Diridari Kleine Geschichte des bayerischen Geldes
„Das oft leidenschaftliche, stets große Interesse, das den praktischen Fragen des Geldwesens und des Geldwertes gilt, erklärt sich daraus, dass sich im Geldwesen eines Volkes alles spiegelt, was dieses Volk will, tut, erleidet, - ist!“ (Joseph Alois Schumpeter)
Alle reden über Geld. Wir auch. Nicht jedoch über das hysterisch sich drehende Karussell der postmodernen Spekulationsindustrie mit seinen virtuellen Milliarden, sondern über Geld, das tatsächlich noch Geld war. Geld, das man noch in die Hosentasche stecken, unters Kopfkissen legen oder in den Klingelbeutel werfen konnte. Die bayerische Geldgeschichte ist lang, kompliziert und spannend. Sie reicht von der Antike bis zur Bayern-LB, von römischen Bronze- und byzantinischen Goldmünzen über den Regensburger Denar, den südbayerischen Schwarzpfennig und den nordbayerischen Weißpfennig, den Heller aus Schwäbisch-Hall und den Tiroler Kreuzer bis hin zum „Ludwigsdreckerl“, dem bayerischen Silberkreuzer, der Goldmark, der D-Mark und dem Euro. Alle diese Währungen besitzen ihre ganz eigenen Geschichten, Geschichten des Reichtums und der Armut, der Habgier und der Verschwendung, der Macht und der Ohnmacht. - Thomas Kernert begleicht Ihre Rundfunk-Gebühren mit Geschichten um den bayerischen cash flow.
Man tauschte einfach Kuh gegen Haus ...
"Bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es in Bayern weder Flachbildschirme, noch Mikrochips, noch Atombrennstäbe. Es gab nur Äcker, Häuser und Kühe. Niemand brauchte von daher Geld. Wollte man weniger Kuh und dafür mehr Haus, so tauschte man einfach Kuh gegen Haus. Wollte man mehr Acker statt Haus, tauschte man Haus gegen Acker. Das Leben war einfach, ehrlich und beschaulich. Und weil es so einfach, ehrlich und beschaulich war, überdauerte es die Jahrhunderte, in denen der Tauschhandel noch verfeinert und optimiert wurde. Bis heute wird in Bayern viel getauscht, wovon vor allem der politische Naturalienhandel profitiert. So kann man z.B. mühelos Gefälligkeitsgutachten gegen Listenplätze, Ministerposten gegen Chefsessel oder schwarze Kassen gegen weiße Westen eintauschen. All diese Transaktionen gehen völlig geräusch- und bargeldlos über die Bühne. Niemand stört sich an ihnen."

Wetter


