Der Schriftsteller Waldemar Bonsels (1923)
Bonsels und die Bienen Ein Schriftsteller, ein Bestseller und die Frauen
„Indem ich die Umwelt in die Bereiche meiner Phantasie zog, um sie zu meiner Unterhaltung Gestalt und Wesen werden zu lassen, machte ich den ersten Schritt zum selbständigen Dasein, so unbewusst und ahnungslos dahintreibend, dass Sonne, Wald und Wiese in meinem Blut mit dem Sommerglück der Landschaft eins wurden.“ (W. Bonsels)
Drei Gattinnen, fünf Söhne, zahlreiche Liebhaberinnen, Freundinnen und Verehrerinnen. Waldemar Bonsels, der elegante Bestseller-Autor, flatterte von Blüte zu Blüte. Für ein Dasein im Schwarm oder Stock, sprich: für eine gemütliche Familienexistenz daheim in Ambach am Starnberger See, war er weniger zu haben. Freiheit, Erotik und die „Vielgestalt des Lebens“ interessierten den unsteten Apothekersohn mehr als Bindungen oder Konventionen; schließlich herrscht auch im Tierreich Promiskuität, vor allem bei den Insekten. Die Frauen klebten förmlich an dem gut aussehenden Esoteriker, der noch dazu eine „Religion der Liebe“ propagierte. Auch wenn Bonsels erotische Novellen im Dritten Reich wegen sexueller Abartigkeit auf dem Index standen, seine keck-naive „Biene Maja“ traf natürlich keinerlei Verdikt. In dem 1912 erstmals veröffentlichten Kindermärchen geht es vergleichsweise sittsam zu; von den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den brutalen Hornissen einmal abgesehen.
Bonsels Bildergalerie
100 Jahre "Biene Maja"
„Dass die Menschen am schönsten sind, wenn sie einander liebhaben,“ ist eine der lehrreichen Erfahrungen, die die merkwürdige Biene wie Honig sammelt. Zu deren 100. Geburtstag versucht Justina Schreiber, die amouröse Seite des schillernden Schriftstellers einzufangen.
Wie viel Bonsels steckt in der Biene? ...
... Wie viel Maja im Waldemar? Zusammen mit dem Fortsetzungsband „Himmelsvolk“ aus dem Jahr 1915 bilden die Abenteuer des vermenschlichten Insektes zwar eine Ausnahme im Werk des neoromantischen Schriftstellers. Aber auffällig viele seiner Geschichten erzählen von der Erotik und dem Schmerz weiblicher Adoleszenz. Da ist die Tänzerin Aimee. Das Mädchen Mare. Das Anjekind. Die jugendliche Schlossverwalterin Afra. Auch Maja ist letztlich ein kleines Mädchen, das seine ersten Erfahrungen macht. Waren die Heldinnen wirklich nur ein Zugeständnis an die Schar der Leserinnen, die sich von Bonsels´ sehnsuchtsvollem, sentimentalen Grundton angezogen fühlten …? - Einige seiner Kollegen sahen das zumindest so: Kurt Tucholsky verspottete den literarischen Schürzenjäger als „Waldemarine“ und „Waldine“.

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