Bayern 2 - Bayern 2 extra


18

Summer of Love (and Hate) 1967 als Wendejahr der Popmusik

Juni 1967: Beim Monterey Pop Festival verbrennt Jimi Hendrix seine Gitarre, in Berlin wird Benno Ohnesorg erschossen. 1967 war in Pop und Politik das Schlüsseljahr eines Aufbruchs. Was ist von damals geblieben? Bayern 2 blickt zurück.

Stand: 01.06.2017

Jimi Hendrix beim Monterey Festival 1967 | Bild: picture-alliance/dpa / AP Images

1967 - das ist noch immer ein Jahr mit besonderer Aura: Der "Summer of Love", den die Hippies einläuteten, versprach ein neues Lebensgefühl, einen gegenkulturellen Aufbruch, neue Formen des Zusammenlebens. Das alles kam zwar auch mit Blumenkranz im Haar und dem Traum von Frieden unter den Menschen daher, hatte aber natürlich von Anfang an viel kraftvolles Protest-Potenzial: Freie Liebe statt bürgerliche Kleinfamilie, Kommune statt Eigenheim, Partizipation statt Hierachie.

Soundtrack eines Aufbruchs

Dieser Aufbruch hat einen Soundtrack - 1967 ist auch ein Wendejahr der Popmusik. Und die mythenüberfrachtete Geburtsstunde von Pop als Protest lässt sich datieren: Vom 16. -18. Juni 1967 feiert das Monterey Pop Festival südlich von San Francisco eine Massen-Party unter freiem Himmel. Dichter Cannabis-Dunst, dröhnende Musik aus riesigen Boxen, fast 100.000 Körper in Ekstase und Jimi Hendrix, der auf der Bühne seine frisch lackierte Gitarre verbrennt. Pop als Gegenkultur, noch vor Woodstock, jenem legendären Festival, das zwei Jahre später die Massen anzog. Wieder war Hendrix dabei - und diesmal vergriff er sich nicht nur an seinem Instrument, sondern gleich an einem pathetischen Symbol der USA, indem er seine wütende, verzerrende Interpretation der Nationalhymne zu einem lauten Friedensappell gegen den Vietnamkrieg machte.

Rainer Langhans und Uschi Obermaier (1969)

"Summer of Love", das klingt zwar unpolitisch, war es aber natürlich nie. Die bunten, drogenbefeuerten Wellen des Aufbruchs schwappten herüber nach Europa, und vieles, was in Deutschland mit den 68ern in Verbindung gebracht wird, nahm seinen Anfang schon 1967: In Berlin gründet sich die Kommune 1, Dieter Kunzelmann, Fritz Teufel und Rainer Langhans bringen sich als Chef-Provokateure in Stellung. Als am 2. Juni in Berlin der Student Benno Ohnesorg bei Protesten gegen den Schah-Besuch von einem Polizisten erschossen wird, kippt die Stimmung. Für einen Teil der Protestbewegung wird der Staat ganz grundsätzlich zum Feind, zehn Jahre noch wird es dauern bis zum Deutschen Herbst.

Die Ideale von damals

Der ewig junge "Summer of Love" - 2017 wird er 50 Jahre alt. Manches wirkt in der Rückschau wunderlich, manches naiv, aber seine Wut und Kraft hat der Umbruch von damals nicht verloren. Er hat seine Heroen, seine schillernden Gestalten - und er hat gesellschaftliche Veränderungen angestoßen, deren hippieske Ursprünge inzwischen fast vergessen sind. Warum ist der Beginn der Hippie-Kultur dennoch bis heute so faszinierend? Was hat der Sommer der Liebe gesellschaftlich tatsächlich bewirkt, was ist aus den Idealen von damals geworden?

Bayern 2 wirft an Pfingsten die politisch-popkulturelle Zeitmaschine an und geht Fragen wie diesen nach. Es geht um Musik, Mode und Politik, wir unternehmen einen Hausbesuch bei Silvia Bovenschen - und bringen mit Carl-Ludwig Reichert ein Urgestein der bayerischen Subkultur in Dialog mit einem Kopf der jüngeren Generation: mit Christopher Rüping, Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen.

Bayern 2 an Pfingsten

"Summer of Love (and Hate)"
1967 als Wendejahr der Popmusik

Von Joana Ortmann und Roderich Fabian

Bayern 2 - an Pfingsten, Montag, den 5. Juni 2017, 18:05 Uhr bis 20:00 Uhr


18