Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Oskar Maria Graf Ein Bayer in New York

Für sein Feature, in dem Oskar Maria Graf selbst zu hören ist, hat der bayerische Schriftsteller Bernhard Setzwein unter anderem mit Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia, gesprochen, wie auch mit Prof. Waldemar Fromm, dem Vorsitzenden der Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft.

Von: Bernhard Setzwein

Stand: 24.06.2017 | Archiv

Oskar Maria Graf war einer der Autoren, die am frühesten erkannten, was mit der Nazibarbarei auf Deutschland zukommen würde. Deshalb flüchtete er unmittelbar nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 aus seiner bayerischen Heimat und landete – nach Zwischenstationen in Wien und Brünn – schließlich im amerikanischen Exil.

"Verbrennt mich!"

Bücherverbrennung der Nazis (1933)

Tatsächlich ist es so, daß Oskar Maria Graf eine Zeitlang auch von führenden Nationalsozialisten bewußt falsch verstanden wurde. Man hätte ihn gerne als kernigen Vertreter des oberbayerischen Bauernstandes verkauft, als einen volksnahen, "reinrassigen" Schilderer des Lebens auf der Scholle. Jedenfalls fehlte sein Name auf der Liste derer, die die Nazis 1933 bei ihren pompös inszenierten Bücherverbrennungen der – wie sie es nannten – reinigenden Kraft der Flammen übergaben. Vielmehr wurden einige seiner Buchtitel, in denen das bäurische Leben anklang – Schriften wie "Wir sind Gefangene" gehörten natürlich nicht dazu! – amtlicherseits als "empfehlenswert" eingestuft.

Graf erfuhr davon in seinem Wiener Exil … und war tief getroffen und entsetzt. Sofort formulierte er seinen berühmt gewordenen Aufruf "Verbrennt mich!", der weltweit über siebzig Mal nachgedruckt wurde, unter anderem auch in der "New York Times".

Bis zu seinem Tod vor 50 Jahren lebte er in New York

Das Arbeitszimmer von O. M. Graf aus New York (Münchner Stadtmuseum, 2015). Sein Schreibtisch ist heute im Literaturarchiv Monacensia zu sehen.

Eine winzige Wohnung in einem Mietsblock in Nord-Manhattan wurde das letzte Domizil. Bis zu seinem Tod vor genau 50 Jahren lebte er in New York. Zahlreich sind die Anekdoten über seine mangelnde Integrationsbereitschaft. Nicht nur, dass er einen bayerischen Stammtisch in der Gaststätte "Alt-Heidelberg" unterhielt, er unternahm auch kaum Anstrengungen, das amerikanische Englisch zu erlernen. Allein noch beheimatet in seiner Sprache, einem bairisch gefärbten Schriftdeutsch, schrieb er auch im Exil noch bedeutende Werke, allen voran sein großes Bekenntnisbuch "Das Leben meiner Mutter"..

"New York, Hillside Avenue, 1. Dezember 1960, Brief an den Journalisten Oskar Angelus:

Sie meinen, in der Steinwüste New York müßte ich mich eigentlich kaum wohl fühlen. Das ist durchaus falsch geraten, ich lebe seit fast 25 Jahren hier und keine Stadt der Welt hat mir je so zugesagt, in keiner habe ich mich (einschließlich München und Wien) je so daheim gefühlt, denn ich bin ein radikaler Stadtmensch und könnte nie einsam oder in einem Dorf auf dem Lande leben. Ich liebe das Anonyme hier so, man ist unbehelligt."

(Oskar Maria Graf)

Lederhosen-Skandal im Münchner Cuvilliéstheater

Oskar Maria Graf mit Lederhose in München (1958)

Bis Graf die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt, dauerte es lange. Eher traute er sich allerdings nicht, das alte Europa noch einmal zu besuchen … er hatte Angst, man würde ihn, den Gefühlssozialisten, in das von einer Kommunistenhatz geprägte Amerika nicht mehr zurücklassen. Die wenigen Besuche, die er Bayern noch abstattete, waren nie ganz konfliktfrei. Sein Beharren darauf, in bayerischer Landestracht bei einer Lesung im Münchner Cuvilliéstheater aufzutreten, provozierte einen regelrechten Lederhosen-Skandal. Mitterweile ist Graf ist längst heimgeholt. Er gilt als einer der wichtigsten bayerischen Autoren. Seine sterblichen Reste liegen in München-Bogenhausen, seinen Nachlaß sowie den New Yorker Schreibtisch verwahrt das Literaturarchiv Monacensia.

Ausstellungstipp:

Literaturhaus München

LITERATURHAUS MÜNCHEN
2.6. bis 5.11.2017
Oskar Maria Graf
Rebell, Weltbürger, Erzähler


Die Ausstellung zeigt Oskar Maria Graf als internationalen und modernen Schriftsteller. Im Mittelpunkt steht sein Leben und Schreiben in den Jahren des Exils und die Frage nach der "wahren Heimat". Oskar Maria Graf und seine Frau Mirjam lebten von 1933 bis 1938 in Wien und Brünn und ab 1938 in New York. Schreiben war für Graf ein politischer Akt. Sein Hauptwerk "Das Leben meiner Mutter", von Thomas Mann als "einzigartiges Monument der Liebe und der Pietät" gepriesen, ist in New York  entstanden. Als Erzähler beschwört er Landschaften der Erinnerung; in seiner Überzeugung gegen jede Art von Ideologie steht Graf fest wie ein Baum, sein Leben lang. Ein Baum bildet daher das Zentrum der der Ausstellung.

Eine Ausstellung des Literaturhauses München in Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek und der Monacensia
Kulturpartner: Bayerischer Rundfunk
Leitung Literaturhaus: Tanja Graf
Kuratorinnen: Laura Mokrohs und Karolina Kühn
Wissenschaftliche Beratung: Dr. Elisabeth Tworek, Prof. Waldemar Fromm, Prof. Wilfried F. Schoeller
Gestaltung und Szenografie: unodue münchen
Audiobegleitung: Friedrich Ani
Filmberatung: Andreas Ammer

Mit freundlicher Unterstützung durch die Freunde und Förderer des Literaturhauses München

Mo.-Mi. & Fr. 11-19 Uhr

Do. 11.00-21.30 Uhr
Sa./So./Feiertage 10.00-18.00 Uhr
Katalog: Euro 10.- (erhältlich in der Ausstellung)

Veranstaltungshinweis:

Außenansicht des Literaturarchivs Monacensia

Sonntag, 23. Juli 2017, 11.00 Uhr

"Ein gemütlicher Spektakel war überall"
Zum 123. Geburtstag von Oskar Maria Graf

Lesung mit Musik und bayrischer Brotzeit
Lesung: Maria Hafner, Musik: Mrs. Zwirbel


"Du siehst, ich bin unmöglich für jede Art Betrieb, höchstens für feuchtfröhliche Tischrunden, die ich denn auch noch immer wacker besuche", schreibt Oskar Maria Graf am 29. April 1950 an R. A. Dietrich.

Zum 123. Geburtstag von Oskar Maria Graf laden wir Sie herzlich zu einer literarisch-zünftigen Matinée in die Monacensia im Hildebrandhaus ein.

Neben einem illustrem Lesungs- und Musikprogramm erwarten Sie bayerische Schmankerl und Getränke aus dem Café MON, dem neu eröffneten Literaturcafé im Hildebrandhaus.

Es liest die Schauspielerin und Musikerin Maria Hafner.
Musik: Mrs. Zwirbl (Evi Keglmaier, Maria Hafner & Anna Veit)

Ort: Monacensia im Hildebrandhaus / Forum Atelier
Eintritt: 5,- Euro / Karten am 10.30 Uhr an der Tageskasse ( Eingang Siebertstr. 2)

Hörtipp:

Made in Bavaria: Lesungen

  • Autor: Oskar Maria Graf
  • Format: Audio-CD - Audiobook
  • Verlag: DHV - Der Hörverlag; Auflage: 1 (2003)
  • ISBN-10: 3899400453
  • ISBN-13: 978-3899400458

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