Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton

Friedrich Ani Dichter und Krimi-Autor

"Ich wollte keine Karriere machen, sondern ich wollte nur einen Job haben. Und das ist mir gelungen. Ich hab ein Volontariat gemacht, das ging damals noch, ohne Studium, und wurde dann als Redakteur übernommen und hab da wie der Teufel geschrieben. Ich hab das aber fast acht Jahre gemacht. Aber es war immer nur Job. Ich dachte mir, ich muß jetzt mal was schreiben, womit ich Geld verdienen kann ..."

Von: Bernhard Setzwein Stand: 02.06.2012
Friedrich Ani | Bild: picture-alliance/dpa

Friedrich Ani ist einer der erfolgreichsten deutschen Krimi-Autoren. Seltsamerweise passieren in seinen Büchern aber kaum Morde. Mit seinem legendär gewordenen Fahnder Tabor Süden aus dem Dezernat 11 der Münchner Polizeiinspektion hat er eine Figur geschaffen, die sich ausschließlich der Suche nach vermissten Personen widmet.  Die Geschichten, die Ani unter dieser Prämisse erzählt, elektrisieren seine Leser, vielleicht weil es dem Autor gelingt zu vermitteln: "Manche Menschen werden erst durch ihr Verschwinden sichtbar." Ani jedenfalls ist ein Meister im Sichtbarmachen von Lebensgeschichten. Sie sind angesiedelt in Ecken und Winkeln der Glamourstadt München, die lieber übersehen werden: etwa unter den Trinkern in kleinen Vorortkneipen, unter abgeschobenen "Schlüsselkindern" in einem Erziehungsheim oder unter deutschnationalen Wirrköpfen, die endlich mit all dem "Ausländergesocks" aufräumen wollen.

"Ich hab das immer so empfunden, daß sowohl von Zuhause her als auch vom Dorf her alle wollten, daß ich klein bleibe, daß ich nicht aufmucke und daß ich nicht die Dinge tue, die ich am liebsten tue. Ich hab sehr früh angefangen rumzukritzeln und eigene Sachen zu schreiben. Was so dermaßen merkwürdig und anders war. Das Schreiben hat begonnen mit zehn, elf ... also, glaub ich, unmittelbar, als ich aufs Gymnasium gehen mußte."

(Friedrich Ani)

München, das ist seine literarische Passion

Bob Dylan

Immer wieder ist es der Stadtteil Giesing, in dem Ani lebt, der zur Bühne für seine ruppig-rauhen, aufwühlenden und manchmal tief melancholischen Geschichten wird. Als Soundtrack hört der Leser Buffy Sainte-Marie, Tom Waits und immer wieder Bob Dylan nebenher mitlaufen. Mit letzterem verbindet Ani eine oft expressiv-poetische Sprache. Begonnen nämlich hat er als Lyriker. Gedichte schrieb er schon während seiner Zeit als Lokalreporter. So begann seine Schriftstellerlaufbahn. Über die unterhält er sich mit dem Kollegen Bernhard Setzwein, der ihn in Giesing besucht hat. Fast alle Bücher Friedrich Anis haben dort ihren Schauplatz.  München, das ist seine literarische Passion. "So lang ich schreibe, Stadt, so lange brennt der Himmel", heißt es im Gedicht "Stadt der somnambulen Hunde".

Buchtipps:

  • Friedrich Ani, "Süden", Droemer Knaur 2011
  • Friedrich Ani, "Die Tat", dtv 2010
  • Friedrich Ani, "Mitschnitt. Gedichte", Zsolnay Verlag 2009
  • Friedrich Ani, "Die Erfindung des Abschieds", Droemer Knaur 2001
  • Friedrich Ani, "German Angst", Droemer Knaur 2000

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