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Lizz Wright: "Grace" Südstaatenkolorit mit perfektem Sound

Eine Frau aus den Südstaaten reist zurück an Orte ihrer Kindheit und nimmt dann ein Album mit Coverversionen auf. So könnte man die Geschichte von „Grace“ zusammenfassen. Entstanden ist das mittlerweile sechste Studioalbum der US-amerikanischen Jazzsängerin Lizz Wright. Sie überrascht mit Coversongs, viel Südstaatenkolorit und perfektem Sound.

Von: Claus Kruesken

Stand: 28.09.2017

CD-Cover | Bild: Okeh

Die Seele der Südstaaten

Lizz Wright sollte eigentlich schon vor drei Jahren ein Album mit Neuinterpretationen alter Songs aufnehmen, so hatte sich das ihre Plattenfirma gewünscht. Aber Frau Wright hat damals ihren künstlerischen Kopf durchgesetzt und ein Album mit neuen Songs aufgenommen. „Freedom & Surrender“ war das. Aber jetzt ist die Zeit reif für Coversongs. Lizz Wright hat vieles ausgegraben, was eben nicht so bekannt ist. Songs, die perfekt zu ihrer wunderbaren leicht rauchigen Stimme passen, die ihren aktuellen Gemütszustand widerspiegelt, und die Seele der Südstaaten spüren lässt.

Große musikalische Bandbreite

Der Songwriter Joe Henry, ein langjähriger Freund, ist in die Rolle ihres Produzenten geschlüpft. Er hatte 2004 schon für Lizz Wright geschrieben, und sich seit damals gewünscht, mehr mit ihr zusammenzuarbeiten. Henry war quasi ihr musikalischer Kundschafter und hat ihr an die siebzig Vorschläge gemacht – mit einer großen Bandbreite. Diese Vielfalt findet sich jetzt auf „Grace“.

Perfekt auf eine Linie

Lizz Wright singt Dylan, Ray Charles, k.d. lang, Nina Simone, aber sie covert auch ganz junges Material von Künstlern, die sich noch am Anfang ihrer Karriere befinden. Und auch wenn zum Teil viele Jahrzehnte zwischen den Kompositionen liegen: Die Stimme von Lizz Wright und der Sound von Joe Henry bringen das Ganze perfekt auf eine Linie. Nur ein Song ist keine Coverversion. Der zehnte, der Schlusssong, ist ganz neu und von Lizz Wright mitkomponiert.

Fast wie ein Live-Erlebnis

Man fühlt sich stark an ihre Liveauftritte erinnert: Diese Innigkeit, die sie in einer Konzerthalle schafft, diese Intimität, die einem die Musik so nahe bringt, dass man meint, „sie singt nur für mich“. Es ist fast wie ein Live-Erlebnis, dieses Album. Sie hat es mit vielen Musikern aufgenommen, mit denen sie seit langer Zeit verbunden ist. Das spürt man. Und ein Kirchenchor aus Atlanta, der hat auch noch an einigen Stellen einen Auftritt.

"Ich musste mir selber wieder in Erinnerung bringen, was meine Heimat ist, wie die Menschen dort miteinander umgehen, wie sie arbeiten – auch miteinander; wie sie im Einklang sind mit der Erde. Ich musste das für mein eigenes Wohl wieder studieren."

Lizz Wright

US-Bundesstaat Georgia

Im aktuellen politischen Klima werden gerade im Süden der USA erzkonservative Kräfte laut, denen sich die schwarze Musik diametral entgegengesetzt fühlt. Lizz Wright hat das in ihrer eigenen Nachbarschaft erlebt. Sie verbringt einen großen Teil ihrer Zeit in einem Ort in den Blue Ridge Mountains in North Carolina, ein kleines Sträßchen führt zu ihrem Haus, ihre Nachbarn sind überwiegend älter und weiß. Und in der Regel sehr konservativ. Aber sie hat eine gemeinsame Basis mit den Nachbarn gefunden: das Menschliche, das Erdverbunde, bei gemeinsamer Gartenarbeit oder beim Geschichtenerzählen. Darüber kann man auch mal die Unterschiede in der politischen Grundhaltung außen vor lassen.

"Ich wollte die Anmut des Südens einfangen, meine eigene Herkunft, meine Erfahrung damit."

Lizz Wright


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