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Debütalbum auf Bairisch Pam Pam Ida und das Silberfischorchester: "Optimist"

Mit Pam Pam Ida erzählt Sänger Andi Eckert seine Geschichten auf Bairisch im akustischen Liedermachergewand. Sie sind auf dem Heimatsound-Festival und auf großer Tour.

Von: Dagmar Golle

Stand: 27.07.2017

Melancholischer Optimist

"Das Album wird 'Optimist' heißen, aber die Lieder sind schon größtenteils eher negativ behaftet: melancholisch, sentimental, auch mal traurig."

Andi Eckert

Als melancholischer Optimist gibt sich Andi Eckert von Pam Pam Ida zu erkennen. Eckert spielt noch in einer anderen Band: Ludwig Two, die englischsprachigen Indierock macht und schon zwei Alben veröffentlich hat. Auf „Opitimist“ dagegen singt Eckert Bairisch.

Stimmungsvoll mit sehr viel Tiefe

Es gibt tatsächlich einige melancholische Momente, aber die entstehen nicht ausschließlich durch viele Moll-Töne oder besonders getragene Melodien. Vielmehr sind es die filigranen Arrangements, die Wechsel zwischen großem instrumentalen Bombast und plötzlicher Reduzierung auf ganz wenige Instrumente. Da klingt als bewusst gesetzter Akzent eine Geige oder ein Cello an oder mächtige Bläser setzen ein. Es sind die gesamten Kompositionen und Instrumente, die zum einen für ständige Stimmungswechsel sorgen.  Melancholisch oder nachdenklich sind in der Tat manche Texte, aber auch der Gesang von Andi Eckert und wie vielseitig er mit seiner ausdrucksstarken Stimme umgeht – auch damit erzeugt er unglaubliche Stimmungen. Fazit: Das Album lässt sich vielleicht weniger als ‚melancholisch‘ bezeichnen, sondern als stimmungsvoll mit sehr viel Tiefe.

"Wenn man so mit Stimme und Sprache umgehen kann,  ist das wirklich hohe Kunst."

Dagmar Golle, Musikredakteurin

Pam Pam Ida und das Silberfischorchester

Die Größe der Besetzung wechselt offenbar immer wieder Mal. Auf der Bühne bei Konzerten steht die sechsköpfige Stammbesetzung und bei Videodrehs werden spontan noch Musiker dazugeholt: z.B. ein paar Flötisten, die auch in Sandersdorf leben. Hinzukommen noch Freunde, die mit Technik aushelfen und  Familienangehörige, die mit Klamotten und Proviant zur Stelle sind. Der Name der Band soll übrigens daher kommen, dass der Schlagzeuger mal einen Traum hatte, in dem diese Wortschöpfung vorkam. Eine echte Ida stand wohl nicht Pate.

Liebe zum Detail

Die Komplexität der Musik und der Arrangements sorgen dafür, dass kein Lied klingt wie das andere – selbst innerhalb eines Stücks gibt es keine erwartbaren Strukturen, sondern man wird immer wieder neu überrascht, nicht zuletzt eben auch durch die vielen Instrumente, die zum Einsatz kommen. Was die musikalischen Einflüsse betrifft, da klingen ab und zu die 80er durch, aber reine Retro-Songs sind es deshalb trotzdem nicht. Und was man unbedingt hervorheben muss: Andi Eckerts Gesang ist wirklich eine Nummer für sich. Er kann irrsinnig viel mit seiner Stimme machen und hat auch bei der Aufnahme und Produktion seiner Gesangsparts auf größtmögliche Vielfalt gesetzt: Mal steht der Gesang weit vorne, ein anderes Mal wird er stark zurückgenommen und kommt wie ein Chor quasi von hinten – es ist wirklich umwerfend, was er da aus sich rausgeholt hat.

"Es haut mich ziemlich um. Für mich ist ‚Optimist‘ eines der besten bayerischen Alben der letzten Jahre."

Dagmar Golle, Musikredakteurin

Immer wieder ein positiver Ausblick

Themen der Songs sind die manchmal schweren Gedanken, die um das Leben kreisen: Die nicht immer einfachen Phasen in der Liebe, die Anflüge von Weltuntergangsstimmung, die einen manchmal packen und denen man aber mit den einfach schönen Dingen des Lebens begegnen kann. Es geht um den Verlust eines geliebten Menschen, aber auch um ‚Rechtsradikalismus‘, gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik. Aber wie der Albumtitel suggeriert, verfällt man nicht in Trübsinn, sondern am Ende steht immer wieder ein positiver Ausblick. Was die bayerische Sprache angeht: Auch da hat Andi Eckert viel Arbeit reingesteckt, so dass eben keine bierseligen Texte dabei rausgekommen sind. Außerdem gelingt es ihm, seine Stimme und den Gesang beinahe wie ein Instrument einzusetzen, so dass die einzelnen Worte quasi zu Tönen einer Melodie werden. 


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