Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Friedl Brehm Eine bayerische Verleger-Legende wird 100

Er sah nicht aus, wie man sich einen Bavarica-Verleger vorstellt, erinnerte eher an Winnetous Lehrer Klekih-petra, wollte sich jedoch keinem Häuptling unterordnen, sondern hielt die Monarchie für die dem Stamm der Bajuwaren angemessenste Staatsform. Nicht einmal ein gebürtiger Bayer war er, beherrschte auch nicht die bairische Sprache. Und doch hat dieser kleine Mann mit seiner großen Ausstrahlung viel für die bayerische Literatur geleistet, besonders für die Mund-Art. Diesem Unangepassten widmen wir zu seinem 100. ein passendes Geburtstagsständchen …

Von: Bernhard Setzwein

Stand: 03.06.2017 | Archiv

"Ich hab für den Friedl Brehm einmal zwei Texte geschrieben, die hat er b'stellt. Der eine geht über einen echten Bayer ... das hat ihn immer interessiert, was ein echter Bayer für ein Bayer is'. Dann hab ich ihm einen Text geschrieben, und den hat er dann in die Welt hinausgetragen.

A echta Bayer jodelt net.
A echta Bayer schuahplattl net.
A echta Bayer fensterlt net.
A echta Bayer macht koa Volksmusi und
a echta Bayer wuidat aa net -
Wenn Fremde dabeisan"

(Helmut Eckl, Mundartautor und Kleinkunstbrettl-Künstler aus München)

Ein bayerischer Duisburger "Preiß"

Friedl Brehm (l.) und der Autor Felix Mitterer

Friedl Brehm war in jeder Hinsicht eine singuläre Erscheinung - schon rein äußerlich: Mit seinem schulterlangen weißen Haar, dem Peace-Zeichen vor der Brust, immer mit Bluejeans und Holzpantoffeln unterwegs, klein von Gestalt, aber groß in seiner Wirkung, konnte man ihn in seinen späteren Jahren für einen ewigen Hippie und Friedensapostel halten - oder auch für eine Inkarnation von Winnetous weißem Lehrvater Klekih-petra. In Duisburg geboren, aber aus einer traditiosnreichen Würzbuger Familie stammend, fühlte er sich zeitlebens als Bayer. Daraus erkärt sich auch sein verlegerisches Engagement für die bairische Mundart.

"… ohne eigene Sprache, in einem fremden Sprachraum aufgewachsen, in der Schule immer als 'Bayer' oder 'Ausländer' bezeichnet, musste sich so etwas in einem Charakter wie mir ausprägen."

(O-Ton Friedl Brehm)

Verleger aus Leidenschaft

Friedl Brehm in den Räumen seines Verlages in Feldafing. - Sein "Verlagsgebäude" war mit seinem Wohnzimmer identisch.

Entsprechend zog es ihn frühzeitig nach Bayern, wo er zuerst Journalist von Beruf wurde - und später Verleger aus Leidenschaft. Er rief die Zeitschriften "Schmankerl" und "Edelgammler" ins Leben, bot jungen Autoren aus Bayern und Österreich ein Publikationsforum, förderte vor allem die Mundartliteratur in ihrer nicht-tümelnden Ausprägung - und wurde so zum Mentor und Mäzen für eine ganze Reihe literarischer Stimmen, von denen einige heute zum Kanon der bayerischen Gegenwartsliteratur zählen.

Der kommerzielle Erfolg ließ auf sich warten

(v.l.) Friedl Brehm und Siegbert Haiplik bei der Übergabe des Ossi-Sölderer-Preises an ihn. Rechts daneben sein Laudator Bernhard Setzwein.

Im "Friedl-Brehm-Verlag" veröffentlichten Autoren wie Joseph Berlinger, Helmut Eckl, Harald Grill, Hanns Meilhamer, Felix Mitterer, Gerhard Polt, Carl-Ludwig Reichert, Alfons Schweiggert, Bernhard Setzwein, Albert Sigl oder Josef Wittmann. So illuster diese Namen heute klingen mögen, so wenig bescherten sie dem Verleger kommerzielle Erfolge. Doch dies war auch gar nicht sein primäres Ziel. Sein Brotberuf war der Jorunalismus, die Verlegerei war eine Herzensangelegenheit. Zwischen diesen beiden Polen arbeitete sich der zeitlebens Unangepasste 27 Jahre lang auf. Friedl Brehm starb am 8. April 1983 in Feldafing, wo er lange gelebt hatte.

Veranstaltung in Feldafing zum 100. Geburtstag von Friedl Brehm

Teilnehmer der Veranstaltung in Feldafing

Am 21. Mai vor 100 Jahren kam er zur Welt und vor 60 Jahren gründete er seinen Verlag - Anlässe genug, an diese außergewöhnliche Persönlichkeit der bayerischen Literaturszene zu erinnern. Bernhard Setzwein setzt Friedl Brehm ein akustisches Denkmal, unter Verwendung von Teilen des Mitschnitts einer Veranstaltung am 21. Mai in Feldafing - mit dem treffenden Titel: "Messerstiche in die weiß-blaue Seele".


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