Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton

Winterwunderwelten Willkommen im weißen Wellness-Zirkus

Wellness – heißt seit ein paar Jahren das Zauberwort für alles, was den zivilisationsgeschädigten Funktionsmenschen von heute wieder ins Lot bringen soll. Ein Universalbegriff. Scheinbar unendlich variierbar. Ein gigantischer Industriezweig hängt daran, natürlich. Aber Wellness scheint noch viel mehr zu sein ...

Autor: Joana Ortmann Stand: 21.01.2012
Wellness-Behandlung | Bild: picture-alliance/dpa

„Hier Entspannung buchen!“ Oder: „Die innersten Träume fühlen und alles um sich herum vergessen!“ Oder auch ganz konkret: „Glückseligkeit im 1.200 m² SPA-Bereich im Verwöhnhotel Wildspitze!“. So werben sie, die Wellness-Tempel und Wellness-Oasen. Und so abgenudelt der Begriff auch scheint – er birgt immer noch ein Versprechen. Hätte sonst jede 2-Sterne-Pension, die etwas auf sich hält, Ayurveda, Thalasso, Atemgymnastik, Hsin Tao und Sole-Photo-Therapie im Angebot? Egal ob im Allgäu, im Bayerischen Wald oder in Tirol: Die sanft säuselnde Welt der „Wellness“ ist gerade wieder der Lieblingsspielplatz der deutschen Winterurlauber.

Wellness macht jeden glücklich

Mann im Moorbad

Die Botschaft ist einfach: Wellness macht jeden glücklich, der zu viel isst, trinkt, sitzt, grübelt oder arbeitet. Dafür zahlen deutsche Wellnesser gern: 70 Milliarden Euro im Jahr. Aber was ist diese diffuse Kombination aus Wohlbefinden, Naturmedizin und Esoterik? Die Hoteliers bemühen gern asiatische Lebensweisheiten: loslassen, Vergänglichkeit akzeptieren, mitfühlend  sein, verbunden mit allem und allen. Oder versuchen gar Bezüge zur Antike zu schaffen: Das SPA sei doch nichts anderes als die Abkürzung für das lateinische „sanus per aquam“. Die Römer, und erst recht die Griechen, hätten sich schlapp gelacht beim Anblick bleicher Gestalten unter der „Kräuterregenerationsdusche“ oder bei der „Hydrojetmassage“. Sie gingen ins Bad und danach ins Theater oder Bordell. Und wohin gehen wir? Nach Parafango und Power Plate vielleicht noch zur Muskelentspannung nach Jacobsen? Wie es soweit kommen konnte – davon erzählt Joana Ortmann in einer „Kulturgeschichte der Wellness“.