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Tori Amos "Native invader" Musik-Ikone voller Überraschungen

Sie ist eine Musik-Ikone voller Überraschungen, Tori Amos' Botschaften sind leidenschaftlich und individualistisch. Jetzt hat sie ihr sechzehntes Album herausgebracht: „Native Invader“

Von: Dagmar Golle

Stand: 12.09.2017

CD-Cover "Native Invader" von Tori Amos | Bild: Decca, Montage: BR

Politische und persönliche Themen

Auf ihrem neuen Album blickt Tori Amos auf ihr bisheriges Leben zurück. Die Themen sind zum einen die großen politischen Themen:  So heißt es sinngemäß in einem Song: Es werden kriegerische Szenarien heraufbeschworen und politische Entscheidungen sind vor allem das Resultat der eigenen inneren Konflikte von Politikern. Sie thematisiert die Leugnung des Klimawandels und das Ausmaß an Hass, das momentan in vielen Ecken der Welt Kriege produziert. Aber auch persönliche Themen verarbeitet Tori Amos in ihren Songs: In „Mary’s eyes“ geht es um ihre Mutter, die Anfang des Jahres einen Schlaganfall erlitt und seitdem nicht mehr sprechen kann. Aber ihre Augen, so betont sie in Interviews, seien immer noch voller Liebe und Lebenswillen. Mit ihrer mütterlichen Seite hat sich Tori Amos für „Native invader“ speziell beschäftigt: Letztes Jahr unternahm sie eine Reise durch North Carolina und Tennessee, denn in Tennessee ist ihre Mutter geboren. Aber es war auch die Natur dort, zu der sie eine besondere Beziehung aufbaute - wie ihr Großvater, ein Cherokee-Indianer, der sehr an die Kraft der Natur glaubte:

"Die Felsen, die Flüsse, die Berge – sie alle haben in Chören zu mir gesungen. Bei dieser Reise ging es darum, die Stille auf sich wirken zu lassen und zu warten, dass sich diese Energien auch auf mich übertragen, was dann später auch passiert ist."

Tori Amos

Traumatisierungen und die Überwindung

Die 1980- und 90er-Jahre waren sehr turbulent für Tori Amos: Sie erlitt zwei Fehlgeburten, verbunden mit Depressionen und wurde als 20-Jährige von einem Fan vergewaltigt. Die Vergewaltigung verarbeitete sie 1991 in dem Song „Me and a gun“, einem reinem A-cappella-Song - der erste, den sie unter ihrem Namen veröffentlichte. Das bekräftigt ihre Weigerung, Mainstream abzuliefern, denn das muss man sich erstmal trauen, einen A-cappella-Song als erste Single zu veröffentlichen.  Und auch sonst arbeitet Tori Amos sehr minimalistisch und auch immer wieder mit Klassik-Elementen, was ihrer ehemaligen Plattenfirma nicht taugte – diesen Konflikt löste sie Ende der 90er und wechselte das Label. Auch privat wandte sich alles zum Guten: 1998 heiratete Tori Amos ihren jetzigen Mann, zwei Jahre später wurde ihre Tochter geboren – auch eine sehr talentierte Sängerin. Was die Überwindung von Konflikten betrifft, hilft ihr auch der Bezug zur Natur:

"Ich glaube, wenn man sich in der aktuellen Zeit fragt, wie wir mit all dem umgehen können, was gerade um uns herum passiert, sollte man sich die Natur ansehen. Auch sie wird attackiert und hat einen Weg gefunden, damit umzugehen."

Tori Amos

Immer spezielle Atmosphäre und Bandbreite an Emotionen

Auf ihren Alben erfindet sich Tori Amos immer wieder neu: Mal dominiert die Singer-Songwriterin und man hört sogar rockige Klänge. Zwischendurch experimentierte sie vorsichtig mit Elektronik, dann wurde es sogar klassisch mit Orchester wie auf dem Album  „Gold dust“. Aber kaum ein Album von Tori Amos besteht aus einem einheitlichen Soundgewand. Auf komplexe Arrangements folgen ganz reduzierte Songs und auch die Instrumentierungen sind sehr filigran eingesetzt – auch auf „Native invader“: Mal ist das Klavier im Vordergrund, mal die Gitarren und wir hören auch wieder Streicher. Jeder Song transportiert eine spezielle Atmosphäre und eine ganze Bandbreite an Emotionen. Und über allem schwebt die unglaubliche Stimme von Tori Amos, die einen unweigerlich mitnimmt auf ihre stimmungsvolle Reise.


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