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“Logan Lucky” von Steven Soderbergh Wahre Pechvögel in Redneck-Country

Ein Raubüberfall beim NASCAR-Rennen soll endlich den Geldsorgen der zwei vom Schicksal gebeutelten Brüder ein Ende machen. Steven Soderbergh hat eine pfiffige Mainstream-Komödie geschaffen, unbedingt im O-Ton mit Südstaatensingsang ansehen.

Von: Kirsten Martins

Stand: 18.09.2017

Filmplakat:  "Logan Lucky" | Bild:  StudioCanal Deutschland, Montage BR

Drei Geschwister wollen einen Safe knacken

Muskulöser Oberkörper, rötlicher Vollbart, kariertes Hemd, Baseballmütze - Jimmy Logan war einst der Star seines Footballteams, nach einem Sportunfall ging sein Highschool-Stipendium flöten, er arbeitete auf dem Bau, verlor den Job, seine Frau ließ sich scheiden. Doch Jimmy läßt sich nicht unterkriegen, eines Tages nagelt er die zehn Regeln für einen gelungenen Banküberfall an die Tür seines Wohnwagens. Dann heuert er seinen Bruder an, den schwermütigen Barkeeper Clyde Logan, der im Irak einen Unterarm verloren hat und die gemeinsame Schwester Mellie. Die forsche Friseuse soll den Fluchtwagen fahren. Denn Jimmy, der Handys hasst, will den unterirdischen Tresor mit den Tageseinnahmen des großen NASCAR-Autorennens in North Carolina knacken. Dafür braucht er einen berühmten Safeknacker, der sitzt zwar gerade ein – doch Jimmy hat auch dafür einen Plan ...

Trumphausen, die amerikanische Provinz

Statt im glitzernden Las Vegas zwischen Menschen in Designeroutfits, spielt dieser „Ocean Seven Eleven“ - wie Soderbergh selbst „Logan Lucky“ diesen Cousin der Oceanfilme nennt, in Trumphausen, der amerikanischen Provinz. Viele Menschen in West Virginia und North Carolina fühlen sich hier verraten, von der Globalisierung überrollt. Soderbergh zeigt keine verbitterten Verlierer, sondern hemdsärmelige Typen voller Familiensinn, die die Dose Bier mit einer Hand öffnen, ihr Land, die Demokratie und Countrymusik lieben, an Gerechtigkeit glauben, und mit dem Trump-Clan nicht viel gemeinsam haben. Ihre Freunde sind ihre Freunde, egal welche Hautfarbe sie haben.

Atmosphärische Bilder

Soderbergh nimmt sich Zeit für seine Figuren, jedes Detail stimmt, atmosphärisch die Bilder aus dem Redneck-Country, das hier trotz aller Armut und Schrecken noch immer voller Zuversicht und Gemeinschaftssinn ist – und heute fast nostalgisch wirkt. Kleine Mädchen tanzen in rosa Glitzerkleidchen bei Schönheitswettbewerben, Menschen singen bei Sportveranstaltungen „America is beautiful“, die stars and stripes flattern im Wind und Starfighter düsen in Formation über das Stadion.

Unterhaltsame Gaunerkomödie

„Logan Lucky“ ist vor allem eine pfifige unterhaltsame Gaunerkomödie, die sich souverän und intelligent innerhalb der Genrekonventionen bewegt. Mit großem Vergnügen verfolgt man, wie die anfangs doch so einfach gestrickten Personen einen raffinerten Plan durchziehen. Großartig: Daniel Craig mit weißblondem Bürstenhaarschnitt und über und über tätowiert als wissenschaftlich agierender Safeknacker und Hilary Swank als neugierige, unterkühlte FBI-Agentin.

Innovativer, immer wieder überraschender Regisseur

Das emotionale Zentrum ist die Liebe zwischen Jimmy, seiner kleinen Tochter und seinen Geschwistern – Steven Soderbergh nimmt sich anfangs viel Zeit für seine Figuren, zieht dann das Tempo gekonnt an. Dieser innovative, immer wieder überraschende Regisseur hat gerade einen Spielfilm auf dem iPhone gedreht, und seine Idee diesen lässigen, klugen Mainstreamfilm ohne ein Hollywoodstudio zu finanzieren, ist ein Bubenstreich - ebenso riskant und clever wie Jimmys Coup.

Köstlicher Abenteuerspaß

Souverän setzt Soderbergh visuelle Gags, zitiert selbstironisch nicht nur die Oceanfilme; doppeldeutig und voller Anspielungen sind viele Dialoge. Scheinbar unüberbrückbare Probleme werden in „Logan Lucky“ durch eine Tüte Gummibären und ein paar Küchenschaben einfallsreich gelöst. Was für ein köstlicher Abenteuerspaß – den man sich unbedingt im untertitelten Original mit diesem singenden Südstaatendialekt ansehen sollte.


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