Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Bayern zithert Die Zither zwischen Tradition und Avantgarde

Ursprünglich galt sie als "Bauern- und Lumpeninstrument". Aber dann hat sie ein Wittelsbacher geadelt: Herzog Max in Bayern, der Vater von Sisi, genannt "Zither-Maxl". Beim "Zither-Manä" wiederum tönt sie rockig. Überhaupt ist sie bestens für Klangexperimente geeignet. Kein Wunder, dass ihr Sound ganz Bayern erobert hat …

Von: Sarah Khosh-Amoz

Stand: 01.07.2017 | Archiv

"Des schenste Instrument, was es überhaupt gibt. Zither ist das A und O. A Zithermusi und so wie mir jetzt spielen, a Zither und eine Kontragitarre kann man so schön zu zweit spielen, da kannst du die allerschönste Musi machen."

(Florian Sandner, Zither-Enthusiast)

Vom "Lupeninstrument" zum bayerischen Nationalinstrument

Die Zither weckt Gedanken an Almidyllen mit rauschenden Gebirgsbächen und gilt als klassisches Instrument des bayerischen Oberlands. In Wahrheit stammt sie aus den rußgeschwärzten Arbeitervorstädten Münchens. Die erste moderne Zither entstand in den Händen eines Haidhausener Ziegelarbeiters etwa um 1837. Bald darauf trat sie einen unvergleichlichen Siegeszug an: vom einfachen "Bauern- und Lumpeninstrument" hin zum bayerischen Nationalinstrument.

Aus Herzog Max in Bayern wurde der "Zither-Maxl"

Herzog Max in Bayern, die Zither spielend

Diese Erfolgsgeschichte ist eng mit Herzog Max in Bayern verbunden. Wäre Herzog Max nicht am 22. Februar 1837 im Bamberger Nationaltheater vom Zitherspiel eines gewissen Johann Petzmayer verzaubert worden, hätte es die Zither womöglich nur zu einer Fußnote in der Musikgeschichte gebracht. Herzog Max war vom Klang des damals noch unbekannten Instrumentes derart begeistert, dass er beschloss, Petzmayer als Lehrer mit nach München zu nehmen. Aus dem Gastwirtssohn Petzmayer wurde der persönliche Kammervirtuose des Herzogs, aus Herzog Max der "Zither-Maxl". Die Zither selbst wurde damit hoffähig und gleichsam in den Adelsstand erhoben. Da auch das Bürgertum reges Interesse zeigte, entwickelte sie sich zu einem richtigen Modeinstrument. 1866 wurde in München der erste von vielen Zitherclubs gegründet.

Aus dem Gastwirtssohn Petzmayer wurde ein Hofmusiker

Petra Hamberger mit ihren Zithern

Petra Hamberger, studierte Zithervirtuosin und Musikschulleiterin in Höhenkirchen bei München, über Herzog Max in Bayern: "Der war total begeistert von dem Petzmayer, kommt dann wieder a paar Tag später, lasst sich von dem noch mal vorspielen, war noch mehr begeistert und hat dem dann das Angebot gemacht, mit ihm nach München zu gehen, als Lehrer und sogenannte Kammervirtuose. Des hat geheißen, dass er bis zum Lebensende eine feste Wohnung, ein festes Gehalt, wahrscheinlich auch eine Dienerschaft gehabt hat. Zuerst gar nichts besessen und dann sowas!"

Die Zither trat einen unvergleichlichen Siegeszug an: aus dem Gastwirtssohn Petzmayer wurde ein Hofmusiker, der Herzog Max das Zitherspielen beibrachte, und so lernten auch Tochter Sisi, die spätere Kaiserin Elisabeth, und ihre Geschwister das Instrument. Es hieß: "Das ganze herzogliche Haus, die Söhne und Töchter, die Freunde, die der musische Herzog in sein Palais an der Ludwigstraße lud, sie alle gerieten in den milden Bann des Instruments und ihres Meisters."

Die große Zeit der Musikautomaten

Lisbeth Genghammer erklärt das Chordephon

Ende des 19. Jahrhunderts wurde es dann richtig laut: Die Produktion von Musikautomaten erlebte einen gewaltigen Aufschwung. Die Zeit war reif  für das sogenannte "Chordephon": Das Chordephon ist eine mechanische Zither, die in einen Wandschrank eingebaut ist und mittels auswechselbarer Lochscheiben zum Klingen gebracht wird. Je nach Musikstück sind die Löcher an verschiedenen Stellen eingestanzt.

Nicht nur die Zithern sind Lisbeth Genghammers Steckenpferd, sondern auch ihre "Sammlung alter Zitherschulen": Diese Notenhefte zeigen, wie früher unterrichtet und gelehrt worden ist: Ob zügig oder bedächtig langsam, jeder Zitherschüler lernt in seinem eigenen Tempo, nur – zwei Dinge sollte er mitbringen: Talent und Fleiß …

Bayerischer Zithersound auch rockig und avantgardistisch

Seither hat das Instrument eine wechselvolle Geschichte erlebt, vor allem im Bereich der traditionellen alpenländischen Volksmusik. Wer nun aber glaubt, die Zither gehöre in die folkloristische Mottenkiste, hat sich getäuscht: Die Zither lebt und tönt stets auf der Höhe der Zeit. Bayern zithert! Ganz gleich, ob traditionell wie in Mittenwald, der Wiege des Zitherbaus, oder mit enthusiastischem Entdeckergeist wie in München und Umgebung. Auch rockig und avantgardistisch klingt der bayerische Zithersound.

Zitherrock vom "Zither-Manä"

Manfred Zick alias Zither-Manä

Der Zither-Manä steht seit weit über 30 Jahren auf der Bühne, genauer gesagt sitzt er vor einem kleinen Tisch, auf dem seine Zither liegt. Schon als 9-jähriger Bub spielte er auf ihr, damals rein volkstümlich, mit seiner E-Zither inzwischen aber auch Rock, Blues, Boogie und Balladen, eigentlich alles, was man normalerweise ohne Zitherklänge hört. Die Übergänge zwischen volkstümlichen und klassischen Stücken hin zum Rock 'n' Roll gelingen ihm mühelos und sind sein musikalisches Markenzeichen. Mittlerweile ist der Manä ein echter Sympathieträger für die jungen Zitherspieler. Das war aber nicht immer so:

"Es hat sich unheimlich gewandelt, am Anfang waren die echten Volksmusikanten absolut meine echten Feinde und Gegner, weil ich die Zither ja, diese heilige Zither, diesen tollen Klang, verunstalte, in ihren Augen, was nicht gestimmt hat, weil ich hab immer Volksmusik auch gemacht. Ich hab eine gute Freundin, das ist die Petra Hamberger, und mit der spiele ich öfter mal zusammen und wir machen auch Seminare zusammen und die sagt: Manä, du glaubst es nicht, wenn ich meine Schüler da hab, 9-jährige Buam, die wissen ned, wer du bist, aber die sagen: Kannst du mir den Zitherrock beibringen? Also der Zitherrock hat sich verselbstständigt und wird natürlich oft mit meinem Namen verbunden."

(Manfred Zick alias Zither-Manä)


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