Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton

Tierisches Multikulti Kamele, Wasserbüffel und Co.

Das Phänomen an sich ist nicht neu. Epochen mit ausgeprägten internationalen Verflechtungen zeitigen nicht nur zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund, sondern auch Tiere mit einem ebensolchen ...

Autor: Ulrich Zwack Stand: 26.11.2011
Kamele | Bild: picture-alliance/dpa

Schon die alten Römer machten vorderasiatisches Getier wie Fasan und Damhirsch im heutigen Bayern heimisch, und aus Nordafrika stammende Kavalleriekohorten schwankten erwiesenermaßen auf Dromedaren durchs Allgäu. Insofern bedeutet es eigentlich gar nichts Besonderes, wenn man heute z.B. im Mangfalltal auf Kamelen reiten kann oder auf bayerischen Weiden Lamas findet, Strauße, Wasserbüffel, Yaks, Bisons oder schottische Hochlandrinder.

"Grauhörnchenschwanz" contra "Oachkatzlschwoaf"

Amerikanisches Grauhörnchen

All diese Exoten wurden absichtlich nach Bayern importiert, weil man sich von ihnen irgendeinen Nutzen versprach und verspricht. Sie waren und sind quasi im Besitz einer Greencard und deshalb hochwillkommen. Doch es gibt auch sozusagen illegale Einwanderer aus der Fauna ferner Länder. Waschbären z.B. oder Bisamratten, die aus Pelztierzuchten ausgebüchst sind. Manche, wie der sibirische Marderhund oder mehrere Krebsarten, haben die weißblaue Grenze auch eigenmächtig überschritten. Viele dieser IIlegalen treiben im Freistaat ein höchst schädliches Unwesen. Der amerikanische Mink z.B. hat den heimischen Nerz schon fast zur Gänze verdrängt; der riesige Ochsenfrosch frisst sich als nimmersatter Kannibale durchs amphibische Reich seiner kleineren europäischen Artgenossen. Das amerikanische Grauhörnchen hat bereits dafür gesorgt, dass unser gutes altes Eichkätzchen in England und Norditalien so gut wie ausgestorben ist. Gerade setzt es auch zum Sturm auf Bayern an. "Oachkatzlschwoaf" wird womöglich schon bald nur mehr eine völlig inhaltsleere Vokabel sein. Und mit "Grauhörnchenschwanz" wird man wohl leider keinen einzigen "Preißn" mehr aus der sprachlichen Reserve locken können ...

Ulrich Zwack erkundet die tierische Multikulti-Gesellschaft auf den Fluren und in den Wäldern, Tümpeln, Bächen, Flüssen und Seen Bayerns.