Marseille Frankreichs Hafenstadt setzt nun auf Kultur
Monsieur Ghoul ist immer online. Der oberste Imam von Marseille macht keinen Schritt aus dem Haus ohne seine elektronischen Helfer, Tablet und Smartphone. Um seine Sache voranzutreiben, will er immer erreichbar sein.
Abderrahmane Ghoul hat sein Leben der Moschee in Marseille gewidmet. Es soll die größte in Frankreich werden. Das lange umstrittene Bauwerk hat nun bessere Chancen verwirklicht zu werden, denn Marseille soll 2013 europäische Kulturhauptstadt werden.
Ein Zwist mit der islamischen Gemeinde, die immerhin rund ein Viertel der gesamten Bevölkerung von 850 000 Menschen ausmacht, käme da höchst ungelegen. Die älteste Stadt Frankreichs poliert bereits ihr Image auf. Aus der verruchten Hafenstadt mit Mafiamorden, Armutsvierteln und hohem rechtsradikalem Wählerpotenzial soll eine aufgeschlossene Metropole werden. Ansätze sind schon erkennbar. Bausünden der letzten Jahrzehnte werden beseitigt, Museen und Begegnungsstätten neu geschaffen. Und die Integration der Kulturen scheint inzwischen weit besser zu gelingen, als in vielen anderen Teilen Frankreichs.
Seta Biberian, die Direktorin der einzigen armenisch-sprachigen Schule im Lande, sorgt dafür, dass rund 400 Kinder und Jugendliche die Sprache und Tradition Armeniens nicht vergessen. Gleichzeitig sieht sich Madame Biberian als Französin. Ihr tiefes Gefühl, in Marseille eine Heimat gefunden zu haben, teilt sie mit Imam Ghoul und vielen Einwanderern, die die Stadt am Mittelmeer auf ihre Weise prägen und sich in ihr langsam wohl fühlen. Eine Reportage von Christian Sachsinger.
Breitengrad - die Auslandsreportage
Marseille – Frankreichs Hafenstadt setzt nun auf Kultur
Reportage am Samstag, 14. Juli 2012, 18.05 Uhr
Autorin: Christian Sachsinger
Sendung am Mittwoch, 18. Juli 2012, 14.05 Uhr
Musikauswahl und Moderation: Jay Rutledge
Redaktion: Christina Teuthorn

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